Ebern
Kommunbräu

Der 50. Sud in Höchstädten zaubert Lächeln her

Jochen Zürl aus Ebern und sein Helferteam haben der "fränkischen Braukultur" im Höchstädter Brauhaus wieder "Leben eingehaucht."
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"Bierlieder" gespielt am Brauhaus Höchstädten. Helmut Will
"Bierlieder" gespielt am Brauhaus Höchstädten. Helmut Will
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Am 21. August 2011 ist das alte Kommunbrauhaus in Höchstädten aus dem "Dornröschenschlaf" erwacht. Nachdem es Jochen Zürl und seine Helfer in jahrelanger Arbeit aufgepäppelt und zu neuem Leben erweckt hatten, wurde zur Einweihung der erste Sud, 300 Liter helles und süffiges Bier, im Dezember 2010 angesetzt, gekostet. Über 30 Jahre fristete das Brauhaus ein recht klägliches Dasein, nachdem das Hausbrauen "eingeschlafen" war. "Ich würde es nach meinen positiven Erfahrungen heute wieder genauso machen", sagt Jochen Zürl beim 50. Sud.

Wer kann schon von sich behaupten, dass so ein kleines Dorfbrauhaus auf relativ viel politisches Interesse stößt. Jochen Zürl und sein Team können es. Auf ein Bier schauten Steffen Vogel (CSU), MdL, Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und auch Eberns Stadtoberhaupt Jürgen Hennemann (SPD) vorbei, um mit dem Brauerteam und einigen anderen Gästen auf den 50. Sud anzustoßen, gleichzeitig auch Bier für die demnächst stattfindende Hochzeit von Jochen Zürl.


Ob das Projekt gelingt?

"Ich gestehe, ich hatte zum Anfang so meine Zweifel, ob das Projekt Brauhaus Höchstädten gelingen wird", sagte Bürgermeister Robert Herrmann bei der Einweihung im Jahr 2011. Es ist gelungen, und darauf sind Jochen Zürl und sein Brauerteam mächtig stolz. Sechs Jahre und fünf Monate danach wurde am Samstag der 50. Sud gekostet.

Zur Einweihung vor knapp sechseinhalb Jahren waren viele Besucher gekommen, unter ihnen Bezirksrat Siegmund Kerker. Auch beim 50. Sud am Samstag fanden sich viele Besucher ein, um mit dem "Brauerteam Zürl" zu feiern. Vielerorts gab es früher Kommunbrauhäuser, in denen die Dorfbevölkerung ihr "Hausbrauerbier" braute. Die Zeiten, wo vor dem Brauen noch vom Gemeindediener ausgeschellt wurde: "Heute wird bekannt gemacht, dass niemand in den Bach rein macht, denn morgen wird gebraut", sind natürlich längst vorbei.

Auch wurde das alte Brauhaus von Zürl und seinen Helfern nicht ganz so hergerichtet, wie es früher war. Dagegen sprechen schon Hygienevorschriften. Aber in seiner Ursprünglichkeit insgesamt, wurde das kleine Brauhaus erhalten, ausgebessert, Dach, Wände und Innenräume saniert und mit Utensilien fürs Brauen ausgestattet.

Und seitdem raucht in gewissen Abständen der Kamin des Kommunbrauhauses, Zeichen dafür, dass gebraut wird. Dank der Bereitschaft der Waldgenossenschaft von Höchstädten und dem Vertrauen deren Mitglieder zu Zürl und seinem Team, wurde es möglich, das historische Brauhaus wieder in den Fokus zu stellen.

Ein besonderer Blickfang ist das "Hausschild" mit dem von Kreisheimatpfleger Günter Lipp neu geschaffenen Zürl`schen-Familienwappen an der Ostseite des Gebäudes. Aus Richtung Fischbach kommend, springt es dem Betrachter sofort ins Auge. Alois Voigt aus Bramberg hat es in vielen Arbeitsstunden gefertigt. Das Familienwappen in der Mitte wird umrundet vom Schriftzug "Brauhaus Höchstädten - 1853 bis 2010".


