Joghurt im Glas oder in Plastik? Was viele für die bessere Verpackung halten, ist falsch

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Glas ist besser als Plastik? Warum das bei Joghurtbechern nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss und worauf du bei Verpackungen achten solltest, erfährst du hier.

Der beinahe tägliche Einkauf im Supermarkt: Verbraucher stehen oft vor der Wahl – und das nicht nur, was die Produktpalette anbelangt. Kaufst du deinen Joghurt im Plastikbecher oder lieber im Glas? Wenn du auch instinktiv zu Joghurt im Glas greifst, weil Glas als umweltfreundlich gilt, dann kann es sein, dass du einem weitverbreiteten Missverständnis unterliegst. Denn die tatsächliche Ökobilanz für Joghurtverpackungen hängt nicht nur vom Material ab. Fachleute wie NABU-Expertin Katharina Istel erklären, dass besonders das Einwegglas in der Gesamtbilanz häufig schlechter abschneidet als leichte Kunststoffbecher.

Hartnäckiger Mythos: Glas gilt automatisch als nachhaltiger

Ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält: Glas ist automatisch die nachhaltigere Verpackungsform. In der öffentlichen Wahrnehmung genießt Glas ein hohes Ansehen. Es wirkt hochwertig, lässt sich theoretisch unendlich oft recyceln und ist frei von Kunststoff. Deshalb entscheiden sich viele Käufer, die gerne nachhaltig einkaufen möchten, im Supermarkt für den Joghurt im Einwegglas.

Doch dieser erste Eindruck täuscht. Wichtige Aspekte in der Ökobilanz von Joghurtverpackungen werden bei dieser Kaufentscheidung oft ausgeblendet oder sind schlichtweg nicht bekannt. Denn was du vielleicht nicht weißt: Das Einwegglas schneidet in der Ökobilanz deutlich schlechter ab. 

Grund dafür ist, dass schon für die Herstellung des Glases ein hoher Energieaufwand nötig ist. Glas muss bei etwa 1600 Grad Celsius geschmolzen werden. Das erfordert deutlich mehr Energie, als für viele Kunststoffe notwendig wäre. Glas ist zudem schwerer als Kunststoff, was die Transportemissionen erhöht. Und das Recycling ist energieintensiv. Obwohl Glas gut recycelbar ist, erfordert das Sammeln, Sortieren und Aufbereiten einen großen Energieeinsatz und ist logistisch anspruchsvoll. 

Besser als der Ruf? Vorteile und richtige Entsorgung von Plastikbechern

Plastik hat also auch Vorteile: Ein Plastikbecher aus Polypropylen benötigt deutlich weniger Material als ein Glasbehälter. Unterm Strich spart das Rohstoffe und senkt die Emissionen beim Transport, weil leichtere Verpackungen weniger Treibstoff verbrauchen. Auch in der Herstellung benötigt Polypropylen weniger Energie als Glas, das bei sehr hohen Temperaturen geschmolzen werden muss. Dadurch fällt die Klimabilanz vieler Kunststoffbecher günstiger aus.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Verwertbarkeit. Polypropylen-Becher lassen sich im deutschen Recyclingsystem vergleichsweise gut aufbereiten. Wird der Becher korrekt getrennt entsorgt, kann das Material erneut verwendet werden. Auch die Pappbanderole ist recyclingfähig. Voraussetzung für eine gute Ökobilanz ist also nicht nur das Material, sondern auch die richtige Entsorgung in deinem Mülleimer.

Bei der Entsorgung deines Joghurtbechers solltest du die Pappbanderole abtrennen und ins Altpapier geben. Becher und Alu-Deckel gehören getrennt in die Gelbe Tonne. Wichtig ist, die Becher nicht ineinander zu stapeln, damit Sortieranlagen sie besser erkennen können. Bei einer Joghurt-Familienpackung reduziert sich der Verpackungsanteil pro 100 g übrigens deutlich. Richtig trennen und größere Verpackungen wählen – das erhöht die Recyclingquote und verbessert die Gesamtbilanz spürbar.

Praktikabel im Alltag: Tipps für den Einkauf im Supermarkt

Die Frage "Joghurt im Glas oder besser Becher für die Umwelt?" lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist nicht allein das Material, sondern die gesamte Ökobilanz. Dazu gehören auch Herstellung, Gewicht, Transportwege und Recyclingfähigkeit. Glas kann sinnvoll sein, Kunststoff allerdings ebenso. Wenn du nachhaltig entscheiden möchtest, solltest du deshalb die Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Um bewusst einzukaufen, helfen im Alltag einige einfache Kriterien. Regionale Mehrweggläser sind eine gute Wahl, wenn sie standardisiert sind und häufig wiederverwendet werden. Das ist oft bei kleinen Händlern der Fall oder wenn du direkt vom Bauernhof kaufst.

Handelt es sich dagegen um ein Einwegprodukt, ist ein Plastikbecher meist klimafreundlicher als Glas. Ein Blick auf den Boden lohnt sich: Der Recyclingcode 05 kennzeichnet gut recycelbares Polypropylen. Ebenso wichtig ist es, Verpackungsbestandteile korrekt zu trennen und zu entsorgen.

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