LKR Forchheim
Gericht

Kreis Forchheim: Drogenabhängiger stiehlt Fahrräder im Wert von 17 000 Euro

Weil ein Mann aus Effeltrich viele teure Fahrräder in Forchheim gestohlen hat, um seine Drogensucht zu befriedigen, muss er für über ein Jahr ins Gefängnis.
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Der Angeklagte brach Schlösser auf und klaute zahlreiche teure Räder unter anderem in Forchheim und Hausen. Symbolfoto: Ronald Heck
Der Angeklagte brach Schlösser auf und klaute zahlreiche teure Räder unter anderem in Forchheim und Hausen. Symbolfoto: Ronald Heck

Zweifel bestanden nicht. Weder, als die Polizei dem Täter auf die Spur kam, noch im Gerichtssaal des Amtsgerichts Bamberg, als die einzelnen Taten noch einmal verlesen wurden. "Ich habe Scheiße gebaut, dafür entschuldige ich mich", sagte der 33-jährige Effeltricher am Ende der Verhandlung.

Richterin Magdalena Becker betonte in ihrer Urteilsbegründung, dass die Hauptfrage sei: Bewährung oder nicht. Denn an der Schwere der Taten bestand kein Zweifel. Vor allem im Oktober 2018 hat der Angeklagte zehn bis zu 2000 Euro teure Fahrräder in Forchheim gestohlen, auseinandergebaut und einige neu zusammengesetzt wieder verkauft. So kam ein Gesamtschaden von über 17.000 Euro zustande.

Günstig hingegen wirkte sich jedoch aus, dass der Angeklagte an seiner Schuld selbst keine Zweifel aufkommen ließ. Gleich nach der Verhaftung im Dezember, als er in den Lehrsaal geführt wurde, indem man sein erbeutetes Diebesgut ausgelegt hatte, gestand er die Taten vollumfänglich. Mehr noch, in einer Zigarettenpause während der Vernehmung, so sagte eine Polizistin aus, habe er noch zwei weitere Namen geliefert, aufgrund deren Ermittlungen gestartet wurden.

Staatsanwalt betont die Hartnäckigkeit der Taten

Es stand also von Beginn an die Frage im Raum, wie hoch wird die Strafe sein? Staatsanwalt Felix Stephan forderte ein Jahr und zehn Monate Freiheitsentzug - ohne Bewährung. Zwar sehe er die mildernden Umstände, betonte aber das gewerbsmäßige Ziel der Diebstähle und dass der Angeklagte mit einer gewissen Hartnäckigkeit vorgegangen sei. In vier Fällen verschaffte er sich Zutritt zu abgesperrten Garagen. Wenn die Fahrräder selbst abgesperrt waren, nahm er noch mit, was er konnte. Zudem sei er vorbestraft.

Außerdem konnte Stephan keine günstige Sozialprognose feststellen. Der Angeklagte sei seit etwa vier Jahren arbeitslos und drogenabhängig. Als der Gerichtsvollzieher die Wohnung leer räumte, wurden in der Dunstabzugshaube Spritzen und Betäubungsmittel gefunden. In der Verhandlung sagte der gelernte Kfz-Mechaniker aus, Drogen zu nehmen seit er 16 Jahre alt ist. Zuerst THC, also Cannabis, seit fünf Jahren dann auch Crystal Meth.

Verteidiger spricht von Beschaffungskriminalität

Deswegen sieht sein Verteidiger Andreas Dräger in den Taten eher Beschaffungskriminalität. Der enge zeitliche Zusammenhang der Taten zeuge nicht davon, dass er erneut rückfällig werden würde. "Mein Mandant hat bis auf die Taten nichts falsch gemacht", betonte Dräger die Kooperation mit den Behörden. Nach einer Entlassung könne er bei seiner Großmutter unterkommen, Vater und Schwester seien bei der Verhandlung anwesend, eine familiäre Bindung bestehe also. Einen siebenjährigen Sohn habe er auch.

Er habe eine Ausbildung in einem attraktiven Beruf, in den er zurückkehren könne. Außerdem sitze er seit Dezember in Untersuchungshaft und habe dort einen kalten Entzug gemacht. Die Vorstrafen, von denen unter anderem die Rede war, bezögen sich zwar auf Besitz und Verkauf von Betäubungsmitteln, die Strafe wurde ihm jedoch noch während der damaligen Bewährung erlassen. Die anderen Fälle seien lediglich Schwarzfahren gewesen. Daher bat Dräger um ein mildes Urteil für seinen Mandanten. Man könne ihn mit Bewährungsauflagen durchaus in die richtige Richtung leiten.

Auf der einen Seite stand also der schwere gewerbsmäßige Diebstahl, abgemildert durch die schon geschehene Rückgabe mancher Fahrräder an ihre Besitzer. Hinzu kam die Vorgeschichte des Angeklagten mit Drogen und anderen kleineren Delikten. Auf der anderen Seite seine Reue, die Unterstützung der Polizei und seine Ausbildung, deren mechanische Fertigkeiten er offensichtlich nicht verlernt habe.

Richterin sieht Schwierigkeiten

"Ich sehe hier viele Schwierigkeiten", sagte Richterin Becker im Hinblick auf die Sozialprognose. Vor allem seit dem Arbeitsverlust des Angeklagten sei vieles schief gelaufen. Sie sehe keine Möglichkeit dem jungen Mann noch einmal eine Bewährungsstrafe zu gewähren. Sie blieb mit einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten unter der Forderung von Staatsanwalt Stephan, erließ zudem aber noch eine Geldstrafe von 1200 Euro für die nicht mehr auffindbaren Teile des gestohlenen Diebesguts.

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