Von Anfang an dabei

Aus dem Nachbarort kommt Theo Sauerteig, einer, der von Anfang an immer dabei war, wenn Bier am Brauhaus in Höchstädten ausgeschenkt wurde. Er sagt: "Als ich hörte, dass das Brauhaus Höchstädten wieder hergerichtet werden soll, habe ich nicht gedacht, dass das hinhaut. Das war ja dem Verfall nahe. Jochen hat sich dem erbarmt, und nach und nach ging es vorwärts."

Das erste "Jubiläum" wurde im Brauhaus Höchstädten am 1. Februar 2014 gefeiert. Damals wurde der 25. Sud angesetzt, und Zürl erklärte, dass bisher 7500 Liter Bier gebraut wurden. Er erinnert sich: "Mein Vater Helmuth war auch ein Freund von Hausbrauerbier. So wurde wohl auch mein Interesse geweckt."

Lob hatten auch die Landes- Kreis- und Kommunalpolitiker, nachdem sie sich im Brauhaus umgesehen und einen ersten Schluck genossen hatten. Unisono lobten sie die Initiative der Höchstädter Brauer. MdL Steffen Vogel sagte: "So etwas wie hier zeigt doch, wie fantastisch unser ländlicher Raum ist. Das ist ein Musterbeispiel eigener Initiative, und das Brauhaus in Höchstädten kann man als Vorbild für andere Kommunbrauhäuser sehen."

Der Gedanke selbst Bier zu brauen, ließ Jochen Zürl nicht mehr los. Schon 2005 hat er in Buch und Höchstädten die alten Brauhäuser angesehen und entschloss sich schließlich in Höchstädten "Nägel mit Köpfen" zu machen. "Vorher", sagt Jochen Zürl, "habe ich schon mal im heimischen Wurstkessel 50 Liter Bier gebraut, nachdem ich in der VHS einen Brauerkurs besucht hatte." Mit Helmut Horn aus Höchstädten, damals Vorsitzender der Waldgenossenschaft, hat er einen Ansprechpartner gefunden, der dem Ganzen aufgeschlossen gegenüberstand.

Trotzdem zogen sich die Verhandlungen und Gespräche mit den Grundholden der Waldgenossenschaft fast zwei Jahre hin, bis eine Vereinbarung für das Brauhaus unterschriftsreif war. Viel gab es fortan für Zürl und seine Mitstreiter zu tun. "Erst haben wir das Brauhaus grob sauber gemacht und einen Grund betoniert. Nachdem der Bauplan am 31.10.2008 genehmigt war, konnten wir weiter machen", sagt Zürl, der eine Odyssee durch Behörden zu bewältigen hatte. Nachdem alles erledigt war, wurde geschuftet. Weit über 1000 Arbeitsstunden waren erforderlich, bis erstmals gebraut, die Eröffnung gefeiert und der erste Gerstensaft durch die Kehlen rinnen konnte. "Mit fünf Jahren Arbeit hatten wir gerechnet, es aber in zwei Jahren geschafft", freut sich der Brauer, der auch der Fränkische Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und Siegmund Kerker dankt, der sich ins Zeug gelegt habe. Toll findet Jochen Zürl seine Freunde, die mit dabei waren und dabei blieben. Das sind Heiko Güßbacher, Rainer Kaffer, Dirk Sauerteig und Manuel Schmitt. "Das ist das Team, mit dem ich zusammen bisher gebraut habe, alle kennen die Abläufe, jeder kann jeden ersetzten, wobei aber in der Regel jeder seine festen Aufgaben hat."


Der Landrat ist schwer beeindruckt

"Ich bin jetzt mal schnell nach Höchstädten gefahren und finde ein Brauhaus vor, das mir gefällt. Brauen ist eine fränkische Tradition, und man sieht, was man bewegen kann, wenn man zusammenhält. Wenn ich von hier runter blicke, sehe ich Leute, die sich unterhalten, Musik ist da, was will man mehr, um das Wochenende zu beginnen", sagte Landrat Wilhelm Schneider. Ort des Treffens für Kommunbrauer aus dem Landkreis war das Höchstädter Brauhaus aus Anlass des "Tag des Bieres" am 26. April 2015. Damals konnten acht verschieden ,Biersorten, die die Brauer aus anderen Orten mitgebracht hatten, verkostet werden. Norbert Hümmer, Biersommelier aus Neubrunn, machte damals deutlich, dass sich die Kommunbrauer nicht als Konkurrenz sehen.

