Coburg
Podiumsdiskussion

Freiraum für eigene Ideen lassen

Der Rahmenplan für das Areal am Güterbahnhof steht. Wie man das Potenzial des sechs Hektar großen Geländes möglichst effektiv ausschöpfen kann, darüber sprachen am Dienstagabend Vertreter von Politik und (Kreativ-)Wirtschaft.
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Runde 1 diskutierte über die Potenziale von Gründerzentren (von links): Jürgen Enninger, Andrea Glaser, Jörg Lennardt, Andrea Niedzela-Schmutte und Christoph Pfaff.  Fotos: Ulrike Nauer
Runde 1 diskutierte über die Potenziale von Gründerzentren (von links): Jürgen Enninger, Andrea Glaser, Jörg Lennardt, Andrea Niedzela-Schmutte und Christoph Pfaff. Fotos: Ulrike Nauer
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Geduld, Geld und nicht zu viele starre Vorgaben und Regeln, damit eigenen Ideen genug Raum bleibt - auf diese drei Eckpunkte ließen sich die Vorschläge und Erfahrungen zusammenfassen, die die Vertreter aus Politik und (Kreativ-)Wirtschaft bei der Podiumsdiskussion zur Entwicklung des Güterbahnhofs am Dienstagabend sammelten. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) der Stadt Coburg und die Designwerkstatt Coburg hatten zu dem Abend eingeladen - einerseits um die Potenziale des Sechs-Hektar-Areals im Coburger Süden abzuklopfen, andererseits auch, um zu hören, welche Erfahrungen man andernorts mit der Verknüpfung von Kreativität und Produktion und insbesondere der Arbeit von Gründerzentren gemacht hat. All das soll auch am Coburger Güterbahnhof entstehen.

"Aufbau kostet Geld"

Die erste Diskussionsrunde bestritten fünf Experten, die zum Teil schon viele Jahre in diesen Bereichen tätig sind (siehe unten). Darüber, dass gut geführte Gründerzentren wahre "Perlen" für Städte und Regionen sein können, waren sich alle einig. "Leider", so musste Unternehmensberater Jörg Lennardt immer wieder feststellen, "wird das oft nicht gut gemacht". Viele Gründerzentren seien nicht angekommen, weil die Politik nicht verstanden habe, was dahinterstecke und dass der Aufbau Geld koste.

Das Vorbild USA, wo viele Technologiezentren rund um Hochschulen angesiedelt seien, zeige aber, dass diese Verbindung ideal sei. "Wer eine Hochschule in seiner Stadt hat, hat einen großen Vorteil. Das sind Magnete für junge Leute." Wenn es gelinge, nach dem Studium mehr Studenten in der Stadt zu halten als wieder zu verlieren, sei das auch ein großes Plus für die demografische Entwicklung. Gründerzentren könnten dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.

Solche Zentren funktionierten allerdings nur dann effektiv, wenn beide Seiten ihre Aufgaben erfüllten. Die Zentren müssten Überzeugungsarbeit bei den Kommunalpolitikern leisten, Netzwerke pflegen und dann auch Erfolge entsprechend vermarkten, zählte Andrea Glaser auf. Für Unternehmensgründer zähle dagegen auch, sich eine gewisse Wertschätzung zu erarbeiten und Ideen "sichtbar" zu machen, wie Jürgen Enninger betonte. Außerdem brauchen die Unternehmensgründer ebenfalls Netzwerke, niederschwellige Ansprechpartner, die sie in allen Lebenslagen beraten können, und vor allem günstigen Raum, um überhaupt arbeiten zu können.

Geteilte Meinung

Auch wenn sich dieser Forderung nicht alle Diskussionsteilnehmer anschließen konnten (Lennardt: "Das Gebäude hat nur Leuchtturmfunktion. Das Management ist das A und O.") , kann die Stadt Coburg genau das auf ihrem Güterbahnhof-Areal anbieten: genügend Raum. Sechs Hektar stehen zur Verfügung. Wie diese bebaut und Richtung Innenstadt erschlossen werden könnten, hatte Stadtplaner Martin Schirmer im März ausführlich dem Stadtrat vorgestellt. Im Wesentlichen stellt sich Schirmer ein "lebendiges Stadtgebiet" statt eines "banalen Gewerbegebiets" vor. Seinen Rahmenplan habe er aber bewusst nicht konkretisiert, um möglichst viel Freiraum zu lassen.

Sechs Hektar höre sich nach einer großen Fläche an, sei aber gar nicht mehr so viel, wenn ein guter Teil für Verkehr und Parkplätze benötigt werde, merkte IHK-Präsident Friedrich Herdan in der zweiten Gesprächsrunde an. Außerdem mahnte er, bei aller Euphorie, alte Fehler nicht zu wiederholen: "Der Coburger Süden war sehr elitär, deshalb sind wir damals auf diesen Plänen sitzengeblieben."

Verzahnung und Kultur

Die Coburger Firma Ros hat sich bereits für das Gelände entschieden und will dort spätestens 2017 die Produktion aufnehmen, wie Geschäftsführer Steffen Tetzlaff berichtete. Er wünsche sich in der Nachbarschaft vor allem eine enge Verzahnung mit anderem produzierenden Gewerbe - zum Beispiel eine Firma, die 3D-Druck anbietet. "Wir suchen händeringend jemanden, der schnell Prototypen herstellen kann." Daneben brauche es auch Parkplätze und - für Tetzlaff ganz wichtig - kulturelle Angebote. Schließlich solle die Umgebung auch für diejenigen ansprechend gestaltet sein, die dort täglich arbeiteten.

Ähnlich, wenn auch von einem anderen Standpunkt aus, sieht es Mario Tvrtkovic, der als Professor der Hochschule Coburg schon in den Gestaltungswettbewerb involviert war. Der Güterbahnhof sei aus dem Bewusstsein der Coburger gerückt. "Ihn jetzt wieder zurückzuholen, das ist die große Herausforderung."

Auf dem Podium

Runde 1

Andrea Glaser Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren
Jörg Lennardt Geschäftsführender Gesellschafter der Firma ExperConsult Wirtschaftsförderung & Investitionen
Christoph Pfaff und Andrea Niedzela-Schmutte Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
Jürgen Enninger Leitung Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München

Runde 2

Norbert Tessmer Oberbürgermeister Stadt Coburg
Friedrich Herdan IHK
Stephan Horn Geschäftsführer der Wifög
Steffen Tetzlaff Geschäftsführer der Ros GmbH Coburg

Runde 3

Martin Schirmer Stadtplaner
Mario Tvrtkovic Professor für Städtebau und Entwerfen an der Hochschule Coburg


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