In der öffentlichen Wahrnehmung hat ihr Markus Söder den Rang zwar abgelaufen. Dessen ungeachtet steht Melanie Huml als Gesundheitsministerin im Kampf gegen das Coronavirus in Bayern weiterhin an vorderster Front.

Für ein Telefoninterview fand die 44-jährige Bambergerin kurzfristig doch keine Zeit. Zu beschäftigt, zu viele Termine. Die Fragen beantwortete Melanie Huml deshalb schriftlich.

In der Corona-Krise geht es im Wortsinne um Leben und Tod. Sind Sie das erste Mal mit derart existenziellen Fragen befasst?

Melanie Huml: Als Ärztin kenne ich Situationen, in denen es um Leben und Tod geht. Klar ist aber: Die Corona-Pandemie ist eine ganz besondere Herausforderung für mich als Ministerin.

Was hätten Sie und Ihr Ministerium im Nachhinein gerade mit Blick auf die Schutzausrüstung besser machen sollen?

Die Staatsregierung hat von Anfang an trotz des aktuell äußerst angespannten Weltmarktes für Schutzmaterialien intensiv an deren Beschaffung gearbeitet und hat diesbezüglich auch entsprechende bayerische Produktionen initiiert.

Genügt das bereits? Mit Blick auf die Zukunft werden wir auf Bundes- oder Europaebene überlegen müssen, welche Bevorratungen sinnvoll sein können, um für solche Situationen gerüstet zu sein.

Der Freistaat weist bundesweit die meisten Infizierten auf. Warum?

Zum einen sind wir durch die Nähe zu Österreich und Italien und die dadurch hohe Zahl an Reiserückkehrern besonders betroffen gewesen. Zum anderen testen wir einfach mehr - und vor allem testen wir gezielt. Durch dieses konsequente Testen und das strikte Ermitteln von Kontaktpersonen haben wir schlichtweg viele Fälle gefunden.

Wie viele Proben können in bayerischen Laboren auf das Virus untersucht werden? Wir haben die Laborkapazitäten von 0 auf jetzt 13 000 pro Tag hochgefahren. Halten Sie diese Zahl für ausreichend? Derzeit reicht diese Zahl aus. Mein Ziel ist es aber, dass in Bayern künftig dauerhaft eine Laborkapazität von 25 000 bis 30 000 Tests pro Tag vorgehalten wird. Neiden Sie Ihrem Ministerpräsidenten die derzeit hohe Aufmerksamkeit und guten Stilnoten?

Es geht jetzt nicht um Stilnoten. Entscheidend ist, dass Bayern in allen Bereichen konsequent gegen die Corona-Pandemie vorgeht. Und ein Ministerpräsident wie Markus Söder ist der beste Garant dafür, dass dies gelingt. Dabei sind wir ein gutes Team.

Sie selbst sind in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund geraten.

Die Corona-Pandemie betrifft nicht mehr nur den Gesundheitsbereich, sondern das gesamte gesellschaftliche Leben. Daher ist es selbstverständlich, dass das ganze Kabinett mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze diese Aufgabe bewältigt. Dabei setze ich weiterhin auf konsequente Sacharbeit.

Wie groß ist die Chance, dass ein Corona-Impfstoff in Bayern entwickelt wird?

Wir haben hier hervorragende Experten gerade an den Universitätskliniken, die hier auf Hochtouren arbeiten. In mehreren bayerischen Kliniken laufen darüber hinaus Studien mit verschiedenen Medikamenten.

Können Sie noch abschalten und ruhig schlafen?

Antwort: "Momentan ist eine Sieben-Tage-Woche Normalität für mich und das ganze Ministerium. Denn es ist wichtig, möglichst vielen Menschen zu helfen. Klar ist auch: Als die Infektionszahlen dramatisch gestiegen sind, hat mich das rund und um die Uhr beschäftigt."

Pflegekräfte werden als "Helden" bejubelt. Was tun Sie persönlich dafür, damit diese Wertschätzung auch nach überstandener Corona-Krise Bestand hat?

Als Zeichen der Anerkennung dieses außergewöhnlichen Engagements hat die Staatsregierung einen neuen Pflege-Bonus in Höhe von bis zu 500 Euro beschlossen. Nach aktuellem Stand soll die Prämie unabhängig von derzeit auf Bundesebene diskutierten Pflegebonus in Höhe von 1500 Euro gewährt werden. Das ist ein starkes Signal.

Genügt das denn schon? Die Bedeutung der Pflege wird weiter zunehmen. Deshalb setzt sich die Staatsregierung stets dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege weiter verbessert werden. Wichtig sind auch eine attraktive Ausbildung und eine höhere Bezahlung.

Das Gros der Corona-Experten sind Männer. Berücksichtigt deren männlicher Blick zu wenig die Interessen der Frauen, beispielsweise bei der Kinderbetreuung? Diesen Eindruck habe ich nicht. Im Übrigen haben wir eine Frau als Bundeskanzlerin - und in Bayern eine Frau als Gesundheitsministerin.

Wann haben wir unser altes Leben zurück?

Vor uns liegt noch viel Arbeit. Wichtig ist, dass wir alle nicht zu früh bei den Schutzmaßnahmen nachlassen. Deshalb setze ich darauf, dass die Bürger auch in den nächsten Wochen und Monaten so vernünftig wie bisher sind!

Das Gespräch führte Christoph Hägele.