Scheßlitz

Sogar der Klimawandel wird in Scheßlitz berücksichtigt

An alles wurde gedacht bei der ersten Erweiterung des neuen Gewerbegebiets "Brandäcker Süd" in Scheßlitz. Alle Beschlüsse dazu wurden einstimmig gefasst.
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Blick aus Richtung Bamberg auf das neue Gewerbegebiet "Brandäcker Süd", das erweitert wird. Foto: Udo Billen
Blick aus Richtung Bamberg auf das neue Gewerbegebiet "Brandäcker Süd", das erweitert wird. Foto: Udo Billen
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Bürgermeister Roland Kauper (CSU) war voll des Lobes und die Stadträte trauten ihren Ohren bei der jüngsten Ratssitzung am vergangenen Dienstag kaum: Jörg Meier von der Ingenieuraktiengesellschaft Höhnen und Partner, Bamberg, konnte an diesem Abend ein ganzes Füllhorn an Maßnahmen und Vorkehrungen für die erste Erweiterung des neuen Gewerbegebietes vor ihnen ausschütten. Es lag schon fast so etwas wie vorweihnachtliche Stimmung in der Luft, als er für Scheßlitz "etwas", " noch etwas" und "noch etwas" und "dann noch etwas" oben draufpackte.

Wie es dazu kam

Nach dem Beschluss zur Erweiterung des Gewerbegebiets "Brandäcker Süd" zu Beginn des Jahres kam durch zusätzliche Interessenten die Frage auf, warum das Gebiet nicht gleich bis zur erlaubten ausweisbaren Fläche vor der Hochspannung ausgedehnt werden könne? Nachfragen bei den Grundstücksbesitzern ergaben Zustimmung, mit Ausnahme eines kleinen Zipfels im unteren südwestlichen Teil, direkt vor der Hochspannung.

Noch letzte Woche gab es laut Bürgermeister Kauper "zwei weitere Anfragen von größeren Firmen". Er ergänzte, "dass es nicht nur die Automobilindustrie gibt, die zur Zeit etwas hustet, sondern auch andere, die gebraucht werden und nach Flächen suchen". Aber auch unter dem Aspekt nicht genutzter städtebaulicher Fläche wäre es schade, die entstandene Lücke nicht zu nutzen, wie Jörg Meier meinte. Da dafür aber die geplante Zufahrt des Areals allein über die Straße Brandäcker nicht ausreicht, ergab die Nachfrage beim Straßenverkehrsamt, dass einer weiteren Zufahrt über die Staatsstraße nichts im Wege stehen würde. Im Gegenteil, es wurde sogar noch eine Aufweitung der Staatsstraße um eine Linksabbiegerspur aus Richtung Bamberg signalisiert.

Keine neue Begrünung nötig

Und durch die zusätzliche Erweiterung des Gewerbegebiets könnte auch die jetzige Ortsrandbegrünung beibehalten werden, und es wäre keine neue Begrünung notwendig. So könnten die Kosten dafür und auch für neue Vermessungsarbeiten eingespart werden.

Eine zweite potenzielle Hürde konnte man ebenfalls aus dem Weg räumen: die zunehmende Bebauung und Versiegelung von Flächen. Hier gelang es in Zusammenarbeit mit der Stadt sogar, diesmal nicht eine neue Ausgleichsfläche schaffen und ausweisen zu müssen, sondern eine bereits als Gewerbegebiet ausgewiesene Fläche in Wiesengiech wieder zur landwirtschaftlichen Fläche zurückzuführen. Auf den Einwand, dass es für Wiesengiech schon einen Interessenten für die gewerbliche Ansiedlung gebe, kam die Antwort von Kauper, dass sich die geplante Werkstatt unterhalb der zum Tausch vorgesehenen Fläche befinde.

Da in dem Bereich des Tauschgeländes Leitungen verlaufen, wäre die Nutzung für Gewerbezwecke sowieso erschwert. Das betreffende Gebiet ist sogar noch größer als die jetzt vorgesehene Erweiterung in Scheßlitz, was sich für die Stadt darüber hinaus als Verbesserung der Flächenbilanz erweist.

In der vorgestellten Erweiterung in Scheßlitz sind alle Nebenflächen der künftigen Bebauung versickerfähig anzulegen. Für notwendige Parkflächen müssen die künftig dort ansässigen Firmen selbst sorgen. Das schließt auch gegebenenfalls eine gemäßigte Parkflächenbebauung "in die Höhe" ein, wie es am Abend hieß.

Früheres Hindernis als Glücksfall

Ein ursprünglich als Einschränkung empfundenes Hindernis des gesamten neuen Gewerbegebietes, nämlich der "Gänsweggraben" mit seinen natürlichen Überschwemmungsflächen, stellt sich nach einem aktuellen Gutachten nun sogar als Glücksfall dar: Die Untersuchung zum Thema "Hochwasserschutz" wurde von der Verwaltung in Auftrag gegeben. Durch die Nutzung der Senke im vorderen Auslauf des Grabens kann ein natürliches Rückhaltebecken des Wassers und damit ein Feuchtbiotop geschaffen werden. Durch die Anbindung eines schräg gegenüberliegenden Feuchtbiotops, das bisher wirkungslos, weil immer trocken war, kann sich bei Starkregen das Wasser bei Bedarf sogar bis dorthin ausdehnen. So kann die Fläche ihren ursprünglichen Zweck endgültig erfüllen. Gedrosselt kann dann das Niederschlagswasser über den weiteren Verlauf des Gänsweggrabens abfließen. Auf Grund dieser Planung können sogar noch Niederschläge auf zusätzliche Flächen, die vorher durch Hochwassergefahr nicht nutzbar gewesen wären, ebenfalls in die Senke abgeleitet werden. Die jetzt vorliegende Lösung ist auch schon mit dem Wasserwirtschaftamt abgestimmt worden.

Die Planung soll bereits in diesem frühen Stadium regeln, welche Arten von Gewerbe in dem Gebiet nicht zulässig sein sollen. Einig waren sich alle, dass bei der Lage des Gewerbegebietes im Süden von Scheßlitz eine weitere Zunahme des innerörtlichen Durchgangsverkehrs von und zur Autobahn vermieden werden soll. Aus dem Grund soll die gewerbliche Nutzung mit erheblicher Verkehrsbelastung ausgeschlossen werden. Das betrifft insbesondere Logistikunternehmen, aber auch Beherbergungsbetriebe, Vergnügungs- und Speisegaststätten sowie Tankstellen. Es sollen hier aber auch keine Betriebswohnungen zugelassen werden. Um von vorneherein klare Verhältnisse zu schaffen und Aufweichungen sowie Ausnahmen zu unterbinden, soll das Gelände als reines Gewerbegebiet ausgewiesen werden.

Beitrag zum Artenschutz

Ebenfalls will man mit "kleinen Stellschrauben", wie Meier es nannte, auf den Klimawandel eingehen sowie zum Artenschutz beitragen. Dazu gehören neben der Nutzung regenerativer Energie eine vorgeschriebene Fassadenbegrünung, bienenfreundliche Pflanzgehölze sowie der Ausschluss von Schotterflächen.

Kein Wunder also, dass nach so viel guter Vorarbeit sämtliche Beschlüsse zum Thema "Brandäcker Süd, erste Erweiterung" (Aufstellung, Billigung und Auslegung) sowie zur frühzeitigen Behörden- und Trägerbeteiligung einstimmig gefasst wurden.

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