Mit diesem Thema haben wir den Nerv unserer Leser getroffen: Die Resonanz auf unsere Telefonaktion zum Thema Herzerkrankungen war so groß, dass die Experten pausenlos Rede und Antwort standen. Was Dr. Samir Murad (Chef-Kardiologe am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz) und Dr. Wolfgang Dratz (niedergelassener Kardiologe in Forchheim) von den Anrufern gefragt wurden, fassen wir im Folgenden zusammen.

Ich leide unter Kurzatmigkeit bei starker Wirbelsäulenverkrümmung. Eine Herzkatheteruntersuchung vor zehn Jahren zeigte unauffällige Befunde. Ich habe keine wesentlichen kardialen Risikofaktoren. Muss die Untersuchung wiederholt werden?

Wenn eine Herzkatheteruntersuchung vor zehn Jahren völlig unauffällige Befunde zeigte, wird sich in der Zeit wahrscheinlich keine deutliche Verschlechterung ergeben haben. Eine starke Wirbelsäulenverkrümmung führt häufig zur Einengung der Lunge bei einer eingeschränkten Beweglichkeit, was die Kurzatmigkeit sicher erklären kann. Gegebenenfalls sollte eine orthopädische oder eine lungenfachärztliche Abklärung erfolgen.

Ich hatte vor 24 Jahren einen Herzinfarkt und einen weiteren vor vier Jahren. Die erste Versorgung erfolgte mit Stents, jetzt habe ich Bypässe bekommen. Zusätzlich habe ich COPD nach langjährigem Rauchen, nach Absetzen des Nikotins habe ich 24 Kilo zugenommen. Jetzt bin ich kurzatmig bei Belastung wie Treppensteigen und Berg angehen. Der Kardiologe sagt, die Herzleistung sei gut. Ich fahre gerne Fahrrad (E-Bike). Was kann ich noch verbessern?

Entscheidend wäre sicher etwas an Gewicht abzunehmen. Hierfür reicht jedes Kilogramm, um eine Erleichterung zu erzielen. Entscheidend ist sicher auch eine regelmäßige körperliche Betätigung. Hierfür ist E-Bike-Fahren sicher eine ideale Lösung, um sich regelmäßig körperlich zu betätigen, insbesondere wenn man vorher bereits Fahrrad gefahren ist. Natürlich muss die vorgegebene Medikation unter regelmäßigen Blutdruck- und Pulskontrollen beibehalten werden, andere Maßnahmen sind wahrscheinlich nicht zwingend notwendig oder hilfreich.

Ich habe ein bisschen Übergewicht und bin Diabetikerin. Jetzt wurde Vorhofflimmern festgestellt und arterielle Hypertonie. Durch eine Ernährungsumstellung habe ich bereits etwas an Gewicht abgenommen. Mein Hausarzt empfiehlt eine Blutverdünnung, jedoch habe ich eine Entzündung der Speiseröhre und verspüre häufig Sodbrennen. Ich mache sich Sorgen wegen der Blutverdünnung.

Im Hinblick auf die Risikofaktoren sollte eine Blutverdünnung als Schutz vor einem Schlaganfall eingenommen werden. Sollte das Risiko für eine Blutung im Magen-Darm-Trakt zu hoch sein - das sollte mit einem Magen-Darm-Spezialisten abgeklärt werden - kann auch über weitere Maßnahmen, zum Beispiel Verschluss des Vorhofohres unter stationären Bedingungen, nachgedacht werden.

Ich habe Diabetes mellitus, Asthma und Bluthochdruck. Ich bin immer müde und schwach, vor allem am Nachmittag.

Stellen Sie sich beim niedergelassenen Kardiologen vor, ein Herzultraschall kann hier Aufschluss geben. Zudem sollten beim Hausarzt alle Werte kontrolliert und ein Blutbild gemacht werden.

Ich nehme nach einem Schlaganfall Blutverdünner, habe aber Angst vor Blutungen. Darf ich das Medikament absetzen?

Nein. Wenn Sie die Therapie abbrechen steigt das Risiko für einen weiteren Schlaganfall.

Mein Bluthochdruck wird medikamentös behandelt, aber ich habe erhöhten Puls. Mit Betablocker geht es mir besser.

