Bamberg
Nachruf

Ex-Chefredakteur Hännl ist gestorben

Siegfried Hännl war ein Journalist aus Leidenschaft. Er hat über zwölf Jahre lang das Gesicht und die Linie des Fränkischen Tags geprägt.
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Siegfried Hännl, der ehemalige Chefredakteur des FT  Foto: R. Rinklef/Archiv
Siegfried Hännl, der ehemalige Chefredakteur des FT Foto: R. Rinklef/Archiv
Er hat über zwölf Jahre lang das Gesicht und die Linie dieser Zeitung geprägt. Er war zugleich weltgewandt wie auch heimatverbunden und hat die Redaktion durch die schwierige Phase des medialen Wandels geführt. Am Donnerstag voriger Woche ist Siegfried Hännl, der von 1994 bis 2006 Chefredakteur des Fränkischen Tages war, völlig überraschend gestorben, vermutlich an den Folgen eines Herzinfarkts. Das teilte Hännls Ehefrau Ingrid am Montag mit. Hännl wurde 69 Jahre alt.

Siegfried Hännl war ein Journalist aus Leidenschaft, der die Nähe zu den Menschen suchte - sowohl jener, über die er schrieb, wie auch von denen, für die er schrieb. Er war überzeugt vom Konzept der regionalen und lokalen Tageszeitung. "Ganz nah dran" sein sollte die Zeitung an ihren Lesern: Sie erklärt die Zusammenhänge der großen Politik ebenso wie sie aus dem unmittelbaren Umfeld berichtet. Das Lokale war für Hännl keineswegs provinziell, sondern vielmehr der Ort, an dem das wahre Leben tobt.

Dabei kam der aus Selb-Plößberg im Fichtelgebirge stammende Hännl ursprünglich von einer großen überregionalen Tageszeitung: Bei der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) in München war er in unterschiedlichen Ressorts tätig, darunter viele Jahre als Chef des Bayern-Teils, wo er sich seine profunde Kenntnis speziell der bayerischen Landespolitik aneignete. Später leitete er die renommierte "Seite 3", wo die SZ ihre anspruchsvollsten Reportagen publiziert.

Von dort wechselte Hännl 1994 nach Bamberg, wo der Fränkische Tag den über ein Jahrzehnt vakanten Posten des Chefredakteurs neu besetzte. Für den Oberfranken Hännl war es auch eine Rückkehr in die Heimat. In seiner Arbeit wusste er die Weltläufigkeit seiner journalistischen Erfahrungen auf elegante Weise zu verbinden mit der Bodenhaftung in der Region. Allein der Schatz der Anekdoten, auf die er bei jeder Gelegenheit und zu fast jeder in Bayern wichtigen Persönlichkeit zurückgreifen konnte, barg Stoff für zahllose Geschichten. Sein Markenzeichen wurde der Kommentar, damals noch täglich auf Seite 2, links oben. Er schöpfte aus profunden Kenntnissen, formulierte pointiert und konnte bei seiner Kritik hart in der Sache sein; aber er war nie zynisch oder verletzend. Das pauschale Dreinschlagen auf "die Politiker" hat Hännl nie mitgemacht.

Im Grunde seines Herzens war Siegfried Hännl ein zutiefst liberaler Geist - und zwar im Sinne einer fränkisch-protestantischen Liberalitas. Die Menschen waren ihm wichtig - egal, ob sie als Akteure Gegenstand seiner Betrachtungen waren. Oder seine Mitarbeiter, denen er zwar ein fordernder, vielmehr aber fördernder Chef war - und dabei stets völlig uneitel auftrat.

Seine Verbundenheit mit den Menschen drückte sich auch in den zahlreichen Ehrenämtern aus, denen Hännl einen Teil seiner knappen Zeit widmete: Ob im Vorstand des Roten Kreuzes in Bamberg, im Beirat des Diakonischen Werkes oder bei Rotary, im Verwaltungsrat des Evangelischen Presseverbandes oder als Vorsitzender der Akademie für Neue Medien in Kulmbach - Hännl war einer, der nicht nur Kritik üben, sondern auch anpacken konnte. Und er tat dies unvermindert auch in seinem Ruhestand.

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des ehemaligen Chefredakteurs wurde gestern in der Mediengruppe Oberfranken (MGO) mit Bestürzung und Fassungslosigkeit aufgenommen. MGO-Geschäftsführer Walter Schweinsberg würdigte Hännl als profilierten Journalisten, dem der Fränkische Tag viel zu verdanken habe. Und der ehemalige geschäftsführende Herausgeber des FT, Helmuth Jungbauer, der 1994 fast zeitgleich mit Hännl seinen Dienst in Bamberg angetreten hatte, sagte: "Siegfried Hännl war ein echter Glücksfall für uns als Heimatzeitung."


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