Was wurde aus dem Klonschaf Dolly?

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Klonschaf Dolly
Eine Ikone der Wissenschaft: Das Klonschaf Dolly wurde am 5. Juli 1996 geboren. Sie starb als sechsfache Mutter viel zu früh, mit sechs Jahren wurde Dolly in Folge einer Lungenentzündung eingeschläfert.
2003 Getty Images/Getty Images
Dolly
Die ausgestopfte Dolly ist heute im National Museum of Scotland in Edinburgh ausgestellt.
Ruth Armstrong
Dolly
Auch ein Fell von Dolly gibt es im National Museum of Scotland zu bestaunen.
Duncan McGlynn

Im Sommer 1996 kam das Schaf Dolly zur Welt, das erste Säugetier, das jemals aus einer Zelle eines erwachsenen Tieres erzeugt wurde. Was wurde aus dem Retortentier, mit dem Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde?

Im Winter 1997 meldeten Forscherinnen und Forscher des Roslin-Instituts nahe Edinburgh in Schottland ein Ereignis, das ein wissenschaftlicher Meilenstein war. Wenige Monate zuvor, am 5. Juli 1996, wurde ein Schaf geboren, kein normales Schaf, sondern ein ganz und gar einzigartiges, das andererseits und paradoxerweise genau das nicht war, einzigartig. Schaf Dolly war im Labor gezüchtet worden, indem die Wissenschaftler eine genetische Kopie eines anderen Schafs schufen. Dolly war ein Klon, der erste, der nach einer bestimmten wissenschaftlichen Methode erzeugt wurde, der genetischen Reproduktion aus einer sogenannten adulten, somatischen Zelle. Mit Dolly wurde Science-Fiction Wirklichkeit, mit dem Retortentier betraten wir eine schöne neue Welt, mit ihm begann das Klonzeitalter.

"Das war ein großes Ereignis", sagte der Wuppertaler Molekular- und Zellbiologe Martin Simon über den wissenschaftlichen Durchbruch. "Es war sowohl handwerklich als auch wissenschaftlich eine Meisterleistung, hat aber den Klonbegriff auch mystifiziert." Und gleichzeitig dessen Schwachstellen aufgezeigt, die vor allem ethisch-moralischer Natur waren. Zwei Lager prallten damals aufeinander, die bis heute ihre Kämpfe ausfechten. Auf der einen Seite die auch auf der Religion fußenden Moralverfechter, die in der Produktion genetisch identischer Lebewesen das nur Gott gegebene Schöpfungsrecht infrage gestellt sehen. Auf der anderen die Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigen, die die kleine Dolly als großen Schritt für die Menschheit betrachten.

Gedämpft wurden die moralischen Vorbehalte durch die Methode der genetischen Reproduktion - zumindest ein wenig. Bei der Erschaffung Dollys wurde kein Genom manipuliert, weder fügten die Wissenschaftler um den britischen Zellbiologen Keith Campbell und seinen Kollegen Ian Wilmut dem Genom Gene hinzu, noch entfernten oder veränderten sie welche. Sie führten eine ausdifferenzierte, erwachsene Zelle aus der Euter eines Finn-Dorset-Schafs in die Eizelle eines Scottish-Blackface-Schafs. Aus den insgesamt 277 Eizellen entstanden 29 Embryonen, aus denen nur ein Tier, Dolly, überlebte. Unwissenschaftlich betrachtet, hatte Dolly also keinen Papa, dafür aber drei Mamas: zwei Spendenmütter und eine Leihmutter, die sie ausgetragen hatte.

So lebte und starb Klonschaf Dolly

Aber auch eine Patin hatte Dolly, wenn man so will. Benannt wurde das Klonschaf nämlich nach Dolly Parton. Mit der Begründung der Namensgebung, die heute noch geschmäcklerischer ist als damals, soll das Thema hier auch schon abgehakt sein. Den Forschenden - interessant wäre zu wissen, wie genau das Mengenverhältnis zwischen Forschern und Forscherinnen war - kam beim Hantieren mit den Zellen aus einem Schafeuter offenbar niemand anderes in den Sinn als die Countrysängerin mit ihrer stolzen Oberweite. Moral hin oder her, Humor konnte man den klugen Wissenschaftlern wenigstens nicht absprechen.

Dolly selbst hatte am Ende ihres Lebens wenig zu lachen. Sie erkrankte mit etwa fünf Jahren an der Alterskrankheit Arthritis, was zu einer schweren Lungenentzündung geführt hatte. Am 14. Februar 2003 musste sie eingeschläfert werden. Dolly starb also mit nicht einmal sieben Jahren, was auch für Schafe viel zu früh ist, die im Durchschnitt zehn bis zwölf Jahre alt werden.

Wenigstens aber hatte sie bis dahin ein beschauliches und geselliges Leben am Roslin-Institut geführt, inmitten einer Herde aus "normalen" Artgenossen. Sie wurde Mama von sechs Lämmern, die sie mit einem Welsh-Mountain-Schaf namens David gezeugt hatte. Zwei der Lämmer waren Zwillinge und drei Drillinge, auch das also - es war Dollys Lebensthema - Klone, wenn auch ganz und gar auf natürliche Weise entstandene.

Und heute? Heute ist Dollys Körper, konserviert und ausgestopft, im National Museum of Scotland ausgestellt, wo sie Teil einer doch recht morbiden Sammlung ist, samt ihrem Fell, das dem Museum 2023 gespendet wurde, ihrer Totenmaske und zweier weiterer Klonschafe, Morag und Megan. Warum im Museum? Weil so etwas schon mal passiert mit großen zivilisatorischen Errungenschaften, sie werden als Zeugnisse eben solcher Errungenschaften und zu deren Feier für alle Ewigkeiten beschaut und bestaunt. Außerdem hatten es Dollys letzten Besitzer, wie die "SZ" einmal schrieb, "nicht übers Herz gebracht", das berühmte Schaf auf "herkömmliche Weise zu entsorgen".

Quelle: teleschau – der mediendienst