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Nürnberg
Rotlichtviertel

Frankens Bordell-Hochburg: "Nicht jede Prostituierte muss gerettet werden"

Die Frauentormauer in Nürnberg gerät mit ihren Bordellen immer wieder in die Schlagzeilen. Aber wie ist die Situation wirklich für die Prostituierten in Frankens größtem Rotlichtmilieu?
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In Nürnberg gibt es bis zu 1600 Prostituierte. Damit ist die Stadt die Rotlicht-Hochburg Frankens. Symbolfoto: Oliver Berg, dpa
In Nürnberg gibt es bis zu 1600 Prostituierte. Damit ist die Stadt die Rotlicht-Hochburg Frankens. Symbolfoto: Oliver Berg, dpa

Nürnberg ist mit seinen vielen Bordellen im Rotlichtviertel an der Frauentormauer die Prostituierten-Hochburg in Franken. Wie steht es um die Sicherheit der Frauen?

Es ist 9 Uhr morgens. Prostituierte Tatjana* wartet an der Frauentormauer in Nürnberg auf Kunden. Die junge Frau mit dem rot-schwarzen Korsett sitzt gelassen auf ihrem Hocker hinter einer Fensterscheibe. Über ihrer Brust hängt ein goldenes Kreuz. Sie wartet auf Freier und wischt gleichgültig über ihr Smartphone. Tatjana arbeitet schon seit mehreren Jahren als Prostituierte in Nürnberg. Sie kennt das Geschäft gut.

Bis zu 1600 Sex-Arbeiterinnen in Nürnberg

So wie Tatjana arbeiten bis zu 1600 Sex-Arbeiterinnen in Nürnberg auf selbstständiger Basis. Sie bestimmen also selbst, was die Kunden bezahlen müssen. Für die Zimmer im jeweiligen Etablissement zahlen sie regelmäßig Miete. Sie führen ein selbstbestimmtes Leben.

Organisierte Kriminalität in Nürnbergs Rotlichtmilieu?

Gewalt spiele in ihrem Berufsalltag eigentlich gar keine Rolle, verrät Tatjana. Die meisten Freier seien harmlos. Die Polizei nennt sie "polizeilich unauffällig".

Auch eine organisierte Kriminalität ist der Polizei in Nürnbergs Rotlichtmilieu kaum bekannt: Strafrechtliche Verfahren wegen sexueller Ausbeutung hätten sich in den vergangenen Jahren in ganz Mittelfranken konstant im einstelligen Bereich bewegt, teilt die Polizei mit. Sie habe jegliche aufkeimenden Strukturen von organisierter Kriminalität frühzeitig erkennen und zerschlagen können.

Hilfsorganisation: Nicht jede Prostituierte muss gerettet werden

Von durchgängig menschenunwürdigen Zuständen in Nürnbergs Rotlichtmilieu distanziert sich ebenfalls die Prostituierten-Organisation "Kassandra". Deren Mitarbeiterinnen kümmern sich tagtäglich um die Belange der Sex-Arbeiterinnen und dazu gehören auch direkte Hausbesuche vor Ort.

Der Sprecherin Sandra Ittner sind jedenfalls kaum Strukturen organisierter Kriminalität in Nürnbergs Rotlichtbezirk bekannt. In ihren Augen entspricht das Thema "Zuhälterei" häufig dem gängigen Klischee, welches die Menschen im Kopf haben, wenn es um Prostitution geht. Sie weist ganz im Gegenteil darauf hin, dass nicht jede Prostituierte gerettet werden müsse: "Nicht alle Sex-Arbeiterinnen müssen als Opfer gebrandmarkt werden, wie es die Gesellschaft oder die Medien gerne tun. Die meisten Frauen haben sich für diese Arbeit selbst entschieden."

Sex-Arbeiterinnen in Nürnberg: Weniger als 5 Prozent deutsch

Dennoch gebe es aber auch Fälle von ausländischen Sex-Arbeiterinnen, die sich prostituieren, um ihre Familien in Not zu unterstützen. Woher die Sex-Arbeiterinnen Nürnbergs kommen, steht in einem Polizeibericht aus dem Jahr 2017: Über 95 Prozent der Prostituierten sind keine deutschen Staatsbürgerinnen.

Die Polizei will nicht ausschließen, dass bei ihnen Zwang auch eine Rolle spielt. Viele Prostituierte seien aus Osteuropa und könnten gerade am Anfang nur selten Deutsch. Daher benötigten sie entsprechende Unterstützung. In Nürnberg werde aber in nur wenigen Fällen wegen Zuhälterei ermittelt. Die Frauen seien nicht bereit auszusagen, und der Polizei fehlen die Beweise.

*Name von der Redaktion geändert

 

 

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