Herr H.* aus Coburg hat wieder einen Brief bekommen: "Außergerichtliche Mahnung" steht drin. Absender ist die Belcotel GmbH, die eine scheinbar offene alte Rechnung der 010040 GmbH eintreiben will. "Das ist eine Unverschämtheit", sagt H. und regt sich auf: "Man kriegt Bauchgrummeln und ärgert sich mindestens zwei Tage." Bezahlen wird er nicht. Davon rät auch die Verbraucherzentrale ab. Sie bezeichnet die Mahnungen der Belcotel als "plumpe Drohkulisse."

Zur Erinnerung: Der Call-by-Call-Anbieters 010040 hatte im Juli 2012 seinen Minutentarif von unter zwei Cent auf 1,99 Euro erhöht. Weil sie diese Steigerung in der genuschelten Ansage der 010040 nicht verstanden und zum überhöhten Preis weiter telefoniert haben, wurden die Nutzer dieser Vorwahl im Herbst mit Beträgen über mehrere hundert Euro in ihrer Telekomrechnung konfrontiert. Parallel tauchten in den Rechnungen auch überzogene Forderungen des Anbieters 01010 auf, der statt knapp drei Cent ebenfalls plötzlich 1,99 Euro pro Minute für ein Telefonat verlangte.


Zeitungsberichte schärften Bewusstsein

Unsere Zeitung hatte im November und Dezember mehrfach über das fragwürdige Gebaren der Call-by-Call-Anbieter berichtet und war von Anfragen betroffener Leser überhäuft worden. Sie wurden in den Presseberichten nicht nur darauf hingewiesen, dass sie die überhöhten Forderungen nicht bezahlen oder das Geld zurückholen und Widerspruch einlegen sollen, sie wurden auch zur Beschwerde über die Abzocke der der Bundesnetzagentur aufgefordert.

Die Behörde ging den Vorwürfen nach und zog im Dezember Konsequenzen: Sie mahnte die Call-by-Call-Dienste 010040 sowie 01010 wegen Verstößen gegen die Preisansagepflicht ab. Die Überprüfung hatte ergeben, dass im Zeitraum vom 1. August 2012 bis zum 12. September 2012 Preisansagen eingesetzt wurden, die nicht den Vorgaben des § 66b Abs. 1 Telekommunikationsgesetz (TKG) entsprechen. Ein Verstoß gegen die Preisansagepflicht hat zur Folge, dass der Kunde kein Entgelt bezahlen muss (§ 66h Nr. 1 TKG). Mit Verweis darauf sollten geprellte Verbraucher die Forderungen der Call-by-Call-Anbieter innerhalb von acht Wochen begründet in einem Widerspruch beanstanden.

Gegen die im Juli erfolgte Preiserhöhung konnte die Bundesnetzagentur keine rechtlichen Maßnahmen ergreifen, da die Preisansagepflicht für Call-by-Call-Anbieter erst zum 1. August eingeführt wurde. Die Verbraucherzentrale hält die Forderungen für Gespräche im Juli für unberechtigt, da die Preise nicht wirksam vereinbart wurden. Ihre Meinung dazu: "Verbraucher derart in die Falle zu locken, dürfte sittenwidrig sein." Dennoch empfiehlt sie, für die angemahnten Gespräche mindestens die vor der Erhöhung geltenden Preise zu bezahlen, um eine langwierige Auseinandersetzung mit dem Anbieter zu vermeiden.


Von der Mahnung total überrascht

So schnell aus der Welt schaffen lässt sich das Thema dennoch nicht, wie der Fall des Ehepaars H. aus Coburg zeigt. Mit dem plötzlichen Auftritt der Belcotel GmbH nimmt die Call-by-Call-Abzocke eine neue Dimension an. "Wir hatten mit dieser Gesellschaft bisher nie was zu tun und haben uns gefragt, wieso die dazukommen, uns zu mahnen," sagt H. Weil Belcotel Bezug auf eine alte Telekomrechnung nimmt, haben H.'s aufgrund des Betrags festgestellt, dass es sich um die 010040 handelt. Zwar gibt es im Brief keine Angaben, warum oder ob Belcotel die Rechtsnachfolge der 010040 übernommen hat - Recherchen zeigen aber, dass Belcotel denselben Geschäftsführer und dieselbe Hamburger Adresse hat wie die 010040.



