Wenn es nur hin und wieder einfache Kopfschmerzen wären: Da könnten eine Tablette, Entspannung, viel trinken und ein Spaziergang helfen. Jedoch leiden etwa 28 Prozent der Deutschen unter chronischen Schmerzen, die intensiver behandelt werden müssen. Besser gesagt: behandelt werden müssten - viele chronische Schmerzpatienten sind unterversorgt. Wo sie Hilfe finden, welche Therapien geeignet sind, aber auch praktische Tipps für den Alltag bekommen Betroffene bei unserer Telefonaktion am Dienstag, 21. Oktober.

Von 16 bis 18 Uhr stehen in unserer Bamberger Zentralredaktion zwei Experten für alle Fragen unserer Leser zum Thema "Schmerz" zur Verfügung: Chefarzt Christoph Sommer und Oberarzt Dirk Boujong vom Interdisziplinären Schmerzzentrum am Bezirksklinikum Obermain in Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels).


So erreichen Sie unsere Schmerzexperten

Christoph Sommer ist anästhesiologischer Chefarzt der Klinik und Leiter des Interdisziplinären Schmerzzentrums am Bezirksklinikum Obermain. Er gibt bei unserer Telefonaktion Auskunft über alle Arten von Schmerzen und über die Therapie mit Elektrostimulation. Sommer ist am Dienstag, 21. Oktober, von 16 bis 18 Uhr unter der Durchwahl 0951/188-381 zu erreichen.

Dirk Boujong ist Oberarzt und Arzt für Anästhesiologie am Interdisziplinären Schmerzzentrum des Bezirksklinikums Obermain. Sein praktischer Schwerpunkt ist die multimodale Schmerztherapie. Er berät bei unserer Telefonaktion am 21. Oktober von 16 bis 18 Uhr bei allen Arten von Schmerzen und über die multimodale Schmerztherapie unter der Durchwahl 0951/188-383.


Multimodale Schmerztherapie

Die beiden Mediziner arbeiten nach der multimodalen Schmerztherapie, die von Schmerzkliniken und Schmerztageskliniken angeboten wird. Bei diesem Konzept kümmern sich gleichzeitig auf Schmerz spezialisierte Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte, Physio- und Sporttherapeuten, Bewegungs- und Ergotherapeuten sowie Sozialarbeiter um die Patienten. Die Experten Sommer und Boujong wissen aus ihrer täglichen Praxis, wie wichtig eine komplexe Behandlung bei Schmerzpatienten ist: Es gibt mehr Betroffene als bisher vermutet.


Neue Studie: Mehr Betroffene

Laut einer neuen Studie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie berichten etwa 23 Millionen Deutsche über chronische Schmerzen, 95 Prozent davon über chronische Schmerzen, die nicht durch Tumorerkrankungen bedingt sind. Das sind 28 Prozent der Bevölkerung statt wie bisher geschätzt 15 bis 25 Prozent.

Viele von ihnen haben eine Leidensgeschichte, die durchschnittlich sieben Jahre andauert, bei mehr als 20 Prozent dauert sie 20 Jahre. Bei über der Hälfte aller Menschen mit chronischen Schmerzen braucht es mehr als zwei Jahre, um eine ausreichend wirksame Schmerzbehandlung zu erhalten, und nur zehn Prozent aller chronischen Schmerzpatienten in Deutschland wurden je einem Schmerzspezialisten vorgestellt. In der neuen Studie geben deshalb auch gut 24 Prozent der Betroffenen an, mit ihrer Schmerzbehandlung unzufrieden zu sein.


Auch seelische Probleme

Kein Wunder also, dass die Betroffenen Probleme haben. Die Mediziner Sommer und Boujong wissen, was die Patienten belastet: "Sie leiden nicht nur unter dem Dauerschmerz, sondern auch unter den zunehmenden körperlichen Einschränkungen im Alltag. Dies geht oft mit depressiver Stimmung, angstvollen Gedanken, Schlafstörungen und verminderter Konzentration einher."

Schmerzen sind aber nicht nur häufig, sondern auch teuer. Volkswirtschaftlich kommt Rückenschmerzen die größte Bedeutung zu, gefolgt von Kopf-, Nerven- und Tumorschmerzen. Oft erfordern sie stationäre medizinische Rehabilitationsmaßnahmen und können zur Frühberentung führen.


38 Milliarden Euro pro Jahr

Die Europäische Schmerzgesellschaft geht von einem jährlichen Kostenaufwand von 38 Milliarden Euro in Deutschland aus. Zehn Milliarden entfallen auf die Behandlungskosten, den Löwenanteil verursachen Krankengeld, Arbeitsausfall und Frühberentung.


Schmerzmittel führen zu neuen Problemen

Weiteres Problem: Lang anhaltende Schmerzen führen zu einem enormen Schmerzmittelverbrauch. Entsprechende Medikamente können jedoch Magen-, Darm- und Nierenbeschwerden verursachen, außerdem kann ein Missbrauch die Aufrechterhaltung von Schmerzen begünstigen.

Ein großes Thema also, das die Gesundheitspolitik extrem fordert. Beim deutschen Schmerzkongress vom 22. bis 25. Oktober in Hamburg befassen sich Experten mit dem Thema "Schmerztherapie befreit", bei unserer Telefonaktion am 21. Oktober geht es um praktische Soforthilfe. Unsere Leitungen sind von 16 bis 18 Uhr geschaltet, die Anrufe sind kostenlos.