Coburg
Stadtrat

Generalsanierung des Landestheaters: Der Meilenstein ist endlich gesetzt

Die Generalsanierung des Landestheaters kann nach der Zustimmung zur Finanzierungsvereinbarung jetzt im Detail geplant werden.
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Zwar ist immer noch nicht klar, wohin die Umzugswagen in zwei Jahren fahren werden. Doch ist gestern immerhin die Generalsanierung grundsätzlich in Gang gesetzt worden.  Foto: Jochen Berger
Zwar ist immer noch nicht klar, wohin die Umzugswagen in zwei Jahren fahren werden. Doch ist gestern immerhin die Generalsanierung grundsätzlich in Gang gesetzt worden. Foto: Jochen Berger
Es war sozusagen die Generaldebatte des Stadtrates, die am Dienstag in Sondersitzung endlich den Startpunkt für die mittlerweile äußerst dringliche Generalsanierung des Landestheaters markierte. Im nichtöffentlichen Teil stimmte der Stadtrat dann der nach langen Jahren schwieriger Verhandlungen jetzt vorliegenden grundsätzlichen Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern zu.
Demnach übernimmt, wie das Tageblatt bereits berichtete, der Freistaat als Eigentümer des Landestheaters 75 Prozent der gegenwärtig auf 64 Millionen Euro veranschlagten Sanierungs- und Erweiterungskosten, einschließlich dem Aufwand für die Errichtung einer Interimsspielstätte.
Damit kann das staatliche Bauamt Bamberg als Projektleiter jetzt in die eigentliche Detailplanung, Vorlage für den Haushaltsausschuss des Landtages, Ausschreibung und Abwicklung gehen, wie sie gestern von Jürgen König vorgestellt wurde. Auszugehen ist von etwa sechs Jahren Planungs- und Bauzeit für diese umfangreichste Maßnahme in der Geschichte des 1840 eröffneten Musentempels. "Sie müssen natürlich mit Ihrer Interimsplanung jetzt ein bisschen schneller sein", warf König, sich der Süffisanz wohl gar nicht bewusst, ein.
Die ist - siehe Artikel unten - nach wie vor offen, obwohl die Betriebsgenehmigung für das längst nicht mehr in gesetzeskonformem Zustand befindliche Gebäude Ende 2018 ausläuft.


Nicht mehr gesetzeskonform

Sowohl Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), als auch Landestheater-Intendant Bodo Busse hatten eingangs eindrücklich den mittlerweile beklagenswerten Zustand des Landestheaters und die Bedeutung der umfangreichen Maßnahme für die Stadt Coburg wie für die gesamte Region deutlich gemacht. "Über 550 Vorstellungen im Jahr bei 33 Neuproduktionen bedeuten eben einen großen Verschleiß", so Busse, ganz abgesehen von dem großen Wasserschaden 2013. Zudem hätten sich die Publikumserwartungen, die technischen und sozialen Standards seit der Zeit von Ernst II. doch gravierend verändert. Weshalb auch OB Tessmer auf die Notwendigkeit der Erweiterungsbauten - das zu sanierende Kyrill-Palais plus anschließender Neubauten - verwies. OB Tessmer: "Die geplanten Flächenerweiterungen sind keineswegs dem Expansionsdrang des Landestheaters geschuldet."
Die Stadträte Peter Kammerscheid und Jürgen Heeb (beide Pro Coburg), sowie Klaus Klumpers (ÖDP) setzten sich kritisch mit den zu erwartenden Kosten und möglichen Kostensteigerungen auseinander. Kammerscheid bemängelte, dass die Stadträte bisher keineswegs ausreichend informiert worden seien, was OB Tessmer zurückwies. Man habe auch keine Vorstellung von den Erweiterungsplanungen Richtung Kyrill-Palais (derzeit noch städtisches Kinderhaus). Mit einer unterirdischen Direktverbindung dorthin sei aber ja wohl jegliche Planung für eine Schlossplatz-Tiefgarage an dieser Stelle dahin.


