Was einer Frau in Hessen passierte, ist eine Horrorvorstellung für viele Menschen: Nachdem sie bereits eine Zeit mit dem Bus unterwegs gewesen war, musste sie auf der Fahrt im Mittelhesse-Express Richtung Frankfurt dringend aufs Klo. Doch wie sie später der Hessenschau berichtete, waren an jenem Tag im Juni sämtliche Toiletten im Zug verschlossen.

In ihrer Verzweiflung stellte sie sich laut eigenen Angaben in eine Ecke - "und dann ist es einfach gelaufen". Für sie war es eine erniedrigende Erfahrung - der Ausfall von Zugtoiletten jedoch ist keine Ausnahme.

Toilettenausfälle keine Seltenheit

Gegenüber der Hessenschau äußerte sich auch Klaus Zecher vom Fahrgastverband ProBahn. Demnach sind Toilettenausfälle bei der Bahn generell keine Seltenheit. Durch das 9-Euro-Ticket habe sich die Lage nochmals verschärft - schließlich seien die Toiletten oft gar nicht kaputt, sondern voll. Bei einer hohen Zugauslastung kann dies naturgemäß häufiger vorkommen.

Besonders betroffen sind momentan auch Menschen mit Behinderungen. So hätten Rollstuhlfahrer mehrfach im Einstiegsbereich bleiben müssen, da Radler die Plätze im Mehrzweckabteil belegten, erklärte der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Dadurch gelang es Reisenden mit Rollstühlen nicht, zur Toilette zu kommen.  

"Solidarität ist bei den Mitreisenden nicht mehr zu erwarten", sagte ein Sprecher der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, einer Organisation von Menschen mit Behinderungen. Demnach berichteten mehrere betroffene Menschen, aktuell Angst zu haben, mit dem Nahverkehr zu reisen.

Überfordertes Personal und mutwillige Zerstörung

Hinzu kommt, dass häufig auch das Zugpersonal überfordert ist. So fand auch die Frau im Mittelhessen-Express keine Hilfe - trotz Suche konnte sie keinen Zugbegleiter finden. "Ich war wirklich verzweifelt", sagte sie.

Die Deutsche Bahn ebenso wie der Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV), in dessen Bereich der Mittelhessen-Express verkehrt, entschuldigten sich bei der Frau. "Es tut uns wirklich sehr leid, dass die Dame bei uns im Zug diese unangenehme Erfahrung machen musste. Wir können uns dafür nur in aller Form bei ihr entschuldigen."

Gleichwohl ließen sich solche Ereignisse nicht vollständig verhindern. Denn Toiletten könnten eben, oft auch durch mutwilligen Vandalismus, in manchen Fällen defekt sein. Gegenüber RTL gab der RMV deshalb an, dass es "leider keine Garantie über betriebsbereite Toiletten geben kann".