Guttenberg
Nachruf

Bier war sein Leben: Helmut Geiger zum Gedenken

Der Buchautor und Mitarbeiter der Bayerischen Rundschau ist nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.
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Helmut Geiger starb im Alter von 77 Jahren. Archiv/Stephan Tiroch
Helmut Geiger starb im Alter von 77 Jahren. Archiv/Stephan Tiroch
Seine Bücher sind Pflichtlektüre für jeden, der sich für Kulmbacher und fränkische Brautradition interessiert. Seine heimatkundlichen Artikel in der Bayerischen Rundschau haben jeden Kulmbacher erfreut. Helmut Geiger hat sich als Autor einen Namen gemacht - jetzt ist er nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er wurde 77 Jahre alt. Er hinterlässt Frau, Tochter und zwei Enkel.

Zeit seines Lebens war Geiger ein Kulmbacher Patriot. Er blieb seiner Heimatstadt und besonders dem Stadtteil Blaich, wo er seine Jugend verbrachte, immer verbunden - auch als er "nach Guttenberg
geheiratet" hat. Beruflich war es für den ausgebildeten Industriekaufmann ein Glücksfall, dass er 1977 bei der Reichelbräu als Geschäftsführer des Markgrafen-Getränkevertriebs (bis 1991) angestellt wurde. "Damals habe ich über 100 Märkte aufgebaut."

Nach der Wende startete er in Thüringen noch einmal voll durch: Er machte sich selbstständig in der
Getränkebranche und hatte großen Erfolg. 2009 war er mit seiner Firma Drinks Union in Weimar Deutschlands größter Bierimporteur: Als Marktführer mit 232 000 Hektolitern Breznak-Bier aus Tschechien ließ er so renommierten Marken wie Pilsner Urquell und Budweiser hinter sich.

Parallel dazu baute Geiger eine der größten privaten Sammlungen von Biergläsern und Krügen aus der Region auf. Und betätigte sich vor zehn Jahren erstmals als Buchautor: Er verbrachte
ungezählte Stunden in Archiven und erforschte die Geschichte von 130 Brauereien im Landkreis Kulmbach. Sein Erstlingswerk "Vom Bierbrauen im Landkreis Kulmbach" war rasch vergriffen. Es folgte ein zweites Buch "Kulmbacher Biergeschichte(n)" - darin hob er so manchen Schatz aus Kulmbachs guter alter Bierzeit. Selbst als Weltreisender in den entlegensten Winkeln der Erde unterwegs, beschäftigte er sich in seiner dritten Arbeit "Culmbacher/Kulmbacher über
alle Grenzen" mit dem Bierexport rund um den Globus. Ein viertes Buch, an dem er gerade arbeitete, konnte er nicht mehr vollenden.

Daneben betätigte er sich - genauso fleißig und akribisch - seit vielen Jahren als Autor der Bayerischen Rundschau. Seine zahlreichen Artikel - "Als das Bier hell wurde", "Die Kegelbahn als Heiratsmarkt", "Vom Wirtshaus ins Zuchthaus" oder "Als in Kulmbach gepanscht wurde", um nur ein paar Überschriften zu nennen - fanden eine treue Fangemeinde. Geigers Wissen über die Biergeschichte Kulmbachs, des Kulmbacher Landes und ganz Oberfrankens war legendär.

Um nur über Bier zu schreiben und zu theoretisieren, war Geiger ein viel zu geselliger Mensch. In der Kulmbacher Kommunbräu, zu deren Mitgründern er zählte, oder beim Haberstumpf in Trebgast traf man ihn regelmäßig an. Ein Gespräch am Biertisch - fast nichts, was dem Helmut lieber war. Ein frisches Seidla, eine fränkische Brotzeit und a schöns Kulmbacher Gewaaf: Dafür konnte er sich begeistern. Er wird uns fehlen!


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