Bürgermeister Jürgen Hennemann stößt heute ins gleiche Horn wie der Landrat. "Jochen Zürl hat aus dem Brauhaus ein uriges Schmuckstück gemacht, und das Bier schmeckt hervorragend." Hennemann bedauert, dass es im Stadtgebiet nur die Kommunbrauhäuser in Höchstädten und Brünn gibt. "Das ist für Ebern sicher eine Bereicherung." Die Temperaturen passten. Trotzdem standen die Besucher um den Kanonenofen, der vor dem Brauhaus stand, herum und genossen schon mal das Hochzeitsbier von Jochen Zürl und seiner künftigen Frau Simone.


Infos zum Kommunbrauhaus Höchstädten


Alter Das Brauhaus in Höchstädten wurde im Jahr 1850 erbaut, ist demnach 168 Jahre alt. Drei Jahre später, 1853, wurde es erstmals erwähnt. Die Höchstädter Bauern brannten dort bis 1970 mit einem Brauausstoß von 2300 Litern pro Brautag. In die Jahre gekommen wurde der Braubetrieb eingestellt, das Kühlschiff wurde in Salmsdorf weiter benutzt, heute noch dient es bei einem Landwirt als "Gänsebad."

Verschrottet Alles andere wurde verschrottet und verheizt, das Brauhaus diente voran als Lager für verschiedene Gegenstände. Die "Neugeburt" des Brauhauses begann im Jahr 2006, als es zu einem ersten Kontakt mit den Eigentümern, der Waldgenossenschaft Höchstädten und Jochen Zürl kam. Schon ein Jahr später, am 1. Juli 2007 wurde ein Vertrag der Nutzung für Pflege auf Lebenszeit mit Zürl geschlossen.

Erneuerung Die Umbau und Ausbesserungsarbeiten begannen Ende 2007 Anfang 2008. Das Gebäude wurde von mehreren Tonnen Bauschutt befreit und die Grundmauern frei gelegt. Im Frühjahr 2008 wurden die Grundmauern und somit die Statik des Gebäudes mit über 15 Kubikmetern Beton gesichert und die Bodenplatte eingebracht. Nun ging der "Marathon" durch den "Behördendschungel" los. Planung, Genehmigungen, Bauantrag, Stellung von Zuschussanträgen, nahmen viel Zeit in Anspruch. Nachdem alles in "trockenen Tüchern" war wurde im Herbst 2008 der Boden rings um das Gebäude abgegraben, um das Mauerwerk trocken zu legen, eine zweite, unterirdische Mauer wurde außen geschaffen, um dem Ganzen Stabilität zu verleihen. Im Jahr 2010 wurden die Innenwände vom Putz befreit, Fugen neu verdichtet, die Zwischendecke über dem Gärraum, Holzböden und das Dach erneuert. Plan war, der bisher auch umgesetzt wurde, zu brauen, um die fränkische Bierkultur, das Hausbrauen, zu erhalten. Derzeit werden pro Sud etwa 300 Liter Bier gebraut. Zürl dankt neben der Fränkischen Kulturstiftung zahlreichen privaten Firmen, die finanzielle Unterstützung geleistet haben.

Jubiläumssud 50 Mal wurde mittlerweile gebraut, pro Jahr um die 2000 Liter, bisher etwa 15 000 Liter. Gebraut wurden bisher ein selbstentwickeltes bernsteinfarbiges, leicht rauchiges Bier, helles und dunkles Hausbrauerbier, helles und dunkles Weizenbier sowie obergäriges Sommerbier und helles und dunkles Bockbier. Gefeiert wurde mit diesen Bieren schon mehrmals am Brauhaus, und auch beim Mittelaltermarkt in Ebern kam es schon zum Ausschank. Für die fleißigen Brauer bleibt nichts übrig. Alles Geld wurde bisher in eine Würzekühlung, Rührwerk, Kühlwagen, Krüge und Gläser, Flaschenfüllmaschine, Flaschenspülmaschine und vielen kleinen Dingen die für Hygiene und Brauereiwesen nötig sind, investiert. Daran gedacht ist noch eine kleine Brauanlage zu bauen in der man 60 Liter brauen kann. Hier sollen die Sommerbiere gebraut werden.


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