Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana räumt die Gemeinde schwere Versäumnisse ein. Warum wurde der Brandschutz seit 2019 nicht mehr überprüft?
Die Schweizer Gemeinde Crans-Montana hat nach dem Brandinferno in der Silvesternacht mit 40 Toten schwere Versäumnisse eingeräumt. Die eigentlich jedes Jahr vorgeschriebene Brandschutzkontrolle habe zuletzt 2019 stattgefunden, sagt der Präsident des Gemeinderats, Nicolas Féraud. «Wir bedauern dies zutiefst», sagte er.
Auf eine Entschuldigung bei den Angehörigen der Opfer ließ Féraud sich bei einer Pressekonferenz nicht ein. Er kämpfte aber mit den Tränen, als er sagte: «Wir sind extrem traurig. Ich werde diese Last immer tragen, die Trauer der Familien, mein Leben lang.»
Von den 116 Verletzten waren gut 80 noch mit teils lebensbedrohlichen Verletzungen im Krankenhaus. Viele werden inzwischen im Ausland behandelt, auch in Deutschland. Ihnen stehen teils unzählige Operationen, Hauttransplantationen und monate- oder jahrelange Behandlungen bevor.
Keine Pyrotechnik in geschlossenen Räumen mehr
Das Inferno in der Bar Le Constellation in der Silvesternacht wurde nach bisherigen Ermittlungen durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst. Sie setzte nach bisherigen Erkenntnissen schallisolierenden Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus.
Als Sofortmaßnahme hat der Gemeinderat beschlossen, den Einsatz sämtlicher pyrotechnischer Gegenstände in geschlossenen Räumen auf dem gesamten Gemeindegebiet zu verbieten. Zudem werden unabhängige Dienstleister beauftragt, Brandschutzkontrollen im Ort durchzuführen.
Féraud belastete das Wirtepaar, gegen das bereits eine Strafuntersuchung eingeleitet worden ist, schwer. Er warf dem Paar Fahrlässigkeit vor. Es habe eine «Kultur der Rücksichtslosigkeit gegenüber Risiken» geherrscht. Einem zweiten Lokal, das die beiden Franzosen in Crans-Montana betreiben, sei die Betriebsgenehmigung entzogen worden.
Noch viele offene Fragen
Ob der Schaumstoff als Baumaterial zugelassen ist, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte Féraud. In den Regularien stehe nichts darüber, ob solches Material kontrolliert werden müsse. Schaumstoff sei bei den Sicherheitsprüfungen bis 2019 nie Thema gewesen.