"Out of the Blox" macht Kindheitsträume wahr: Der erste Lego-Bauraum Deutschlands lädt in München zum Bauen ein. Vom Todesstern bis Hogwarts ist alles dabei.
Stundenlang in einer Kiste mit bunten Steinen wühlen, das perfekte Teil finden und dabei die Welt um sich herum vergessen – was in der Kindheit selbstverständlich war, wird für viele Erwachsene zum unerreichbaren Luxus. Zu wenig Platz in der Wohnung, zu hohe Anschaffungskosten für die großen Sets, zu wenig Zeit. Doch genau diese Sehnsucht nach kreativem Austoben und nostalgischen Momenten hat in München nun ein Ende: "Out of the Blox" heißt Deutschlands erster Lego-Bauraum speziell für Erwachsene.
Hier können Fans endlich den Todesstern zusammensetzen, Hogwarts nachbauen oder den Burj Khalifa in die Höhe wachsen lassen – und das alles, ohne die teuren Sets kaufen zu müssen.
Lego-Bauraum für Erwachsene öffnet in München
Nostalgische Baustunden statt Shopping-Stress: In der bayerischen Landeshauptstadt hat Deutschlands erster Lego-Bauraum speziell für Erwachsene seine Türen geöffnet. Wer schon immer vom Todesstern oder Hogwarts geträumt hat, kann hier endlich loslegen – ganz ohne Kaufzwang.
Am Mittwoch, 1. April 2026, wurde in München ein Ort Realität, den es so in Deutschland noch nicht gab. "Out of the Blox" heißt der erste Lego-Bauraum für Erwachsene, der in der Schleißheimer Straße 118 auf rund 200 Quadratmetern zum kreativen Austoben einlädt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Das Konzept: Bauen und entspannen, ohne die teuren Sets kaufen zu müssen. Allerdings hat der Spaß seinen Preis – pro Stunde werden 15 Euro fällig, ein Tagespass kostet 90 Euro.
Hinter der Idee stehen Moritz Janke und Melanie Sotouky, ein Münchner Gründerpaar, das selbst große Lego-Fans sind. "Es geht hier um das gemeinsame Bauen", erklärt Mitgründer Janke laut dpa. Viele Enthusiasten würden die aufwendigen Modelle lieben, hätten jedoch weder den nötigen Platz noch das Budget für die Anschaffung. Genau diese Lücke soll der neue Bauraum schließen: "Gäste können genau das Set bauen, auf das man immer schon Lust hatte."
Sechs farbige Wohnzimmer und über 230 Sets
Die Auswahl an verfügbaren Sets ist beeindruckend. Fans können sich durch beliebte Reihen wie "Star Wars" und "Harry Potter" arbeiten oder weltberühmte Bauwerke nachbilden – vom Pariser Eiffelturm bis zum höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa in Dubai, berichtet die dpa.
Das Besondere: Der Bauraum ist in sechs farbige Wohnzimmer unterteilt, die bewusst eine gemütliche Atmosphäre schaffen. An einer großen Show-Wall können sich Besucher inspirieren lassen und ihr Wunsch-Set aussuchen. Wer unsicher ist, erhält eine persönliche Beratung vom Team. Der Clou: Bezahlt wird nicht das Set, sondern nur die Zeit – und zwar erst am Ende des Besuchs.
Flexibles Abrechnungssystem und besondere Details
Das Abrechnungssystem ist durchdacht: Besucher erhalten eine Zeitkarte, die automatisch misst, wie lange sie im Bauraum bleiben. Die erste Stunde ist fix, danach wird in 5-Minuten-Schritten abgerechnet. Zum Ankommen gibt es 15 Minuten geschenkt, damit genug Zeit für Getränke, Pausen und Gespräche bleibt.
Wer länger als sechs Stunden bleibt, profitiert vom Preisdeckel: Der Tagespass für 90 Euro greift automatisch und beinhaltet ein Freigetränk.
Ein weiteres liebevolles Detail: Wie bei Freunden zu Hause werden im "Out of the Blox" die Straßenschuhe ausgezogen. Besucher können eigene Hausschuhe oder Socken mitbringen – oder sie sich kostenlos vor Ort ausleihen. Die Öffnungszeiten sind großzügig: Montag bis Samstag von 10:00 bis 20:00 Uhr können Lego-Fans ihrer Leidenschaft frönen.
Entschleunigung ohne Smartphone
"Ich kann hier total die Zeit vergessen", schwärmten Gäste bereits am ersten Tag, wie die dpa berichtet. Ein Besucher erzählte sogar, dass sein Smartphone während des Bauens völlig unbeachtet blieb – eine Seltenheit im digitalen Alltag. Mitgründerin Melanie Sotouky bringt es auf den Punkt: "Beim Bauen passiert etwas Schönes: Gedanken sortieren sich, Stress fällt ab – und plötzlich sind ein paar Stunden vergangen." Tatsächlich kann kreative Beschäftigung dabei helfen, Stress abzubauen und Achtsamkeit zu fördern.
