Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes, die sich als Netzwerk von Experten für mehr Sicherheit und Schutz versteht, teilte mit: «Die meisten Gebäude und Anlagen funktionieren ohne Auffälligkeiten.» Etwa fünf Prozent der Gebäudeanlagen produzierten rund 30 Prozent der Falschalarme. Sie seien insgesamt - ebenso wie echte Brände - seltene Ereignisse.
Wie wirkt sich das auf Feuerwehrleute aus?
Jürgen Weiß denkt bei den Falschalarmen in erster Linie an die überwiegend ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die Tag und Nacht bereitstehen für die Hilfe im Ernstfall. «Wenn sie vor Ort feststellen, dass ein Eingreifen nicht notwendig ist, kann sich das negativ auf die Motivation auswirken», sagte er. «Je häufiger das passiert, desto größer könnte der Motivationsschwund sein.» Zudem fehle Arbeitgebern in der Zeit von Feuerwehr-Einsätzen das Personal.
Je nach Bundesland drohen unterschiedlich hohe Gebühren, sollte die Feuerwehr umsonst ausgerückt sein. Laut Gesetz sind die Eigentümer zur Wartung der Brandmeldeanlagen verpflichtet. «Insbesondere bei größeren Liegenschaften scheint die Höhe der Gebühren oftmals kein entscheidender Anreiz zu sein, die Ursache von Falschalarmen konsequent anzugehen», sagte Schwering. «In unserer Wahrnehmung nimmt man in vielen Fällen lieber in Kauf, sie zu zahlen, als sich vielleicht anderweitig Gedanken zu machen.»
Das Landesinnenministerium in Stuttgart sieht es so: Es liege «im betriebswirtschaftlichen Interesse von Betrieben, die Anzahl an Fehlalarmen gering zu halten, um beispielsweise Ausfälle durch Räumungen zu vermeiden und Kosten durch Feuerwehreinsätze verhindern».
Was künftig getan werden kann
Schwering und weitere Experten wollen nun Vorschläge ausarbeiten, wie in Deutschland gegengesteuert werden könnte. So sollte zum Beispiel geprüft werden, ob jede Brandmeldeanlage mit der Feuerwehrleitstelle verbunden werden sollte oder nur bestimmte Objekte wie Krankenhäuser oder Altenheime.
«Bei Objekten, die rund um die Uhr durch Personal besetzt sind, wie Verkaufsstätten oder Hotels, kann man schon in Frage stellen, ob eine automatische Aufschaltung auf die Feuerwehr benötigt wird oder man nicht erst einmal den Betreiber erkunden lässt und im Ereignisfall die Feuerwehr alarmiert», sagte Schwering. «Wir merken aus den Einsätzen heraus, dass die Feuerwehr als Erkundungseinheit verwendet wird. Wir fahren hin und gucken für den Betreiber, ob es brennt.» Das sei nicht Aufgabe der Feuerwehr.
Schwering sprach sich zugleich dafür aus, Anlagen technisch weiterzuentwickeln, damit sie weniger anfällig sind für falsche Alarme - zum Beispiel mit der Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Er betonte: «Eine Brandmeldeanlage ist per se ein sehr, sehr wichtiges Instrument bei vielen Liegenschaften, weil sie sehr früh die Alarmkette in Gang setzt.»
Das Landesinnenministerium von Baden-Württemberg appellierte: «Im Bezug auf Fehlalarmierungen in gutem Glauben gilt jedoch unbedingt: Lieber einmal zu oft den Notruf wählen, als einmal zu wenig.»