Nankendorf
Aufklärung

Nankendorf ganz bewusst gewählt

In Nankendorf, wo ein NPD-Funktionär einen Gasthof hatte kaufen wollen, fand eine Infoveranstaltung der Grünen gegen Rechtsextremismus statt.
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Zu der Veranstaltung der Grünen im Schützenhaus  Nankendorf waren rund 30 Teilnehmer gekommen. Foto: Thomas Weichert
Zu der Veranstaltung der Grünen im Schützenhaus Nankendorf waren rund 30 Teilnehmer gekommen. Foto: Thomas Weichert
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Der Verfassungsschutz hatte den beabsichtigten Kauf des Gasthofes Polster-Bräu in Nankendorf durch den NPD-Funktionär Janus Nowak überprüft und war zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um kein Scheingeschäft handelt. Dies erklärte Julia Beinder von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus während einer Informationsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Bayreuth unter dem Motto "Zeit, mal nach den Rechten zu sehen" im Schützenhaus von Nankendorf. Rund 30 Teilnehmer waren gekommen .

Referent war Arno Speiser vom Beratungsnetzwerk Bayern gegen Rechtsextremismus, der über extremistische Erscheinungsformen aufklärte. Bewusst habe man Nankendorf als Veranstaltungsort eben wegen dieses beabsichtigten Kaufs einer Gaststätte durch einen NPD-Funktionär gewählt, erklärte Susanne Bauer, Sprecherin der Grünen im Kreis Bayreuth.

Auch der Waischenfelder Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) stand Rede und Antwort. Laut Bauer gäbe es in der Region unterschiedliche Anzeichen zur Ansiedlung von Rechtsextremen. Daher müsse man wachsam sein und dürfe vor allen Dingen nicht wegschauen, mahnte Grünen-Kreisrat Manfred Neumeister aus Hollfeld. Neumeister ist auch Fußballfunktionär und in dieser Eigenschaft erklärte er, dass bei Fußballspielen und in Sportvereinen rigoros durchgegriffen werde, wenn rechtsextreme Äußerungen fallen, egal ob von Spielern oder Zuschauern. "Dann erteilen wir Sperren", sagte Neumeister.

Nicht nur extrem rechte Parteien und Gruppierungen wie die NPD oder "Der III. Weg" waren Thema, sondern auch die AfD. Als Gesamtheit betrachtet sei die AfD jedoch keine extrem rechte Partei, sagte Speiser. Ein Vortrag gegen Rechtsextremismus, ohne die AfD zu nennen, gehe jedoch immer weniger. Beunruhigend für Pirkelmann ist, dass die AfD bei der letzten Bundestagswahl in Waischenfeld rund zehn Prozent der Stimmen bekam. Nach Meinung von Pirkelmann seien die etablierten Parteien aber auch selbst schuld am Erstarken der AfD.

Laut Drittem Bürgermeister Kurt Neuner (BBN) gibt es in Waischenfeld kein rechtsextremes Problem. "In Waischenfeld und Nankendorf gibt es sehr wohl extremistische Äußerungen", erklärte jedoch ein Versammlungsteilnehmer. Das Problem, dass man mit Nowak hatte, habe der Stadtrat auch ohne Vorkaufsrecht gelöst, so Neuner. Schon im Interesse, ein negatives Image für einen Tourismusort wie Waischenfeld zu vermeiden, musste der Stadtrat handeln und das Objekt erwerben. Pirkelmann machte aber auch klar, dass das die Stadt dabei Glück hatte, weil Nowak den Kaufpreis noch nicht ganz bezahlt hatte.

Für die Stadt sei das Problem gut gelöst worden, auch wenn nicht alle Bürger damit einverstanden waren, betonte Pirkelmann. 120.000 Euro hat die Stadt für den Gasthof und weitere 10.000 Euro für die Einrichtung bezahlt. "Problem ist jetzt aber, was wir mit dem Objekt machen", sagte Pirkelmann. Dass Nowak die Braurechte hat, konnte man nicht verhindern.
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