Die Fluggesellschaft begründet die Tarifumstellung mit dem veränderten Reiseverhalten ihrer Passagiere. Besonders für Tagesreisende stelle der neue Tarif eine zusätzliche Wahlmöglichkeit zum attraktiven Einstiegspreis dar, heißt es in der offiziellen Mitteilung.
Vier neue Tarifoptionen
Damit passt sich die Lufthansa Group dem Angebotsniveau anderer europäischer Carrier wie Air France an, die bereits ähnliche Tarifmodelle eingeführt haben.
Auch Billigflieger wie Ryanair bieten seit 2018 in ihren Basic-Tarifen nur noch ein kleines Gepäckstück an. Wer nur mit Handgepäck reist, kann allerdings wertvolle Zeit sparen und muss nicht am Gepäckband warten.
Neben dem neuen Economy Basic stehen Reisenden bei der Lufthansa künftig folgende Tarifoptionen zur Verfügung:
Economy Basic (neu): Der Spartarif für Minimalisten
Der neue Economy Basic ist der absolute Einstiegstarif und richtet sich an Reisende, die nur mit minimalem Gepäck unterwegs sind. Im Preis enthalten ist ausschließlich ein kleiner persönlicher Gegenstand wie eine Laptop-Tasche, eine Handtasche oder ein kleiner Rucksack mit den Maximalmaßen von 40 x 30 x 15 Zentimetern. Dieser muss unter den Vordersitz passen. Ein klassischer Handgepäckkoffer ist nicht inklusive und muss gegen Aufpreis ab 15 Euro hinzugebucht werden. Auch aufgegebenes Gepäck kostet extra.
Eine Sitzplatzreservierung ist im Basic-Tarif nicht möglich – der Sitzplatz wird automatisch beim Check-in zugewiesen. Umbuchungen des Fluges sind komplett ausgeschlossen, ebenso Erstattungen. Allerdings können Passagiere auch im günstigsten Tarif Meilen im Vielfliegerprogramm Miles & More sammeln und profitieren von der kostenlosen Bordverpflegung auf Kurz- und Mittelstrecken. Der Tarif eignet sich ideal für Geschäftsreisende auf Tagesreisen, Kurztrips übers Wochenende oder Pendler, die ausschließlich mit einer kleinen Tasche reisen und maximale Flexibilität bei der Buchung nicht benötigen.
Economy Light: Handgepäck inklusive mit neuer Flexibilität
Der Economy-Light-Tarif war bisher der günstigste Einstiegstarif der Lufthansa und wird nun durch den Basic-Tarif ergänzt. Im Light-Tarif sind neben einem persönlichen Gegenstand auch ein Handgepäckkoffer mit den Standardmaßen von 55 x 40 x 23 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu acht Kilogramm enthalten. Aufgegebenes Gepäck ist nicht inklusive, kann aber gegen eine Gebühr hinzugebucht werden.
Eine wichtige Neuerung: Ab dem 28. April 2026 wird der Light-Tarif erstmals umbuchbar – allerdings gegen eine Gebühr. Bisher war dies komplett ausgeschlossen. Eine Sitzplatzreservierung ist weiterhin nicht möglich, der Sitzplatz wird automatisch zugewiesen. Auch im Light-Tarif können Passagiere Meilen sammeln und erhalten kostenlose Bordverpflegung. Dieser Tarif eignet sich für Urlauber, die nur mit Handgepäck reisen möchten, aber mehr Platz als im Basic-Tarif benötigen. Auch für Wochenendtrips oder Städtereisen ist der Light-Tarif eine gute Wahl.
Economy Comfort: Der neue Standard mit Aufgabegepäck
Der bisherige Economy-Classic-Tarif wird in Economy Comfort umbenannt und bleibt der klassische Standard-Tarif für die meisten Reisenden. Im Preis enthalten sind sowohl ein Handgepäckkoffer als auch ein aufgegebenes Gepäckstück mit einem Gewicht von bis zu 23 Kilogramm. Damit eignet sich dieser Tarif ideal für längere Urlaube oder Reisen, bei denen mehr Gepäck benötigt wird.
Allerdings gibt es eine wichtige Änderung: Die bisher kostenlose Sitzplatzreservierung entfällt künftig im Comfort-Tarif und wird kostenpflichtig. Passagiere können gegen eine Gebühr ihren Wunschsitz im Voraus auswählen – andernfalls erfolgt die Zuweisung automatisch beim Check-in. Umbuchungen sind gegen eine Gebühr möglich, Erstattungen jedoch ausgeschlossen. Meilen können gesammelt werden, und die Bordverpflegung ist kostenfrei. Der Economy Comfort-Tarif richtet sich an Familien, Pauschalurlauber und alle Reisenden, die Wert auf Aufgabegepäck legen, aber keine maximale Flexibilität benötigen.
