Wie steht es um die Zukunft des Kinos?
Das Filmfestival steht vor allem fürs Kino - wenn es ganz ruhig wird im Saal, Menschen lachen oder weinen. Mehr als 330.000 Tickets wurden im vergangenen Jahr verkauft, manche Fans nehmen extra Urlaub. Doch im Raum steht auch die Frage, wie es in Zeiten des Ständig-am-Handy-Seins weitergeht mit dem Kino.
Schauspieler Leonardo DiCaprio äußerte kürzlich Sorge um die Zukunft des Kinos. «Leonardo ist da nicht allein», findet Wenders. «Das besorgt viele, aus den verschiedensten Gründen.» Die Vorherrschaft der Streamingdienste bringe irre viele «Produkte» auf den Markt, von denen sehr viele inzwischen mehr von Algorithmen bestimmt seien als von guten und originalen Geschichten.
Und im Kino könnten sich viele gute - und womöglich «kleinere» - Filme nicht mehr durchsetzen, erklärt Wenders. Weil sie die Zeit nicht mehr bekämen, ihr Publikum zu gewinnen. Für so etwas Altmodisches (oder Analoges) wie «Mundpropaganda» sei gar keine Zeit mehr.
Auf der Suche nach dem «Buzz»
Genau das will Festivalchefin Tuttle allerdings versuchen. Sie will einen «Buzz» kreieren, wie sie neulich dem «Tagesspiegel» sagte, also einen Hype und eine große Aufmerksamkeit. Dafür brauche es unzählige Kleinigkeiten. «Man muss die richtigen internationalen Journalisten zum Festival kriegen, die nächste Generation von Bloggern und natürlich die entsprechenden Filme.»
Welche Filme auf einem Festival landen, ist ein monatelanger Verhandlungsprozess. Im Mai und September stehen die Festivals in Cannes und Venedig an, die große Konkurrenz machen. Die Berlinale profitierte öfter davon, dass manche Verleiher ihre Filmstars kurz vor den Oscars im März nach Berlin geschickt haben oder kurz vor einem Kinostart.
Welche Filme fehlen?
Doch einige große Titel, die wegen ihres Kinostarts eigentlich günstig gelegen hätten, sind nicht beim Festival dabei. Der Tischtennisfilm «Marty Supreme» mit Hollywoodstar Timothée Chalamet etwa. Oder «The Bride!» mit Jessie Buckley, «The Drama» mit Zendaya und Robert Pattinson und «Der Astronaut» mit Ryan Gosling und Sandra Hüller.
«Das sind alles Filme, an denen wir grundsätzlich interessiert gewesen wären, aber die Rechteinhaber fanden, dass der Veröffentlichungstermin noch zu weit entfernt liegt – was wir respektieren», sagte Tuttle dem Branchenmedium «The Spot». Das spiegelt einen Trend in der Branche wider, was besonders Studioproduktionen mit hohem Budget betreffe. «Außerhalb der Award-Saison ist man vorsichtiger bei Premieren auf Festivals.»
Wie sieht man auf dem roten Teppich trotz Winter gut aus?
Stattdessen will die Berlinale, die als ein politisches Festival gilt, auch damit punkten, dass sie viele verschiedene Filme zeigt. Sandra Hüller ist im Wettbewerbsfilm «Rose» zu sehen. Darin spielt sie eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt. Im Wettbewerb laufen auch Filme der deutschen Filmschaffenden Ilker Çatak («Gelbe Briefe»), Angela Schanelec («Meine Frau weint») und Eva Trobisch («Etwas ganz Besonderes»).
Gezeigt werden in anderen Reihen etwa «The Testament of Ann Lee» mit Amanda Seyfried, der allerdings schon in Venedig lief, der Vampirfilm «Die Blutgräfin» mit Isabelle Huppert und Lars Eidinger sowie ein neuer Film mit den Schauspielern Ethan Hawke und Russell Crowe («The Weight»).
Sie dürften wohl mit dem Berliner Winterwetter Bekanntschaft machen. Bei der Eröffnungsgala im vergangenen Jahr liefen Promis bei eisigen Temperaturen über den Teppich. Wie schafft man es, dort in der Kälte gut auszusehen? Jurychef Wenders hat eine Antwort: «Mit einem heißen Herzen».