Am Starttag waren besonders die "Harry Potter"-Sets gefragt. "Davon haben wir aber auch viele", so Moritz Janke. Großer Beliebtheit erfreuen sich zudem die monumentalen Modelle. Allerdings gibt Janke zu bedenken: "Da muss man aber aufpassen, auch wenn ich schnell bauen kann, mache ich den Todesstern nicht in zwei Stunden fertig."
Kein Grund zur Sorge – angefangene Projekte werden eingelagert und können bei einem späteren Besuch vollendet werden. Besucher können einfach mit dem Team vor Ort besprechen, wie lange ihr Bauprojekt reserviert werden kann.
Platzreservierung und besondere Events
Einen Platz kann man online per E-Mail reservieren oder einfach spontan kommen. Gezahlt wird nichts vorab – das schafft maximale Flexibilität. Neben dem regulären Betrieb bietet "Out of the Blox" auch die Möglichkeit, Räume für private Events oder Firmenveranstaltungen zu mieten.
Der besondere Gewölberaum eignet sich für Feiern, Yoga-Sessions, Fotoshootings oder Team-Workshops. Auch die farbigen Wohnzimmer können für Geburtstage, Design-Sprints oder Team-Tage gebucht werden.
Falls ein Set so gut gefällt, dass es ins heimische Wohnzimmer einziehen soll, besteht – bis auf wenige Ausnahmen – die Möglichkeit zum Kauf. Perspektivisch planen die Gründer zudem einen Secondhand-Handel mit den Sets. Obwohl sich das Angebot primär an Erwachsene richtet, betont Melanie Sotouky: "Natürlich sind Familien mit Kindern auch mehr als willkommen." Das Konzept richtet sich an alle, die gerne bauen – für Solo-Auszeiten, Dates, Treffen mit Freunden oder ganze Teams.
Das Phänomen "Kidults": Wenn Erwachsene zu Spielzeug-Fans werden
Der Münchner Lego-Bauraum ist Teil eines größeren gesellschaftlichen Trends. Erwachsene haben sich bei Spielwaren längst zu einer zentralen Zielgruppe entwickelt. Christian Ulrich, Vorstandssprecher der Spielwarenmesse in Nürnberg, berichtete Ende Januar 2026 laut dpa, dass erwachsene Spielzeugfans in vielen Märkten bereits 30 Prozent der Umsätze generieren.
Kidults sind für die Spielwarenindustrie besonders wertvoll, da ihre Anzahl und ihre Ausgaben kontinuierlich wachsen. Sie sind bereit, deutlich mehr Geld zu investieren als jüngere Zielgruppen oder deren Eltern. Experten vermuten, dass dies auch mit der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Geek- und Nerd-Kultur zusammenhängt. Was früher als "kindisch" belächelt wurde, gilt heute als "hip und sexy", wie Hermann Hutter, Vorsitzender des Verbands der Spieleverlage, formuliert.
Getragen vom Lizenzgeschäft: Pokémon, Star Wars, Harry Potter oder Minecraft besonders beliebt
Besonders gefragt bei Kidults sind:
Lizenzprodukte aus Film- und Serienwelten wie Star Wars, Harry Potter, Marvel, DC Comics und Minecraft
Klemmbausteine für anspruchsvolle Modelle – von Architekturnachbildungen bis zu Raumschiffen
Sammelfiguren aus beliebten Franchises wie Pokémon, Disney oder Anime-Serien
Modellbau-Sets für Fahrzeuge, Flugzeuge und historische Gebäude
Nostalgie-Produkte wie den Lego Game Boy oder Retro-Spielekonsolen zum Nachbauen
Puzzle mit hoher Teilezahl und anspruchsvollen Motiven
Brettspiele für Erwachsene mit komplexen Strategien
Getragen wird das Wachstum vor allem vom Lizenzgeschäft: Rund jedes dritte verkaufte Spielzeug basiert inzwischen auf Marken wie Pokémon, Star Wars, Harry Potter oder Minecraft. Unternehmen wie Lego, Ravensburger, Mattel und Hasbro profitieren massiv von dieser Entwicklung, wie das Lego-Fan-Magazin Promobricks berichtet.
Achtsame Auszeiten durch gestalterisches Arbeiten
Auf der Spielwarenmesse Nürnberg 2026 wurde dieser Trend besonders deutlich. Unter dem Motto "Toys for Kidults" präsentierten zahlreiche Aussteller Produkte speziell für erwachsene Kunden. Neben KI-gestützten Spielzeugen war "Creative Mindfulness" ein zentrales Thema – achtsame Auszeiten durch gestalterisches Arbeiten, die neue Perspektiven eröffnen und Entspannung ermöglichen, so die Spielwarenmesse. Rund 2300 Aussteller aus fast 70 Ländern zeigten auf der Fachmesse in Nürnberg ihre Neuheiten, wobei spielenden Erwachsenen eine Extra-Fläche gewidmet war.
Auch Lego selbst hat diese Entwicklung erkannt und richtet sich mit einer stetig wachsenden Anzahl von Sets ab 18 Jahren gezielt an erwachsene Käufer. Nach Angaben des Nürnberger Marktforschungsinstituts npdgroup Deutschland GmbH konnte Lego seine Verbraucherumsätze um 3,2 Prozent steigern – jeder zehnte eingenommene Euro stammt dabei von Käufen für Erwachsene.