Amateure oder Profi-Bande?
Am frühen Morgen des 19. Oktober schlagen die Täter im Louvre zu – und sind nach nur rund sieben Minuten wieder verschwunden. Über ein mit einer Hebebühne erreichtes Fenster dringen sie in das Gebäude ein, brechen in der Galerie d’Apollon Vitrinen auf und entnehmen gezielt Schmuckstücke aus der Sammlung französischer Königinnen und Kaiserinnen.
Doch der präzise Einstieg steht im Kontrast zur Flucht: ein missglückter Brandversuch am Fluchtfahrzeug, zahlreiche Spuren – und die Krone der Kaiserin Eugénie (1826–1920), Ehefrau von Napoleon III., die die Täter in der Nähe des Museums zurückließen. Sie wurde beschädigt, kann jedoch vollständig restauriert werden.
Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau warnte gegenüber «Le Parisien» vor vorschnellen Urteilen. Zwar werde das Vorgehen oft als unprofessionell beschrieben, tatsächlich hätten die Täter jedoch Koordination und Effizienz bewiesen.
Auch der Leiter der auf organisierte Kriminalität spezialisierten Einheit in Versailles, Philippe Franchet, ordnet den Fall differenziert ein. «Ich würde das nicht unbedingt als Amateurhaftigkeit bezeichnen. Den perfekten, genialen Coup – den gibt es nicht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Die offene Spur der Auftraggeber
Sollte der Coup möglicherweise vollständig von den mutmaßlichen Tätern selbst geplant und ausgeführt worden sein, bleibt eine Frage offen: Welche Rolle spielte das Umfeld der späteren Verwertung?
Für Franchet liegt der entscheidende Punkt weniger im Einbruch selbst als in dem, was danach geschieht. Denn selbst wenn keine klassische Auftraggeberstruktur hinter der Tat stand, stellt sich die Frage, wie eine solche Beute in den Markt gelangt.
In vielen Fällen sind es nicht die Täter selbst, die am Ende profitieren, sondern die Strukturen dahinter. Hehler organisieren den Weiterverkauf, verfügen über internationale Kontakte – und entscheiden im Zweifel auch, ein Geschäft gar nicht erst einzugehen. «Je stärker ein Fall medial präsent ist, desto eher wird die Beute zum Problem», erklärte der Polizeikommissar.
«Verfluchter Schmuck»
In solchen Fällen spricht die Szene von «verfluchtem Schmuck»: zu bekannt, zu riskant, kaum noch verkäuflich. Für die verschwundenen Juwelen aus dem Museum könnte genau das gelten.
Selbst ein wohlhabender Sammler würde daran wenig ändern. Solche Stücke lassen sich weder zeigen noch unverändert veräußern – ihr Glanz macht sie wertvoll und zugleich unverkäuflich.
Was ist aus den Juwelen geworden?
Für Franchet ist denkbar, dass die Schmuckstücke nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existieren – zerlegt und eingeschmolzen. «Gold zu schmelzen, ist technisch keine große Herausforderung. Mit einfachen Mitteln lässt sich Schmuck seiner Form und damit seiner Herkunft berauben.»
Auch Geldwäsche spielt aus seiner Sicht eine Rolle. Die Spuren des Falls könnten sich über Jahre hinweg in Finanzsystemen verlieren – und erst spät wieder sichtbar werden. «Vielleicht wird man in 15 oder 20 Jahren jemanden über sehr große Geldwäschebewegungen in diesem Fall noch fassen.»