In Bayern haben Archäologen ein etwa 1300 Jahre altes Kindergrab mit Schockfrost-Technik komplett geborgen. Wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege am Mittwoch (27. Oktober 2021) berichtete, wurde die von der Behörde neu entwickelte Methode am Montag erstmals angewandt. In einem Neubaugebiet in Tussenhausen (Landkreis Unterallgäu) wurde das Grab dadurch komplett inklusive des Erdreichs aus dem Boden gehoben.

Dieser Block wurde dann zu den Restaurierungswerkstätten der Bamberger Außenstelle der Landesbehörde transportiert, wo das Grab vorläufig weiter gekühlt wird und anschließend weiter untersucht und konserviert werden soll. Durch das Einfrieren des Grabes sollte verhindert werden, dass die Funde bei der Bergung verrutschen und beschädigt werden. In dem Werkstätten werde zu einem späteren Zeitpunkt "das Eis kontrolliert abgeschmolzen", um den Fund weiter zu untersuchen.

Funde in "hervorragendem Zustand"

In dem Grab aus dem 7. Jahrhundert befand sich das Skelett eines Jungen, der gemeinsam mit einem Hund bestattet wurde. Ein Schwert und ein mit Goldbeschlägen verzierter Waffengurt in dem Grab lassen darauf schließen, dass es sich um ein Kind aus wohlhabenden Kreisen handelte. Die Funde seien in einem "hervorragenden Zustand" für die damalige Zeit.

Bayerns Generalkonservator Mathias Pfeil betonte besonders die Bedeutung der erhaltenen Leder- und Stoffreste. "Sie versprechen hochinteressante Einblicke in die frühmittelalterliche Modewelt", sagte er. Hochwertige Textilien und verziertes Leder hätten für die Darstellung des Status im Frühmittelalter große Bedeutung gehabt.

Das ganze Grab wurde von den Archäologen eingefroren. Dafür wurde es mit Wasser benetzt und mit minus 196 Grad kaltem Flüssigstickstoff eingefroren. Anschließend wurde eine Platte unter die Grabkammer geschoben und das Grab "wie auf einem Tablett von einem Kran aus dem Erdreich gezogen", berichtete das Landesamt. Ein Restauratoren-Team, Archäologen und Grabungstechniker der Behörde, hätten die Methode entwickelt. Die Bergung habe insgesamt 14 Stunden gedauert.

Bub wahrscheinlich kaum älter als zehn Jahre alt geworden

Die Grabungen hatten in einem Ortsteil von Tussenhausen stattgefunden, in dem Bodendenkmäler vermutet wurden. Dort wurden Reste eines Gebäudes gefunden, das bereits aus der Römerzeit stammt. Der Bau wurde dann einige Jahrhunderte später als herausgehobener Bestattungsplatz für das Kind genutzt.

In dem Grab wurde auch Schmuck wie Armreifen aus Silber und aus Goldblech hergestellte Kreuze entdeckt. Bei den weiteren Untersuchungen wollen die Experten nun das Alter des Buben bestimmen. Da das Kind noch Milchzähne hatte, gehen die Forscherinnen und Forscher davon aus, dass es kaum älter als zehn Jahre geworden ist.

In Oberfranken machten Archäologen vor kurzem ebenfalls eine faszinierende Entdeckung

 

red/dpa