Lilling
Kirche

Lillinger bewahrt das Werk des Uropas

Im Jahr 1871 hat Lorenz Schaffer die in Ruinen liegende Lillinger Kapelle wieder aufgebaut. Heute hilft Urenkel Alfred, damit die Kapelle ein Ort des gelebten Glaubens bleibt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Kapelle von Lilling ist dank dem Engagement vieler Gläubiger in gutem Zustand.  Foto: Malbrich
Die Kapelle von Lilling ist dank dem Engagement vieler Gläubiger in gutem Zustand. Foto: Malbrich
+1 Bild
Da gibt es einen Mann, der errichtet eine Kapelle. Aus Dankbarkeit gegenüber seinem Schöpfer. Lorenz Schaffer heißt der Mann. Er hatte offene Beine, die ihm große Schmerzen bereiteten. Bei jedem einzelnen Schritt. Trotzdem lief er Woche für Woche zur Kirche nach Weißenohe.

Sein Weg führte ihn dabei an der Ruine der kleinen Kapelle in der Lillinger Höhe vorbei. Lorenz gelobte, diese Kapelle wieder zu errichten, sollte er von seinem schweren Beinleiden geheilt werden. Schaffer wurde geheilt - und er hielt Wort.

Man schrieb das Jahr 1871, als Lorenz Schaffer die Kapelle wieder aufbaute. Ursprünglich war sie von dem Bauern Konrad Weber aus Sollenberg errichtet worden. Ein Marienbild wurde dort angebracht. Die Christen aus den umliegenden Dörfern trafen sich dort zum Beten. Gerüchten zufolge war das alles dem Bistum nicht ganz geheuer. Es verfügte, die Kapelle einzureißen, was so auch geschah. So stand dort jahrzehntelang eine Ruine, bis Lorenz Schaffer sein Versprechen umsetzte.

Aufgetauchter Engel

Gut 130 Jahre später: Die inzwischen gestorbene Kreisbäuerin und Kreisrätin Gunda Pingold war es, die den Verein zur Erhaltung der Lillinger Kapelle ins Leben gerufen hatte. Anlass war ein ursprünglich als gestohlen geglaubter Engel, der plötzlich wieder auftauchte und in der Folge wieder restauriert werden musste. Um diese Arbeiten und darüber hinaus auch den Erhalt der Kapelle zu gewährleisten, gründete sich der Verein.
Für Alfred Schaffer war es keine Frage, dem Verein beizutreten. Er ist der Urenkel von Lorenz Schaffer, der die Kapelle damals erbaut hatte.

Inzwischen feiert Pfarrer Pingold einmal im Jahr einen Gottesdienst in der Kapelle. An den Sonntagen vom Mai bis Oktober hält Marianne Schaffer, die Ehefrau Alfred Schaffers, dort die Andachten. Rosenkränze werden im Oktober in der kleinen Kapelle gebetet. Bis es soweit war, mussten die Helfer um Schaffer viel Arbeit in die einstige Ruine investieren. "Die Wände waren feucht", nennt Alfred Schaffer nur ein Beispiel. Die Feuchtigkeit drang von außen in das steinerne Gemäuer. Deshalb entschied sich der Lillinger Verein auch, die Kapelle trockenzulegen.

Selbstloses Engagement

"Der selbstlose Einsatz des Bauunternehmers Markus Kögel muss besonders hervorgehoben werden", betont Schaffer. Denn Kögel habe für seine Arbeit keinen Cent verlangt.

Kögel baggerte einen etwa einen Meter tiefen Graben um die sechs auf acht Meter große Kapelle, damit dort später der Entwässerungsgraben verlegt werden konnte. Die Dachrinne wurde ebenfalls anders gesetzt: vom Gebäude weg. Eine Drainage wurde in den Boden verlegt und auch gepflastert. Das Mauerwerk verputzte Kögel schließlich ebenfalls noch. Aber auch die Vereinsmitglieder selbst und viele Lillinger wie beispielsweise die Kameraden von der Feuerwehr halfen bei den vielen Arbeiten mit.

Sie halfen beim Pflastern, verfüllten das mit Sand und strichen die Außenwände neu. "Alte und Junge haben fleißig mitgeholfen", freut sich Schaffer noch heute über das selbstlose Engagement. Die Helfer wurden von Elise Britting und Lisbeth Meier mit Kaffee und Kuchen verköstigt, Strom und Wasser stellte der Nachbar der Kapelle, Gerhard Drechsler, kostenlos zur Verfügung. So musste der Verein lediglich für die Materialkosten in die Kasse greifen. 4000 Euro wurden für die Arbeiten benötigt.

Hunderte Stunden Arbeit

"Anfangs denkt man, das ist bald geschehen", sagt Schaffer. Doch: Etliche hundert Stunden Arbeit stecken hinter der schönen Außengestaltung der Kapelle.
Die Farbe für den Außenanstrich spendierte die Stadt Gräfenberg. "Im nächsten Jahr wird der Lehrling von Kusche das Innengemälde renovieren", erklärt Schaffer. Wendelin Kusche, ein Maler und Kunstdozent, war bekannt für seine Wandmalereien, gerade auch im fränkischen Raum. Das Glasmosaik im Ebermannstadter Schwimmbad, das Wandbild der Volksschule in Forchheim-Reuth oder das Mosaik in der Kirche von Uttenreuth stammen unter anderem von ihm.
Dessen Lehrling, der nun das von Kusche in der Kapelle gemalte Bild restauriert, ist selbst schon 70 Jahre alt. Er kennt sich mit der Farbzusammensetzung aus. "Eine Kapelle muss man erhalten", betont Schaffer.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren