Es waren fette Jahre, in denen Mett-Igel auf dem Tisch standen und Kinder sich wie Erwachsene fühlten, wenn's Malzbier und Schokoladenzigaretten gab. Geraucht wurde nicht nur im Wirtshaus. Sondern auch auf dem Fußballplatz, in Zügen und in Fernseh-Talkshows. Die Menschen waren satt und suchten bedenkenlos den Genuss. Und die Wirtschaft brachte jede Menge neue Errungenschaften auf den Markt: Die Computerisierung begann, Anrufbeantworter, Mikrowellen und Videorekorder waren auch für fränkische Unternehmen ein gutes Geschäft.

Es gibt so vieles, was typisch für diese Zeit ist: Die Aerobicwelle, die in grellen Farben aus Amerika herüberschwappte und der genauso bunte Zauberwürfel, an dem ein paar Jahre lang Millionen Deutsche knobelten. Diese Zeit war voller modischer Entgleisungen und kurioser Trends. Aber lässt sich das Lebensgefühl so leicht beschreiben?

Soziologen und Historiker unterscheiden Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Damals veränderte sich vieles: Die Protestbewegungen der 70er Jahre veränderten sich, aber das Krisenbewusstsein gehört zu den 80ern wie die Groß-Demonstrationen an der Frankfurter Startbahn West, gegen Kernenergie in Brokdorf, Wackersdorf und Gorleben. Die Menschen hatten Angst vor dem atomaren Tod - und schauten Traumschiff und Schwarzwaldklinik, konsumierten fleißig und sangen mit der Neue-Deutsche-Welle-Band Geier Sturzflug "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt". Die Wirtschaft veränderte sich, wurde internationaler. Vieles bahnte sich damals an und ist in der Gegenwart entscheidend. Manches war schön - und ist fast vergessen. Ein bisschen Nostalgie ist erlaubt.

Ein paar Schlaglichter - passend zu den Fotos in unserer Bildergalerie:

Vorher war's die Schallplatte, später die CD, aber die 80er gehörten der Kassette : Mix-Tapes aus dem Radio aufnehmen (häufig auf Geräten fränkischer Hersteller wie Grundig oder Loewe), hoffen, dass der Moderator nicht reinquatscht und Bandsalat mit einem Stift aufspulen - wer da nostalgisch wird, war in den 80ern jung.

Helmut Kohl (CDU) prägte die BRD in dieser Zeit politisch wie kein anderer - vom Machtgerangel mit Franz Josef Strauß (CSU) bis zum "Kanzler der Einheit". Er regierte von 1982 bis 1998. Ähnlich wie Reagan in den USA und Thatcher in Großbritannien verfolgte er eine liberale Wirtschaftspolitik, die den Durchbruch der Globalisierung förderte. Er gilt als Antriebskraft bei der europäischen Integration, die auch zur Einführung des Euro führte. Spitznamen in den 80ern waren "Birne" und "Saumagen-Diplomat".

"In dieser Gymnastikmode kommen Sie wirkungsvoll zur Geltung", bewarb der Baur Versand Burgkunstadt die modische Seite des Aerobic-Trends . In der BRD gab's die Mitmach-Sendung "Enorm in Form", in der DDR "Medizin nach Noten" und dazu trug die deutsche Hausfrau Bodys mit hohem Beinausschnitt, Legwarmers, Schweiß- und Stirnbänder. Kleidung leuchtete allgemein wie Textmarker, pubertäre Mädchen hatten dank Schulterpolstern ein ziemlich breites Kreuz und die Haare waren toupiert oder "Vokuhila" - kommt in der Mode wirklich alles wieder?

Eine Zahl mit 21 Nullen - mehr als 43 Trilliarden verschiedene Kombinationsmöglichkeiten gibt's beim Zauberwürfel des Ungarn Ernö Rubik. Er kam im Juni 1980 in der BRD in die Läden; für viele ist er das Kult-Spielzeug der 80er Jahre schlechthin. Allein bis 1982 wurden 160 Millionen Würfel verkauft.

Mit dem Nato-Doppelbeschluss Ende 1979 drohte Westeuropa die Stationierung weiterer Atomraketen - und sie wurde auch umgesetzt. Das Wettrüsten im Kalten Krieg spaltete Familien, viele Menschen fürchteten einen Atomschlag und engagierten sich in der Friedensbewegung - insgesamt wurden 120 der Pershing-II-Atomraketen (wie auf dem Foto vom Nato-Stützpunkt Mutlangen, Baden-Württemberg) stationiert.

Die "Generation Golf " , die Florian Illies in seinem gleichnamigen Buch über die Jugend in den 80er Jahren beschreibt, diese Generation verbinden viele mit einem Opel: dem Manta (stilecht nur mit Fuchsschwanz). Oder mit einem Peugeot 205 GTI, oder ... egal, Hauptsache Sportversion! In den 80er Jahren, als die Gesellschaft nach Vergnügungen strebte, wurden die Kleinwagen zu PS-Protzen und GTI oder GSi spalteten Stadt und Land.

Der Punk wurde eigentlich bereits kurz nach seinem Entstehen in den 70ern totgesagt, aber 1981 sang die britische Band The Exploited: "Punks Not Dead". Ein Jahr später gründeten sich Die Ärzte in Berlin und die Toten Hosen in Düsseldorf (Foto: Sänger Campino), die wesentlich dazu beitrugen, dass Punk heute zum Mainstream gehört. Gegenpol der wilden Jugend der 80er waren Popper, die einen Lebensstil demonstrativen Konsums und materialistischen Imponiergehabes zelebrierten.