Kronach
Prozess

Urteil zur Brandstiftung im Kronacher Gefängnis: Wenn Freispruch keine Freiheit bringt

Am Landgericht Coburg wurde das Urteil im Prozess zum Brand im Kronacher Gefängnis gesprochen. Durch die Beweisaufnahme ist eindeutig klar, dass der Angeklagte das Feuer gelegt hat - hinter Gitter muss er dafür jedoch nicht.
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Die Verhandlung zur Brandstiftung in der Kronacher JVA gliederte sich am Landgericht Coburg in vier Prozesstage. Foto: Symbolbild
Die Verhandlung zur Brandstiftung in der Kronacher JVA gliederte sich am Landgericht Coburg in vier Prozesstage. Foto: Symbolbild

Ohne jeden Zweifel sei die Kammer davon überzeugt, dass der Angeklagte für die Brandstiftung verantwortlich sei. Dies verkündete die Vorsitzende Richterin am Mittwoch bei der Urteilsverkündung am Landgericht Coburg. Trotzdem erhielt der 28-Jährige einen Freispruch. Er wird künftig in einer forensisch-psychiatrischen Klinik untergebracht.

Der Tathergang konnte in insgesamt vier Prozesstagen durch diverse Zeugenaussagen und das Geständnis des Angeklagten rekonstruiert werden. Der Beschuldigte, der zum Tatzeitpunkt eine neunmonatige Haftstrafe wegen Diebstahls in der JVA Kronach absaß, hatte mit einem Besenstiel ein Loch in die Decke seiner Zelle gestoßen.

Am Abend des 30. August 2018 entzündete er die darunter befindlichen Holzbalken mit einem Feuerzeug. Unbemerkt breitete sich der dadurch entstandene Glimmbrand in der Nacht aus. Ein Löschversuch des Angeklagten, bei dem er einen Becher Wasser in die Deckenöffnung kippte, blieb erfolglos.

Am nächsten Tag waren rund 300 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW und der Polizei im Einsatz, um die 97 Insassen zu evakuieren und in andere Gefängnisse zu verlegen. Insgesamt entstanden 53 500 Euro unmittelbarer Brandschaden. Drei Polizisten erlitten durch die Brandstiftung eine Rauchvergiftung und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Frage der Schuldfähigkeit

Alle Prozessbeteiligten werten die Tat des Angeklagten als Fluchtversuch. "Er hat völlig wider der normalen Vernunft gehandelt", beschreibt Verteidigerin Kerstin Rieger das Verhalten ihres Mandanten. Sie erwähnt die psychischen Erkrankungen des 28-Jährigen, die der medizinische Sachverständige am Montag in seinem Gutachten festgestellt hatte. Aufgrund derer stünde für die Verteidigerin die aufgehobene Schuldfähigkeit des Angeklagten fest. Sie plädierte auf Freispruch und forderte eine Unterbringung in Therapie.

In seinem Urteil schloss sich das Gericht dem Plädoyer der Verteidigerin an: Der Angeklagte wurde freigesprochen, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Damit blieb das Gericht weit unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß: eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten mit anschließender psychiatrischer Behandlung. "Er ist kein unbeschriebenes Blatt", sagte der Staatsanwalt und verwies auf die neun Einträge im Vorstrafenregister des Angeklagten.

Der Freispruch ergebe sich aus der psychischen Erkrankung des Angeklagten, der zum Tatzeitpunkt im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt habe, erklärte die Vorsitzende Richterin. Eine medizinische Behandlung wäre notwendig, da der 28-Jährige "gefährlich für die Allgemeinheit" sei. Wie auch schon der Gutachter urteilte: Ohne therapeutische Hilfe bestünde die Gefahr weiter Delikthandlungen.

Das Krankheitsbild

Als entscheidenden Auslöser für das Handeln des Angeklagten sieht die Kammer eine wenige Tage vor der Tat gefällte Entscheidung des Kronacher Amtsgerichts. Dieses entschied gegen eine frühzeitige Haftentlassung des 28-Jährigen.

Durch den medizinischen Sachverständigen erfuhr das Gericht: Bereits vor der Haft litt der 28-Jährige an einer Persönlichkeitsstörung. Dadurch sei der junge Mann außerstande, normal und angemessen in der Gesellschaft zu interagieren.

Während des Gefängnisaufenthaltes entwickelte er außerdem eine schwer ausgeprägte Anpassungsstörung. Diese kam in den Monaten vor und nach der Tat immer wieder zum Vorschein. Durch diverse Arztbesuche aufgrund von Selbstverletzungen versuchte der Angeklagte, den Haftbedingungen zu entkommen. Außerdem gab es immer wieder Probleme mit anderen Häftlingen. Er schien mit niemandem auf längere Dauer klarzukommen.

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