«Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören», sagte der Angeklagte. Er habe sich für sein Handeln gehasst. «Ich weiß, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen», sagte er mit Blick auf Hinterbliebene im Gerichtssaal, die im Prozess als Nebenkläger auftreten.
Mutter von jüngstem Opfer weint
Bei der Mutter des jüngsten Opfers - einer 25-jährigen Frau, die am 22. September 2021 starb - fließen Tränen. Erst nachdem ihr Anwalt mit ihr gesprochen hat, beruhigt sich die Nebenklägerin ein wenig. Später zeigt sie vor dem Gerichtssaal ein Foto ihrer Tochter.
Die 25-Jährige nennt die Anklage als jüngstes Opfer, als ältestes eine 94 Jahre alte Frau. Alle waren schwerstkrank, ihr Tod stand aber nicht unmittelbar bevor.
Hinterbliebene wurden im Prozess befragt, sie sind bis heute fassungslos. «Sie hatte Pläne, wollte mit ihrer Schwester an die Ostsee reisen – meine Mutter wollte weiterleben», sagte der Sohn einer 72-Jährigen, die am 24. Juli 2024 starb. Und die Mutter der 25-Jährigen erklärte: «Nie hat sie gesagt, dass sie nicht mehr leben wollte.»
Nebenkläger: Erklärung nicht schlüssig
Aus Sicht ihres Anwalts ist die Erklärung des Angeklagten nicht schlüssig. Der Arzt erkläre sein Handeln mit der schweren Erkrankung der Opfer, «um die wahren Motive zu verstecken», sagte Nebenklägervertreter André Mors. «Das war kein vollumfängliches Geständnis. Seine Motive werden wir möglicherweise nie erfahren.»
Das Gericht will bis zur Fortsetzung des Prozesses an am Montag (29. Juni) prüfen, ob zu der Erklärung des Angeklagten noch Fragen bestehen, wie die Vorsitzende Richterin Sylvia Busch sagte. Ferner ist das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen geplant. Dabei geht es um ihre Einschätzung der Persönlichkeit und Schuldfähigkeit des 41-Jährigen. Ob danach die Beweisaufnahme geschlossen werden kann und die Plädoyers beginnen, ist noch offen.
Parallel laufen Ermittlungen zu weiteren Fällen
Parallel zu der Verhandlung vor dem Landgericht laufen die Ermittlungen zu derzeit 76 anderen Fällen in dem Kontext weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. Die Behörde schließt weitere Anklagen nicht aus. Der Fall könnte einer der größten bundesweit sein.
Bislang gilt eine Mordserie in Niedersachsen als die wohl größte der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ex-Pfleger Niels Högel wurde 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Motiv für seine Taten blieb unklar.