Gleusdorf
Heimatgeschichte

Schloss Gleusdorf - die andere Geschichte

Das in die Schlagzeilen gerückte Denkmal am Ostufer der Itz hat im Verlauf der Jahrhunderte viele Herren erlebt und Nutzungen erfahren.
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Schloss Gleusdorf in der heutigen Form zeigt diese Luftaufnahme, die im April 2016 entstanden ist. Foto: Andreas Köhler
Schloss Gleusdorf in der heutigen Form zeigt diese Luftaufnahme, die im April 2016 entstanden ist. Foto: Andreas Köhler
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Dasaktuelle Kapitelgehört zweifelsohne zu den düsteren Seiten. Schloss Gleusdorf hat aber auch andere Phasen durchgemacht, wie ein Blick in dessen Geschichte zeigt, die eine der Vorbesitzerinnen, Dr. Christine Belz-Hensoldt, die zusammen mit Ehemann Norbert mittlerweile in Frankreich lebt, zusammengestellt hat. Diese Zusammenstellung und einige historische Aufnahmen hat sie uns überlassen.

Das Schloss war Sommerresidenz, Jagd- und Lustschloss des Banzer Abtes, Landgericht, Finanzamt, Müttergenesungsheim, Käsefabrik, zuletzt und aktuell Heim, allerdings als "Pflegeheim und nicht als Psychiatrie konzipiert", wie Vorbesitzer Peter Böhnlein ausdrücklich betont. Auch hat der jetzt skandalumwitterte Prachtbau im Itzgrund, der unter Denkmalschutz steht, im Verlauf der Jahrhunderte schon viele Herren gesehen.


Die Chronologie

Um 800: Erste schriftliche Erwähnung von Gleusdorf in einer Urkunde des Klosters Fulda;

1015:
Rattelsdorfer Schenkung von Kaiser Heinrich II.: Aufteilung der Gebiete des Klosters Fulda mit Zugehörigkeiten zu den Klostern Michelsberg bzw. Banz, wobei Mürsbach mit Gleusdorf dem Banzgau als südlichem Teil der Grabfeldes unterstellt wurde;

1069: Schenkung von Alberda von Schweinfurt führt zur Errichtung des Klosters Banz, zu welchem auch Mürsbach und Gleusdorf gehörten;

1126: Banzer Urkunde benennt die Bamberger Ministerialen Gotefridus de Clupestorf und Gotefrith de Vullebach, was bezeugt, dass ein Adelssitz mit bischöflichen Beamten besetzt gewesen war, die ihren Grundbesitz als Banzer Lehen hatten, nach Bamberg dienstbar, aber gegenüber dem Würzburger Fürstbischof zinspflichtig waren;

Bis 1230: Die Herren von Clupes- und Clupistorf verschwinden mehr und mehr aus den Akten, so dass die Herren von Füllbach (vormals Vullebach) Alleinbesitzer wurden. Viele Kauf- und Schenkungsurkunden folgen, mit Gütern zu Kirchlauter, in Ebern, Rubach und Hemmendorf, Vierst, Poppendorf, Speiersberg, das Schloss Raueneck, Herbolzdorf, Sandhof und Eichelberg, Unfinden, Walchendorf, Losbergsgereuth, Leuchenfeld, Hebendorf. Früh treten die Füllbachs als Stifter bei Klöstern auf, so 1357 an Banz, 1400 ans Kloster Langheim;

1505: Das Schloss wurde niedergebrannt. Von wem ist unbekannt. Wiederaufbau;

1525: Erneut niedergebrannt im Zuge der Bauernkriege von "denen von Ebern";

1530: Abt Alexander von Rotenhan belehnt Hans von Füllbach zu Gleusdorf mit Schenkstatt und Schmiede, während sein Vetter Wolf von Füllbach das Schloss bewohnte; Die beiden gerieten in heftigen Streit miteinander;

1572: Mit dem Tod von Sebastian von Füllbach (Grabmal in Mürsbach) vergeben der Abt von Banz und der Fürstbischof von Würzburg das Lehen nicht mehr; Fürderhin Verwaltung durch Klostervögte. Der Prachtbau diente dem Banzer Abt als Sommerresidenz und Jagdschloss;

1735: Der heutige Rokokobau, auf Eichenpfählen gegründet, wurde - nach einem erneuten Brand während des 30-jährigen Krieges - von Abt Valerius Molitor von Kloster Banz begonnen (vermutlich nach Plänen von Johann Dientzenhofer).

1803: Im Zuge der Säkularisation wurde das Vogteiamt in ein bayerisches Landgericht fürs Bezirksamt Baunach umgewandelt;

1810: Das Landgericht Gleusdorf fiel ans Großherzogtum Würzburg;

1819: Verpachtung an den Schweizer Käsefabrikanten Heinrich Stöckli aus Reutern;

1824: Unterbringung des Rentamtes des Bezirksamtes Baunach im Schloss;

1850: Kauf durch die Familie Zang;

1896: Kauf durch einen Herrn Kneuer;

1897: Kauf durch die Familie Nestmann;

1919-1929: Mehrere Besitzerwechsel;

1929: Erwerb durch den Pallottiner-Orden;

1951: Kauf durch die Theresienschwestern, die ein Müttergenesungsheim einrichteten;

1980: Erwerb durch die Familie Belz-Hensoldt, die aufwändige Sanierungsarbeiten vornahm; Weiterverkauf "eines Stücks Herzblutes", da der Oberstudienrätin am altsprachlichen Dilthey-Gymnasium in Wiesbaden, die Biologie und Chemie unterrichtete, keine Versetzung nach Bayern gelang. Ihr Mann war dort Musiklehrer, gleichzeitig aber Dirigent, Musikdirektor, Chorleiter. Da er sehr gut Orgel spielte, war er auch im Itzgrund im Einsatz gewesen, wenn Organisten einmal ausfielen;

1990: Übernahme durch Familie Böhnlein aus Bischberg und Umwidmung zur Seniorenresidenz als Pflegeheim samt Erstellung eines Anbaues;

2002: Übernahme durch die jetzige Zwei-Mann-Betreibergesellschaft mit Beginn aufwändiger Modernisierungsarbeiten und Dachsanierung im Sommer 2016.


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