Bamberg

Mörderische Lesewelt: So gefährlich lebt es sich im Frankenland

Bayern ist das zweitgefährlichste Bundesland Deutschlands. Zumindest, was Morde in regionalen Krimis betrifft. Die Internet-Community "Büchertreff" hat nun eine interaktive Karte mit den blutrünstigen Schauplätzen der Region erstellt.
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Zahlreiche Verbrecher suchen Franken heim - beinahe täglich. Doch keine Angst: Diese Nachricht bezieht sich alleine auf die Literaturwelt. Regionalkrimis werden immer beliebter - auch aus unserer Region. Clker-Free-Vector-Images
Zahlreiche Verbrecher suchen Franken heim - beinahe täglich. Doch keine Angst: Diese Nachricht bezieht sich alleine auf die Literaturwelt. Regionalkrimis werden immer beliebter - auch aus unserer Region. Clker-Free-Vector-Images
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Sie jagen Serienkiller auf fränkischen Volksfesten, fahnden eifrig nach den Mördern getöteter Flusskreuzfahrer und klären Sprengstoffanschläge im Herzen der Metropolregion auf. Vom Itzgrund über die Weinregionen Mainfrankens bis hinein ins Nürnberger Land tummeln sich etliche Ermittler an Hunderten Tatorten - zumindest im Fiktiven. Deutschlandweit werden sogenannte Regionalkrimis immer beliebter.

Alleine bayerische Bücherfreunde können in fast 650 Krimis schmökern. Dies zeigt eine interaktive Karte von den Betreibern der Literatur-Community www.buechertreff.de. Portal-Gründer Mario Kreuzer und sein Team haben mehr als zehn Jahre daran gearbeitet, belletristische Verbrechen aus vielen Regionen der Republik zu sammeln - auch mit Hinweisen von Lesern. Zusammengekommen sind 3800 Lokalkrimis mit 700 Ermittlern aus mehr als 200 Regionen des Landes. "Die Sammlung haben wir in den letzten Monaten dann fit für die Darstellung in unserer "Deutschlandkarte des Verbrechens" gemacht", erklärt Kreuzer.

Bayern am "zweitgefährlichsten"

Im bundesweiten Vergleich läuft dem Freistaat übrigens nur Nordrhein-Westfalen seinen Rang als "gefährlichstes" Bundesland ab. Mord und Totschlag im fränkischen Idyll? Wenn es nach heimischen Schriftstellern geht, ist mächtig was los. Und zwar nicht nur in Nürnberg, das es deutschlandweit sogar in die Top 10 schafft. Auch beschauliche Orte wie Würzburg, Bamberg, Erlangen, Kulmbach, Coburg und Bad Staffelstein sind bereits blutrünstig in Erscheinung getreten. Wie kommt's?

"Ein Viertel des Umsatzes in der Belletristik wird mit Spannungstiteln gemacht", meldet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels für das Jahr 2017. Der Siegeszug des Kriminalromans dauert aber schon viel länger an. "Das Genre funktioniert schon seit 200 Jahren", sagt die Literaturwissenschaftlerin Simone Ketterl. Das Besondere an den regionalisierten Geschichten ist es, dass sich die Leute in den Figuren teils wiedererkennen. Und: "In einer Zeit der Digitalisierung und Globalisierung gibt es wieder verstärkt eine Sehnsucht nach Vertrautem und Regionalem - auch in der Literatur", so Ketterl.

Das erklärt, warum Regionalkrimis seit etwa 20 Jahren immer beliebter werden. In der Regel sind die Titel als Serien angelegt. Der aktivste Ermittler Frankens heißt Erich Rottmann und ist 2003 der Feder des Würzburger Schriftstellers Günter Huth entsprungen. Er sieht die Stadt als Kulisse, mit der sich seine Fans identifizieren. Ihn erreichen häufig Anfragen, Straßen und Personen aufzunehmen. Bei allem Lokalkolorit bleibt Spannung für die Leser wichtig. "Eine Region ist die Leinwand, Verbrechen und Ermittlungen müssen aber sein", sagt Friederike Schmöe, Schöpferin der Bamberger Detektivin Katinka Palfy.

Fans haben meist lokalen Bezug

Leute, die generell auf alle Regionalkrimis stehen, gibt es eher selten. "Meistens haben meine Leser irgendeinen Bezug zum Ort des Geschehens", sagt der Nürnberger Jan Beinßen. Den heimatlichen Bezug schätzen übrigens nicht nur die Fans seiner Paul Flemming-Romane. "Die Recherche für meine Bücher gestaltet sich leichter, wenn ich vor Ort agieren kann", sagt Beinßen. Auch wenn dies bedeutet, dass Leser selbst kleinste Ungenauigkeiten wie eine falsche Straßenbahnhaltestelle sofort durchschauen.

Verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, was die Zukunft des Lesens betrifft. Büchertreff-Gründer Mario Kreuzer gibt Entwarnung: "Lesen als Hobby ist noch immer da und wird auch so schnell nicht verschwinden." Ihren Anteil daran haben Ohne Zweifel auch die zahlreichen Roman-Kriminologen aus Franken und dem Rest der Welt.

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