Nehmen Sie das Medikament weiter und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob die Dosis eventuell gesteigert werden soll. Lassen Sie ein Langzeit-EKG machen, um die Ursachen für den hohen Puls zu eruieren.

Weil eine Herzklappe undicht ist leide ich unter Luftnot und Vorhofflimmern. Was kann man dagegen tun?

Bei zunehmenden Beschwerden empfiehlt sich eine Herzklappenoperation.

Mir ist seit Monaten schwindlig und ich habe Blutdruckschwankungen. Was soll ich tun?

Lassen Sie eine umfängliche Diagnostik beim Herzspezialisten und beim Neurologen machen. Danach wird die entsprechende Therapie eingeleitet.

Ich habe eine eingeschränkte Herzfunktion, Luftnot bei Belastung und Schlafapnoe. Was kann meine Beschwerden lindern?

Möglicherweise hilft eine Herzkatheteruntersuchung bei der Ursachenfindung und Therapie.

Seit meiner Bypass-Operation vor zehn Jahren ging es mir gut, aber jetzt habe ich Angststörungen und wache nachts mit hohem Puls auf.

Wenden Sie sich an einen Nervenarzt wegen der Angststörung. Beim Kardiologen lassen Sie sich ein Langzeit EKG und ein Herzultraschall zur Überprüfung ihrer Herzfunktion machen. Ein Betablocker kann gegen den hohen Puls helfen.

Bei mir wurden Ablagerungen an den Herzkranzgefäßen festgestellt. Was tun?

Medikamentöse Maßnahmen wie Blutverdünner und Cholesterinsenker können helfen. Hilfreich ist es außerdem, sich gesund zu ernähren, Sport zu treiben und, falls vorhanden, Übergewicht zu reduzieren.

Mein Puls ist unregelmäßig und mein Hausarzt hat Blutverdünner und Betablocker verschrieben. Passt das?

Ja, das ist die richtige Therapie. Wenn sie zusätzlich Luftnot haben, kann man das Vorhofflimmern mit elektrischer Kardioversion (Stromstoß) behandeln. Mit einem Herzultraschall lassen sich andere Ursachen feststellen.

Ich habe Herzrhythmusstörungen, Luftnot, Schmerzen in den Beinen. Das wurde aber nie richtig diagnostiziert.

Hier kann ein Langzeit-EKG bis zu 14 Tagen sinnvoll sein. Der lange Zeitraum erhöht die Wahrscheinlichkeit, die Störungen zu erwischen und diagnostizieren zu können.

Mein Vorhofflimmern soll mit einer Ablation behandelt werden. Was ist das und wie stehen die Erfolgschancen?

Ablation steht für das Veröden von Körpergewebe. Während der 2,5-stündigen Operation werden dem schlafenden Patienten über die Leistenvene steuerbare Katheter eingeführt, die an der betreffenden Herzinnenwand eine Verödungslinie setzen. Die Erfolgschancen der Ablation liegen bei 70 bis 75 Prozent. Die Methoden unterscheiden sich: Die Verödung mit Kälte geht schneller, hat aber mehr Nebenwirkungen als die Ablation mit Wärme.

Ich habe seit drei Monaten Beschwerden beim Sport, die danach wieder verschwinden.

Das klingt nach verengten Herzkranzgefäßen. Suchen Sie dringend einen Kardiologen auf. Ein Herzkatheter kann Abhilfe schaffen. Bis dahin sind Blutverdünner und Cholesterinsenker angeraten.

Bei mir wurde eine Erweiterung der Hauptschlagader festgestellt. Ist das gefährlich?

Nicht solange Sie schwere Belastung vermeiden. Ausdauersport ist erlaubt. Wichtig ist auch eine optimale Blutdruckeinstellung.

Ich habe vor einem Jahr vier Stents erhalten und fühle mich gut. Jetzt möchte die Klinik routinemäßig eine erneute Herzkatheteruntersuchung. Ist das notwendig?

Bei schwierigen Verhältnissen bei der Implantation der Stents wird manchmal eine erneute Herzkatheteruntersuchung vorgeschlagen. Dies sollte dann auch bei Beschwerdefreiheit erwogen werden, routinemäßig ist es in der Regel nicht erforderlich.

Ich bin Diabetikerin. Morgens habe ich oft linksseitigen Druck im Brustkorb und werde schnell kurzatmig. Eine Herzkatheteruntersuchung war unauffällig.