Und wenn alles noch teurer wird?

Jürgen König vom Staatlichen Hochbauamt sah sich mehrfach gezwungen, die Vorgehensweise staatlicher Planung und Ausführung zu erläutern. Zunächst musste ein Kostenrahmen abgesteckt werden mit Hilfe von vorliegenden Standard- und Vergleichswerten, bevor man überhaupt eine Marschrichtung habe finden können und zu einer Einigung mit dem Freistaat kommen konnte.
Petra Schneider (SPD) stellte klar, dass noch gar keine Detailplanung vorliegen kann. Die müsse ja erst, wenn Zustimmung vorliege, von externen Büros geleistet werden. Im eigentlichen Planungsverfahren, das selbstverständlich in Absprache mit dem Landestheater und der Stadt Coburg erfolge, so König, hätten sowohl das Hochbauamt, als auch der nach Bedarf zu informierende Stadtrat Gelegenheit zur Mitsprache und zum Einspruch, sollten sich die bisherigen Kostenvorstellungen als nicht realistisch herausstellen.
Zum Abschluss der öffentlichen Sitzung sprachen sich die Fraktionsvorsitzenden Jürgen Oehm (CSU) und Bettina Lesch-Lasaridis (SPD) sowie Gerhard Amend (CSB) für ein klares Votum zugunsten der Finanzierungsvereinbarung aus. Dem Freistaat sei doch zu danken, dass er sich so großzügig an dieser für Coburg entscheidenden Maßnahme beteiligt, so Oehm. Und Bettina Lesch-Lasaridis rief: "Wir warten seit Jahren auf diesen Moment. Jetzt erlebe ich jede Menge Bedenkenträger. Wir können die Kosten jetzt nicht endgültig beziffern. Wir müssen aber jetzt loslegen."

Im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung verweigerten dann die Stadträte René Hähnlein und Mathias Langbein (Fraktion Sozial und bürgernah für Coburg) - wie sie selbst dem Tageblatt mitteilten - ihre Zustimmung, weil sie die Kosten der Sanierung und vor allem den Bau einer Interimsspielstätte für zu kostenintensiv halten.



Stimmen zur Generalsanierung des Landestheaters



Kunstminister Ludwig Spaenle und Finanzminister Markus Söder bewerten die nun beschlossene Finanzierungsvereinbarung als Meilenstein zur Generalsanierung des Landestheaters. "Wir wollen das Landestheater Coburg in seinem alten Glanz neu erstrahlen lassen und auf Höhe der heutigen Anforderungen für die Zukunft wappnen", so Spaenle.

Gerhard Amend (CSB) "Die Leute warten darauf, dass der Stadtrat Coburg jetzt endlich zu einer Entscheidung kommt."

Bettina Lesch-Lasaridis (SPD) "Es will doch keiner, dass wir noch mal grundsätzlich diskutieren. Wir müssen ein klares Votum setzen."

Friedrich Herdan (CSU) "Wir brauchen ein Kostencontrolling, das dem Freistaat und der Stadt veranwortlich ist."

Hans-Heinrich Ulmann (CSB) "Sichert endlich den Fortbestand des Landestheaters. Es muss jetzt mit allem Nachdruck voran gehen."

Peter Kammerscheid (Pro Coburg): "Ich erbitte Einblick in die beabsichtigte Planung."

Martina Benzel-Weyh (Grüne) "Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Wird sind sehr froh, dass der Freistaat in diesem Maße in das Landestheater investiert."

Jürgen Oehm (CSU): Die Vereinbarung dient doch dazu, dass die Detailplanungen überhaupt in Gang kommt."

OB Norbert Tessmer (SPD): Über die Flächenerweiterung des Landestheaters haben wir x-mal gesprochen. Eines geht gar nicht: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass."






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