Weisendorf
Laufsport

Weisendorfer Hochstraßenlauf wird zum "Hochtemperaturlauf"

2013 kürzten die Organisatoren die Strecke des Hauptlaufs von zehn auf sieben Kilometer. Die 33. Auflage brachte trotz Hitze sogar einen Teilnehmerrekord.
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Vorjahressieger Kamal Umer (Nr. 13), der hier noch vorne liegt, musste später nicht nur Jürgen Wittmann (re.), sondern auch seinen Landsmann Gezachew Beyene (li.) sowie Johannes Schwabe von der TS Herzogenaurach passieren lassen und verpasste das Treppchen.  Fotos: herzopress
Vorjahressieger Kamal Umer (Nr. 13), der hier noch vorne liegt, musste später nicht nur Jürgen Wittmann (re.), sondern auch seinen Landsmann Gezachew Beyene (li.) sowie Johannes Schwabe von der TS Herzogenaurach passieren lassen und verpasste das Treppchen. Fotos: herzopress
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Wenn das Quecksilber an der 30-Grad-Marke kratzt, sollten Läufer aus der Äquatorgegend eigentlich im Vorteil sein. Tatsächlich sah es beim 33. Weisendorfer Hochstraßenlauf lange so aus, als würden Kamal Mohammed Umer und Gezachew Kene Beyene von der LG Erlangen ihren äthiopischen Doppelerfolg aus dem Vorjahr beim Hauptlauf wiederholen. Doch Jürgen Wittmann vom LAC Quelle Fürth, der die Temperaturen der nördlichen Breitengrade gewohnt und deutlich älter als die beiden Afrikaner ist (Jahrgang 1978), zog zu einem Schlussspurt an, der ihm nach zehn Kilometern in 35:19 Minuten einen Sieg mit fast einer Minute Vorsprung auf Beyene (1985) bescherte.


Toni Graham schnellste Frau

2017-Gewinner Umar (1996) wurde sogar noch von Johannes Schwabe (TS Herzogenaurach) abgefangen und rutschte aus den Medaillenrängen. Die zehn Kilometer der Frauen entschied die vereinslose Toni Graham in 45:44 Minuten vor Gerlinde Wahl vom TSV Neuhaus (51:55) und Susanne Zeiger (52:49) für sich. "Die Temperaturen waren grenzwertig", sagt Mitorganisator Günter Rath. "Aber nicht so schlimm wie 2013. Damals haben wir den Hauptlauf auf sieben Kilometer verkürzt", erinnert sich der Vorsitzende des ausrichtenden Heimatvereins.

Das nicht optimale Lauf-Wetter bescherte den Weisendorfern dennoch eine Rekordbeteiligung. 204 Sportler gingen auf den verschiedenen Strecken an den Start (Vorjahr 160). Angemeldet waren sogar 234. "Die Anmeldung und Nachmeldungen vor Ort haben heuer deutlich besser funktioniert", erklärt Rath. Zudem gab der Heimatverein erstmals personalisierte Startnummern aus, die es der Moderatorin Brigitte Bärnreuther erleichterten, die Teilnehmer mit persönlicher Ansprache im Ziel zu begrüßen.

Während der Hobby- und Jugendlauf über 4,5 Kilometer lediglich von 16 Erwachsenen und drei Jugendlichen wahrgenommen wurde, erfreuten sich Schüler- und Bambinilauf großer Beliebtheit. Um die Zukunft braucht den Machern des Hochstraßenlaufs wohl nicht bange zu sein. "Allein die Grundschule Weisendorf war mit 60 Kindern vertreten", lobt Rath. Unter den 25 weiblichen Startern des 1,5 Kilometer langen Schülerlaufs waren alle bis auf eine von der örtlichen Grundschule.


Freudenberger hat die Nase vorn

Erste Plätze trugen Tim Freudenberger und Sina Hertlein (U12), Bennet Schall und Ella Schuhmann (U10) sowie Janik Miksch und Elise Schall (U8) davon. Den Hobbylauf gewannen Sebastian Zwosta (LAC Quelle Fürth, 18:11) und Nicole Hagen (TSV Neuhaus, 21:25), wobei Nico Hertlein als Jugendlicher (Jahrgang 2006) mit einer Zeit von 19:45 Minuten aufhorchen ließ und in der Gesamtwertung hinter Zwosta und Catalin Cristea (19:37) auf dem Bronzerang gelandet wäre.