Economy Flex: Maximale Flexibilität für spontane Reisende
Der Economy Flex-Tarif bietet die höchste Flexibilität in der Economy Class und richtet sich vor allem an Geschäftsreisende und spontane Urlauber. Im Preis enthalten sind ein Handgepäckkoffer sowie ein aufgegebenes Gepäckstück. Die kostenlose Sitzplatzreservierung ist inklusive, sodass Passagiere ihren Wunschsitz frei wählen können.
Der große Vorteil des Flex-Tarifs: Umbuchungen sind jederzeit kostenlos möglich, lediglich eine eventuelle Tarifdifferenz muss bezahlt werden. Auch Erstattungen sind im Flex-Tarif möglich, allerdings in der Regel nicht vollständig. Passagiere sammeln die volle Anzahl an Meilen und profitieren von allen Inklusivleistungen wie kostenloser Bordverpflegung. Der Flex-Tarif eignet sich besonders für Geschäftsreisende, deren Reisepläne sich kurzfristig ändern können, sowie für Urlauber, die sich maximale Flexibilität bei der Reiseplanung wünschen und bereit sind, dafür einen höheren Preis zu zahlen.
Verbraucherschützer kritisieren Gebührenpolitik scharf
Mit der Einführung des neuen Tarifs reiht sich die Lufthansa in eine Gruppe von Airlines ein, die bereits seit Längerem unter Beschuss der Verbraucherschützer stehen. Der europäische Verbraucherverband BEUC hat im Mai 2025 zusammen mit 16 nationalen Mitgliedsorganisationen offiziell Beschwerde bei der EU-Kommission und den europäischen Verbraucherschutzbehörden eingereicht. Betroffen sind sieben Billigfluggesellschaften, darunter Ryanair, Easyjet, Wizz Air, Norwegian Air, Transavia und Volotea.
Die Verbraucherschützer fordern, dass jeder Passagier neben dem persönlichen Gegenstand noch einen Handgepäckkoffer mit in die Kabine nehmen darf. Dies sei "angemessen" und entspreche den Anforderungen der EU-Fluggastrechteverordnung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat bereits mehrere Airlines abgemahnt und verklagt. Die Verfahren laufen derzeit vor verschiedenen Oberlandesgerichten, etwa in Berlin, Frankfurt am Main und Hamm.
Das Oberlandesgericht Hamm hat in einem vorläufigen Urteil nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands entschieden, dass eine Fluggesellschaft gegen EU-Recht verstößt, wenn sie für größeres oder zusätzliches Handgepäck extra Gebühren verlangt. Die Verbraucherschützer argumentieren, dass angemessenes Handgepäck zur Beförderung gehöre und nicht zusätzlich berechnet werden dürfe. Verbraucherschutzorganisationen kritisieren bereits seit Jahren, dass Handgepäck zunehmend zu einem kostenpflichtigen Zusatzprodukt wird.
Airlines verteidigen Billigtarife vehement
Der Airline-Verband A4E, dem auch die Lufthansa angehört, weist die Kritik entschieden zurück. Der Verband argumentiert, dass die Billigtarife mit einem Mini-Gepäckstück millionenfach von Konsumenten gebucht würden. Passagiere dürften nicht gezwungen werden, für Leistungen zu bezahlen, die sie gar nicht benötigten. Die Tarifvielfalt ermögliche es den Reisenden, genau das Angebot zu wählen, das ihren individuellen Bedürfnissen entspreche. Ob Fliegen 2026 generell günstiger wird, hängt laut Verkehrsminister trotz gesenkter Luftverkehrssteuer allein von den Airlines ab.
Die Einführung des Economy Basic-Tarifs markiert einen weiteren Schritt der Lufthansa Group in Richtung einer stärker ausdifferenzierten Tariflandschaft. Bereits im März 2026 hatte die Airline einen Business-Class-Light-Tarif eingeführt. Auch bei anderen Tarifen gibt es Anpassungen: In den Tarifen "Economy Comfort" und "Economy Comfort Green" werden Sitzplatzreservierungen künftig kostenpflichtig. Statusmitglieder des Vielfliegerprogramms Miles & More profitieren allerdings weiterhin von einer Reihe von Vorteilen und Inklusivleistungen. Im Jubiläumsjahr 2026 will die Lufthansa trotz der Tarifkürzungen mit zahlreichen Serviceverbesserungen punkten, darunter die Einführung von Highspeed-Internet über Starlink und das neue Kabinenkonzept "Allegris".
Parallel dazu hat die Lufthansa Group Mitte Januar 2026 neue Bestimmungen für Powerbanks eingeführt, die das Nutzen und Laden von externen Akkus während des Fluges komplett untersagen. sl/mit dpa
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