Häufig sind bei Diabetikern die kleinen Herzkranzgefäße betroffen, ohne dass zwingend eine Engstelle entdeckt wird, die mit Bypässen oder Stents überbrückt werden muss. Wichtig ist in dem Zusammenhang eine gute Blutdruckeinstellung, eine gute Zuckereinstellung und gegebenenfalls Einnahme von ASS zur Blutverdünnung. Regelmäßige körperliche Betätigung wie Walken und Gymnastik zur Steigerung der Belastbarkeit würden das Ganze unterstützen.

Bei mir wurde als Zufallsbefund Vorhofflimmern festgestellt. Sonst gibt es keine kardiologischen Befunde. Ist eine Blutverdünnung notwendig?

Eine Blutverdünnung ist bei Vorhofflimmern nur dann notwendig, wenn entsprechende Begleiterkrankungen oder weitere Risikofaktoren wie Geschlecht, Alter oder noch einige weitere hinzukommen. In der Regel liegen diese Risikofaktoren jedoch vor und eine Blutverdünnung ist sinnvoll.

Ich bin Herzpatientin und habe Bluthochdruck. Ist eine Grippeimpfung sinnvoll?

Ja, gerade für ältere Patienten mit Begleiterkrankungen sollte eine Grippeimpfung durchgeführt werden.

Ich spüre oft mein Herz, ein Langzeit-EKG hat aber keine Störungen ergeben, der Blutdruck ist normal.

Das Langzeit-EKG sollte gelegentlich wiederholt werden. Auch eine Herz-Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss bringen.

Ich habe keine kardialen Vorerkrankungen, aber in der Nacht Herzattacken. Nach dem Aufstehen, wenn ich mich gedehnt und ein Glas Wasser getrunken habe wird es besser.

Es ist unwahrscheinlich, dass eine schwere Herzerkrankung vorliegt. Eine Herzattacke macht Schmerzen und Kurzatmigkeit in jeder Position. Möglicherweise sind Nerven oder Wirbel eingeklemmt. Vielleicht hilft auch eine neue Matratze.

Mein Mann hatte eine Herz-OP. Jetzt leidet er zunehmend unter Wassereinlagerungen und Luftnot. Helfen hier Weißdorn-Produkte?

Zunächst sollten regelmäßig Blutdruck und Puls kontrolliert werden, gegebenenfalls muss die Medikation etwas angepasst werden. Regelmäßige körperliche Betätigung ist förderlich, die Trinkmenge sollte bei Herzkranken 1,5 Liter am Tag nicht überschreiten und, falls nötig, Gewicht reduzieren. Weißdornpräparate sind eine gute pflanzliche Unterstützung der Herz-Kreislauf-Therapie. Dies sollte jedoch mit dem Hausarzt abgesprochen werden.

Ich habe oft Schwindel vor allem beim raschen Kopfdrehen und bei Überkopfarbeiten. Eine Abklärung durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt und eine Untersuchung der Halsschlagadern ist bereits erfolgt. Was kann ich noch tun?

Eine Schwindelursache abzuklären ist manchmal nicht ganz leicht. Die wesentlichen Untersuchungen wurden bereits durchgeführt. Manchmal kann ein niedriger Blutdruck zu Schwindel führen, es sollten somit regelmäßige Blutdruckkontrollen erfolgen. Die häuslichen Medikamente könnten durch den Hausarzt überprüft werden, da beispielsweise Schlafmittel und Psychopharmaka Schwindel verursachen können. Möglicherweise sind Nerven eingeklemmt, dann hilft eine orthopädische Untersuchung und Krankengymnastik weiter.

Bei mir wurde ein verdickter Herzmuskel festgestellt. Jetzt muss ich einen Betablocker einnehmen, der mich aber kurzatmig macht. Ich habe ihn selbstständig reduziert, jetzt geht es mir besser.

Gerade Medikamente, die auf Herz und Kreislauf einwirken, dürfen nicht selbstständig reduziert oder abgesetzt werden. Grundsätzlich sind natürlich Unverträglichkeiten möglich, in der Regel gibt es passende Alternativen dafür. Im Hinblick auf den verdickten Herzmuskel sollten in nächster Zeit sowieso häufigere kardiologische Untersuchungen und Ultraschallkontrollen des Herzens erfolgen.