Kronach
Wirtschaft

Nach Insolvenz von Loewe: Neuer Investor stellt 100 Arbeitsplätze in Aussicht

Am Dienstagabend (14. Januar 2020) diskutiert der Kronacher Stadtrat über den ausverhandelten Mietvertrag mit Skytech, das die Loewe-Markenrechte besitzt. Einen Tag vor der Sitzung stellt das Unternehmen plötzlich weitere Arbeitsplätze in Aussicht.
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Bald wieder ein Arbeitsplatz? Ob Skytech 30 000 Quadratmeter des Loewe-Geländes an der Industriestraße anmieten darf, dürfte sich heute Abend auf einer Sondersitzung des Kronacher Stadtrats entscheiden. David-Wolfgang Ebener/dpa
Bald wieder ein Arbeitsplatz? Ob Skytech 30 000 Quadratmeter des Loewe-Geländes an der Industriestraße anmieten darf, dürfte sich heute Abend auf einer Sondersitzung des Kronacher Stadtrats entscheiden. David-Wolfgang Ebener/dpa

Wie geht es mit dem Loewe-Areal weiter? Eine erste Antwort darauf könnte es Dienstagabend (14. Januar 2020) geben. Dann beschäftigt sich der Kronacher Stadtrat in einer nichtöffentlichen Sondersitzung einzig und allein mit der Frage, ob ein Großteil des Geländes an Skytech vermietet wird. Das Unternehmen mit Sitzen in der Slowakei und auf Zypern hatte vor einigen Wochen die Markenrechte erworben und bereits im Vorfeld bekundet, mit Loewe in Kronach bleiben zu wollen.

Wie groß der Bereich des Werksgeländes ist, den Skytech anmieten möchte, war bisher unklar. Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) wollte vergangene Woche dazu ebenso wenig Auskunft geben wie der neue Besitzer der Marke. Am Montagabend teilte Skytech nun mit, zunächst etwa 30 000 Quadratmeter des insgesamt 56 000 Quadratmeter großen Werksgeländes mieten zu wollen. "Wir haben uns schon während des Bieterprozesses Gedanken über den Neustart von Loewe gemacht und uns mehrfach zum Standort Kronach bekannt", wird Skytech-Chef Vladislav Khabliev zitiert. "Dieses Versprechen möchten wir nun zügig einlösen."

Zahl nach oben korrigiert

Zufällig dürfte der Zeitpunkt der Pressemitteilung nicht sein. Erst recht nicht, wenn darin auch noch mehr Arbeitsplätze in Aussicht gestellt werden, als bislang. Zwar gab Skytech bereits vor einigen Tagen preis, dass hochqualitative Fernsehgeräte wie der "Loewe bild 7" auch zukünftig in Kronach gefertigt werden sollen, die Rede war allerdings stets von 30 Arbeitsplätzen. Laut Skytech sieht der entwickelte Geschäftsplan vor, jetzt in einem ersten Schritt 40 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Perspektivisch könnten es dann sogar deutlich mehr werden. "Wir möchten, dass Loewe auch in Zukunft dem Prädikat ,Made in Germany‘ verbunden bleibt", so Kabliev. "Deshalb setzen wir nachhaltig auf den Standort Kronach und rechnen mittelfristig sogar mit bis zu 100 Stellen, die wir auf dem alten Loewe-Gelände schaffen können."

Hoffnung auf Unterstützung

Er hoffe auf die Unterstützung der Stadt und möchte die Gespräche über die Nutzung der Loewe-Liegenschaften zügig und in beiderseitigem Einvernehmen abschließen. "Sobald dies geschehen ist, können wir sofort mit den örtlichen Behörden und der Agentur für Arbeit den Prozess zur Einstellung neuer Mitarbeiter starten." Gehakt hatten die Gespräche mit der Stadt vor allem am Preis, da Skytech offenbar weniger als den marktüblichen Mietzins zahlen wollte.

Ein Problem ist das insbesondere wegen der übrigen Mieter, die sich in den vergangenen Jahren auf dem Loewe-Gelände angesiedelt haben.Denn diese sollen sich nicht ungleich behandelt fühlen. "Das wäre ihnen gegenüber verantwortungslos", sagte Beiergrößlein Anfang vergangener Woche dem FT.

Nun liegt es an den Mitgliedern des Stadtrats, ob sie den Konditionen des Vertrags zustimmen. Der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner hat bereits angekündigt, dass seine Partei nur bei einer ortsüblichen Miete ihre Zustimmung gibt.

2014 initiierte Baumgärtner, dass die Stadt dem Kronacher Traditionsunternehmen das Grundstück abkauft. Die CSU habe die Absicht, es zu einem ebenso modernen wie nachhaltigen Industriepark zu entwickeln. Ihm schwebe dabei ein Branchenmix vor, so Baumgärtner: "Langfristig muss es das Ziel sein, dass auf dem Grundstück wieder 1000 Leute Arbeit finden." Selbst wenn Syktech es allerdings schafft, die Zahl der Arbeitsplätze bei Loewe von 40 auf 100 zu erhöhen, würden auf dem Gelände gerade einmal 200 Menschen arbeiten. Zum Vergleich: Allein bei Loewe standen vor der Insolvenz rund 460 Mitarbeitende in Lohn und Brot.

Perspektivisch sehe er das Loewe-Areal allerdings nicht mehr bei der Stadt. Derzeit ist es im Besitz der Stadtentwicklungs GmbH, deren Geschäftsführung Beiergrößlein übernommen hat. "Wir müssen Leute finden, die es entwickeln und verwalten", sagt Baumgärtner. "Das darf nicht die Aufgabe einer Stadtverwaltung sein."

Ambitionierter Zeitplan

Khabliev gibt derweil für Loewe einen Zeitplan vor, den er selbst als ambitioniert bezeichnet. Schon auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (4. bis 9. September) sollen nämlich neue Produkte im TV-Segment präsentiert werden. Das vollständige aktuelle Loewe-Portfolio möchte er sogar bereits im April wieder anbieten können. Das Management arbeite daher mit Hochdruck daran, die Lieferkette wieder aufzubauen. Um den Zeitplan auch einhalten zu können, hoffe er auf eine rasche Einigung mit der Stadt. Eine weitere wenig subtile Nachricht in Richtung Rathaus.

Das ist Skytech

Die Skytec-Gruppe nach eigenen Anhaben ein international tätiger strategischer Investor, der sich auf die Bereiche Unterhaltungselektronik und IT spezialisiert hat. Gegründet wurde das Unternehmen von Vladislav Khabliev, der in einem Dorf in der russischen Teilrepublik Nordossetien aufwuchs. Tätig ist Skytech in ganz Europa, den GUS-Staaten und Asien. In vorderster Linie ist Vladislav Khabliev aber nicht mehr aktiv. "Er kümmert sich vor allem um sein Weingut in der Slowakei und macht die strategische Beratung im Hintergrund", erklärt ein Sprecher der von Skytech beauftragten PR-Agentur. Loewe sei das Projekt von dessen Sohn Aslan.

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