Offiziell sind in Deutschland bisher mehr als 60 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona geimpft. Etwa 55 Prozent zählen bereits als vollständig immunisiert - zu wenige, wie es aus Medizin und Politik heißt. Doch steht es wirklich so schlimm um die Impfbereitschaft in Deutschland? Das Robert-Koch-Institut (RKI) räumte nun ein, dass es bei der Interpretation der Impfquote eine "gewisse Unsicherheit" gebe.

Wie aus einem Bericht vom Dienstag (10.08.2021) hervorgeht, ist die offizielle Impfquote vermutlich geringer als die tatsächliche Zahl an Corona-Impfungen. Die Meldungen im Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM) kommen von den Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams und Betriebsärzten. Dazu kommen außerdem die Daten der niedergelassenen Ärzte und Privatärzte. Zusammen werden daraus die Zahlen für das Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums berechnet.

Impfquote falsch? RKI räumt "Unsicherheit" bei Daten ein

Zusätzlich gibt es jedoch noch die Covimo-Erhebung des RKI, die die Impfquote anhand von Befragungen hochrechnet. In der jüngsten Befragung von Ende Juni bis Mitte Juli unter etwa 1000 Erwachsenen zeigte sich plötzlich ein deutlicher Unterschied. Laut RKI sei die Impfquote  für die mindestens einmal Geimpften "um einiges höher" als im DIM, besonders unter den 18- bis 59-Jährigen. In der Befragung gaben 79 Prozent an, geimpft zu sein, offiziell gemeldet waren 59 Prozent. Bei der Quote für die vollständige Corona-Impfung gebe es dagegen keinen wesentlichen Unterschied. Auch in den vergangenen fünf Befragungsrunden lagen die Impfquoten auf einem "vergleichbaren Niveau".

Die Fachleute des RKI gehen davon aus, dass die Daten aus der Befragung die Impfquote eher überschätzen, während die offiziellen Meldungen beim DIM sie eher unterschätzen. "Die Impfquote liegt voraussichtlich zwischen diesen Werten", heißt es im Bericht. Eine gewisse Untererfassung in derartigen Überwachungssystemen sei laut Fachleuten zu erwarten. Welche Gründe könnte das haben?

Laut RKI gibt es verschiedene Erklärungsansätze für die Diskrepanz zwischen den Impfquoten. Bei der Covimo-Erhebung können verschiedene Faktoren zu einer gewissen Verzerrung führen. Beispielsweise kommt es wahrscheinlich häufiger vor, dass Menschen interviewt werden, die die Impfung befürworten. Weniger impfbereite Personen wäre also unterrepräsentiert ebenso wie Personen, deren Deutschkenntnisse nicht für die Befragung ausreichen. Beide Möglichkeiten würden laut RKI jedoch nicht erklären, wieso es nur bei der Quote für die erste Impfdosis zu einer solchen Diskrepanz kommt.

Verschiedene Erklärungen für ungenaue Impfquote möglich

Auch die Erfassung beim DIM hat ihre Ungenauigkeiten: Zum einen werden Impfungen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson nur als Zweitimpfungen gemeldet, da nur eine Dosis vollständigen Schutz bietet. Außerdem sei aus diesen Daten keine Zuordnung von Impfstoff und Altersgruppe möglich. So können die Impfungen zwar bei der Gesamtzahl der Erstimpfungen berücksichtigt werden, aber nicht bei den Erstimpfungen pro Altersgruppe. Zum anderen melden dem RKI nach nur etwa die Hälfte aller registrierten Betriebsärzte die durchgeführten Corona-Impfungen über die entsprechende Webanwendung.

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Die Fachleute vom RKI erklären, dass dies zeige, wie wichtig eine verlässliche Meldung der Impfungen über alle Impfstellen sei. Dem stimmt auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, zu. Er gehe jedoch davon aus, dass es sich um ein vorübergehendes Problem handele. "Die Daten werden irgendwann kommen, Impfungen werden ja auch abgerechnet. Wir können uns nicht einerseits beschweren, dass Ärzte mit zu viel Bürokratie belastet werden, und andererseits sofort vollkommene Daten erwarten", so Watzl im Gespräch mit der dpa.

Der Wissenschaftler wies jedoch auch darauf hin, dass die Ergebnisse des Berichts kein Grund seien, die Impfquoten generell in Zweifel zu ziehen. "Wir unterschätzen womöglich die Zahl der Erstgeimpften etwas, aber wir sprechen hier über wenige Prozentpunkte." Dieser Unterschied ändere auch nichts an der Tatsache, dass die Zahl der verabreichten Impfungen in letzter Zeit zurückgegangen sei. "Wir wissen, dass noch nicht genug Leute geimpft sind", sagte Watzl der dpa.

Abgesehen von der Unsicherheit der Impfquote macht der RKI-Bericht jedoch durchaus Hoffnung. "Die Covid-19-Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt auf einem hohen Niveau", heißt es im Report. Die Befragung hätte ergeben, dass 91,6 Prozent impfbereit oder sogar schon geimpft seien. Unter den 18- bis 59-Jährigen, die derzeit im Fokus der Impfkampagne stehen, könne eine Quote von 88,5 Prozent erreicht werden, wenn sich alle impfbereiten Menschen auch wirklich impfen lassen. Diese Daten geben einen Hinweis darauf, welche Impfquote in Deutschland tatsächlich erreicht werden könne.

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