Auch bei den Nordic-Walkern tauchte der Name Hertlein auf: Der für den OGV Weisendorf startende Großvater von Nico, Erwin Hertlein, reihte sich hinter Leon Terentiv vom FSV Großenseebach als Zweiter ein. Damit verdrängte der Walking-Sieger der Jahre 2012, 2014 und 2015 den Gewinner der vergangenen beiden Veranstaltungen wieder vom Thron. Schnellste Frau in dieser Disziplin war Karin Broska vom SV Puschendorf.

Neben den Ostafrikanern im Hauptlauf sorgten Läufer aus 13 verschiedenen Ländern für Internationalität in Weisendorf. "Sport verbindet eben", freut sich Rath, der das bunte Teilnehmerfeld hauptsächlich auf Mitarbeiter der Großkonzerne in Erlangen und Herzogenaurach zurückführt.


Hitze und Rauchzeichen vernebeln Querläufer Jochen Brosig die Sinne

Die Sonnenstrahlen brennen auf meinem Rücken. Startschuss beim 33. Hochstraßenlauf in Weisendorf. Meine Sohlen kleben auf dem heißen Asphalt. Ich komme nicht von der Stelle. Dieses Jahr haben wir Sommer satt. Die Wasserflasche über den Kopf gekippt, dann biegen wir ab in den Wald. Kühlender Schatten. Zusammen laufen wir dem Ziel entgegen. Genau, zusammen. Zusammen sind wir "Kroos", hieß es noch vor ein paar Tagen. Dann kam Südkorea. Ein besonderer Sommer sollte es werden - vier Wochen WM. Maskottchen Zabivaka grüßt aus Russland. Die Mission hieß Titelverteidigung. Deutschland vor! Und wir auf der La Ola der Begeisterung und Glückseligkeit. Doch es kam anders. Ganz anders.

Wir laufen über Wurzeln den Anstieg zur Hochstraße. Die Veranstaltung ist eine von vielen an diesem Samstag. Event, wie man heutzutage sagt. Jedes Dorf sucht das Besondere, das Einzigartige und stilisiert es zum Festival hoch. Mühlentage, Spargelwochen, Karpfenfest und Gartenzauber. Die Feuerwehr oder der Backofenverein laden zum Grillfest. Dorf- und Altstadfeste zu Hauf. Auf der Strecke sind bei diesen Temperaturen nur noch die ganz Harten unterwegs. Die andern sitzen zu Hause auf der Couch oder sind bei einer der vielen Festivitäten.

Während wir durch den Wald und über die Wurzeln laufen, ist bestimmt irgendwo ein Mittelalterfest. Dort wird dann Flachs gehaspelt und Dinkelbrot verscherbelt. Daneben ein Ausschank vom naturtrübem Klosterbier oder Zwetschgenbrand Marke Eigenbau. Dazu spielt eine Laiengruppe auf der Schalmei. Vorsicht! Um halb 4 vor dem Nachmittagsspiel sollte Schluss sein. Für unsere Mannschaft ist das WM-Fieber vorbei. Weder die Bundeskanzlerin noch die Gesundheitsministerin denken über ein Eingreifen nach. Da hilft auch kein Impfstoff. Wir sind raus.

Der Hochstraßenlauf startet und endet am Weisendorfer Heimatmuseum. Hier gibt es keinen Videobeweis. Der Zieleinlauf ist eindeutig. Kein falscher Pfiff des Schiedsrichters. Elfmeter? Stattdessen Anfeuerungsrufe. Kein falscher Wink des Linienrichters mit der Fahne. Abseits? Hier klatschen die Zuschauer. Keine Schreie der wütenden Fans. Foul? Hier geht es fair zur Sache. Tröten, Hupen und Pfeifen. Schritte trippeln über den Asphalt. Kein Extrem-Couch-Sitting vor der Glotze. Nur die Bewegung an der frischen Luft.