Verbraucherzentrale: "Plumpe Drohkulisse"

Und so geht die Firma vor: Sie verschickt eine "außergerichtliche Mahnung", die Bezug nimmt auf eine scheinbar offene alte Rechnung der 010040 GmbH. Die Schreiben drohen bei nicht fristgerechter Zahlung mit weiteren rechtlichen Maßnahmen. Die Verbraucherzentrale vermutet hinter den Drohbriefen jedoch eine Finte. Dass sich der Call-by-Call-Anbieter nach der Umfirmierung wieder mit einer Mahnung meldet, ohne tatsächlich einen Anwalt einzuschalten, zeige: Die Firma hat rechtlich nichts in der Hand, sondern versucht mit einer plumpen Drohkulisse, den Kunden Geld für überhöhte Telefonate aus der Tasche zu ziehen. Weiteres Indiz hierfür: Der Verbraucherzentrale ist bislang kein Fall bekannt, in dem die Firma mit ihrer Forderung vor Gericht gezogen ist.

Doch Drohkulisse hin oder her: Ärgerlich sind die Mahnschreiben der Belcotel für die betroffenen Verbraucher auf jeden Fall. Jedes Mal, wenn Mahnungen der 010040 ins Haus flatterten, hat das Coburger Paar H. Widerspruch eingelegt. Das verursacht nicht nur Bauchgrummeln, es kostet auch Zeit. Aber Bezahlen kommt für H.'s nicht in Frage. "Das ist ganz bewusste Abzocke. Wer zahlt, öffnet solchen Betrügern Tür und Tor."

* Der Name ist der Redaktion bekannt.



Tipps der Verbraucherzentrale

Zahlung Für die angemahnten Gespräche sollten die vor der Erhöhung geltenden Preise bezahlt werden. In einem Begleitschreiben sollten Kunden darauf hinweisen, dass sie die Beanstandungen gegen die Rechnung aufrechterhalten und den errechneten Betrag ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht bezahlen. Sollte der Anbieter die darüber hinausgehenden Forderungen gerichtlich geltend machen, könnten Kunden dem Verfahren nach Ansicht der Verbraucherzentrale dann gelassen entgegen sehen.

Rechnung Betroffene Verbraucher, die bereits im letzten Jahr die Telefonrechnung mit den überhöhten Entgelten unter Angabe von Gründen binnen acht Wochen beanstandet und die gewohnten Entgelte bezahlt haben, sollten sich von der Belcotel GmbH auf keinen Fall einschüchtern lassen und die darüber hinaus gehenden Beträge nicht begleichen.

Widerspruch Wer einen gerichtlichen Mahnbescheid in einem "amtlichen Briefumschlag" über die Forderung der 010040 GmbH erhält, sollte diesem unbedingt binnen 14 Tagen widersprechen.

Sparen Trotz des unlauteren Geschäftsgebarens einiger Anbieter ist Call-by-Call eine gute Möglichkeit für Kunden der Telekom, beim Telefonieren Geld zu sparen. Allerdings nur, wenn man folgenden Tipp beachtet: Genau auf die Preisansage hören und auflegen, wenn sie unverständlich oder der Preis zu hoch ist. Kunden dürfen sich nicht darauf verlassen, dass die Ansage "ihres" Anbieters über wenige Cent vom Vortag längerfristig gültig ist. Aktuelle Tarife gibt es in der Tageszeitung, im Internet und im TV-Teletext.

Musterbriefe für den Widerspruch und weitere Infos zu Call-by-Call gibt es auf unserer Internetseite und bei der Verbraucherzentrale.