Auf dem Rückweg durch Reuth bläst uns eine leichte Sommerbrise entgegen. Die typische Mischung aus Holzkohle und Spiritus. Die Rauchzeichen der Grillindianer. All überall Geselchtes und Geschmortes. Der eine wird gegrillt, der andere grillt sich selber. Ich dachte, der Sommer ist die Zeit des schönen und kultivierten Genießens. Früchte und Salate warten an den Marktständen zum Verzehr. Das Torgeschrei aus den Gärten bleibt aus. Unser Team ist längst zu Hause. Italien war erst gar nicht dabei. Der Querläufer setzt an zum Zielspurt. Schon sind wir im Finish. Danach ein bisschen Quatschen. Ein Weizen und ein paar Bratwürste gehen immer. Der Weisendorfer Heimatverein hat wieder alles prima organisiert.

Grillwürste gehören auch zum "Public Viewing", wie der Ball zum Spiel. Ganz ohne WM geht es dann doch nicht. Am Montag um 20 Uhr wird das Abendspiel geschaut. Belgien gegen Japan. Die Deutschlandfahne wird um 90 Grad gedreht. Da lassen sich die Fanartikel doch noch verwenden. Ich bin auf jeden Fall für Belgien.

Run happy and smile!
Euer Querläufer


Ergebnisse des 33. Hochstraßenlaufs


HAUPTLAUF (10 km)
Männer: 1. Jürgen Wittmann (LAC Quelle Fürth) 35:19 Minuten, 2. Gezachew Beyene (LG Erlangen) 36:07, 3. Johannes Schwabe (TS Herzogenaurach) 36:18, 4. Kamal Umer (LG Erlangen) 37:33, 5. Steffen Gertscher (LG Erlangen) 37:48, 6. Swen Sundberg (Brehm-Titan-Runners) 38:11, 7. Maxime Petit 38:45, 8. Moritz Höllmüller 39:58, 10 Martin Wittmann (Brehm-Titan-Runners) 40:19
Frauen: 1. Toni Graham 45:44, 2. Gerlinde Wahl (TSV Neuhaus) 51:55, 3. Susanne Zeiger 52:49, 4. Pimploy Rosin (FSV Großenseebach) 53:36, 5. Elisabeth Beer (FSV Großenseebach) 54:30

HOBBYLAUF (4,5 km)
Männer: 1. Sebastian Zwosta (LAC Quelle Fürth) 18:11, 2. Catalin Cristea 19:37, 3. Jose da Silva Filho 21:38
Frauen: 1. Nicole Hagen (TSV Neuhaus) 21:25, 2. Tanja Kröner (TSV Höchstadt) 23:19, 3. Heike Kohl 23:57

SCHÜLERLAUF (1,5 km)
Jungen, U12: 1. Tim Freudenberger (LSC Höchstadt) 5:32, 2. Veit Häßler (TB Erlangen) 5:52, 3. Ayas Arafat (Grundschule Weisendorf) / U10: 1. Bennet Schall (GS Weisendorf) 6:25, 2. Louis Snazel (Hammerbacher SV) 6:25, 3. Jakob Körner (GS Weisendorf) 6:26 / U8: 1. Janik Miksch 6:27, 2. Nicolas Bernecker 7:26, 3. Yannik Hillbrand (alle GS Weisendorf) 9:49
Mädchen, U12: 1. Sina Hertlein 6:38, 2. Miriam Hiller 7:17, 3. Anke Barnd (alle GS Weisendorf) 7:59 / U10: 1. Ella Schuhmann 7:28, Johanna Bräuer 8:06, Rina Selmani (alle GS Weisendorf) 8:35 / U8: 1. Elise Schall 8:42, 2. Julia Stecher 10:19, 3. Asha Karinti (alle GS Weisendorf) 10:22

WALKING (7,5 km)
Männer: 1. Leon Terentiv (FSV Großenseebach) 50:25, 2. Erwin Hertlein (OGV Weisendorf) 50:42, 3. Dieter Schiefer (OGV Weisendorf) 52:47 / Frauen: 1. Karin Broska (SV Puschendorf) 56:42, 2. Katja Nölp 56:59, 3. Gisela Munk 59:27
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