Bamberg
Nachruf

Bamberg trauert um Alt-OB Paul Röhner

Der frühere CSU-Politiker stand von 1982 bis 1994 an der Spitze Bambergs. Er starb Heiligabend mit 87 Jahren.
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Das Archivbild entstand beim Empfang zum 80. Geburtstag von Paul Röhner im Jahr 2007. Da machten auch die "Regnitztaler" ihrem Ehrenmitglied ihre Aufwartung. Archivfoto: Barbara Herbst
Das Archivbild entstand beim Empfang zum 80. Geburtstag von Paul Röhner im Jahr 2007. Da machten auch die "Regnitztaler" ihrem Ehrenmitglied ihre Aufwartung. Archivfoto: Barbara Herbst
An seinem 85. Geburtstag im August 2012 hatte man ihn letztmals in der Öffentlichkeit gesehen. Obwohl schon stark geschwächt, freute sich der frühere Oberbürgermeister sichtlich über die Aufwartung, die ihm Politiker und Vereinsvertreter noch einmal machten.

Dreieinhalb Jahre später haben ihn seine Kräfte für immer verlassen: Paul Röhner ist am 24. Dezember gestorben, im 88. Lebensjahr.

Beisetzung am 2. Januar

Seine Beisetzung findet am 2. Januar um 12 Uhr im Bamberger Hauptfriedhof statt. Um 9 Uhr wird für ihn im Dom ein Trauergottesdienst gefeiert.

Paul Röhner prägte die Entwicklung der Stadt zwölf Jahre lang. Er hat vieles in den Jahren seiner Amtszeit zwischen 1982 und 1994 angestoßen und verwirklicht, das aus Bamberg nicht mehr wegzudenken ist.

Hier nur wenige Beispiele: Es entstanden die Konzert- und Kongresshalle an der Mußstraße und mit der Nordtangente eine neue Verkehrsverbindung über Kanal und linken Regnitzarm von Bamberg-Nord nach Gaustadt. Als erste Kommune in Oberfranken führte Bamberg auf Initiative Röhners ein Amt für Wirtschaftsförderung ein. Er unterstützte den Ausbau der Otto-Friedrich-Universität und vollendete mit der Inbetriebnahme des Klinikums ein Werk seines Amtsvorgängers Theodor Mathieu.

Impulsgeber für Denkmalpflege

Großen Weitblick erwies Röhner - der studierter Jurist und Volkswirt war - auf dem Gebiet der Denkmalpflege.

Er räumte der Altstadtsanierung einen großen Stellenwert, stieß etwa die Umwidmung des Alten E-Werks in der Tränkgasse zur städtischen Volkshochschule und des Alten Krankenhauses an der Unteren Sandstraße zu einem Vier-Sterne-Hotel und der neuen Heimstatt des Stadtarchiv an.

Impulse gab der CSU-Mann auch für die Sanierung des Oberen Mühlenviertels und die Mitarbeit Bambergs in der Arbeitsgemeinschaft Historischer Städte. Man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass in Röhners Amtszeit die Basis für die spätere Aufnahme Bambergs in das Unesco-Weltkulturerbe gelegt wurde.

Bamberg war ab 1959 der Lebensmittelpunkt des gebürtigen Unterfranken. Nach fünf Jahren in München, wo er die Geschäfte die Bayerischen Jungbauernschaft führte, war Röhner von 1959 bis zu seiner Wahl als Oberbürgermeister 1982 Direktor des Bayerischen Bauernverbands.

Parallel machte das CSU-Mitglied eine steile politische Karriere: Von 1965 bis 1982 vertrat er die Interessen der Menschen im Wahlkreis Bamberg im Bundestag.
Hiesige Vereine und Verbände hatten in dem vielseitig interessierten Familienvater und Freizeitsportler einen engagierten Fürsprecher in der damaligen Regierungshauptstadt Bonn.

17 Jahre im Bundestag

In seiner Partei erwarb sich Röhner großes Ansehen vor allem als parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag - eine Aufgabe, die er von 1975 bis 1982 ausübte.

Das wurde zuletzt an seinem 80. Geburtstag im Jahr 2007 deutlich, als die Partei ihm in Bamberg einen "großen Bahnhof" ausrichtete. In der Laudatio war die Rede davon, dass Röhner "die privilegierte Stellung der CSU-Landesgruppe innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion" mitbegründet habe.

Auch auf Landesebene zählte das Wort des Bamberger CSU-Politikers. Von 1976 bis 1989 war er Bezirksvorsitzender seiner Partei. Als Mitglied des CSU-Landesvorstands nutzte er die Möglichkeit, die oberfränkischen Interessen in München zu vertreten. Zehn Jahre lang (1979-1989) gehörte Paul Röhner zusätzlich dem CSU-Präsidium an.

Ab 1982 widmete er sich dann mit ganzer Kraft seiner neuen Aufgabe als Oberbürgermeister von Bamberg. 74,96 Prozent aller, die zur Wahl gegangen waren, hatten ihm ein starkes Mandat erteilt.

Röhner verstand es, seine ausgezeichneten Kontakte nach München und Bonn zum Wohl der Stadt zu nutzen. Er holte viele Zuschüsse nach Bamberg, so dass unter anderem die Generalsanierung der Nervenklinik St. Getreu und des Alten- und Pflegeheims Antonistift möglich war (wo er später die letzten Jahre seines Lebens verbringen sollte).

Zwölf Jahre lenkte Röhner erfolgreich die Geschicke der Stadt. Er tat dies mit einem immensen persönlichen Einsatz und ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, weshalb er 1994, während der zweiten Legislaturperiode, vorzeitig aus dem Amt schied.

In der Bevölkerung beliebt

In der Bevölkerung war Paul Röhner hoch angesehen und geschätzt. Er hatte - ob als Bundestagsabgeordneter oder Oberbürgermeister - immer ein offenes Ohr für Anliegen, war leutselig, ließ sich gern in den Vereinen sehen und unterstützte sie nach seinen Möglichkeiten. Zahlreiche Organisationen ernannten ihn zum Ehrenmitglied oder zeichneten ihn anderweitig aus.

Soweit es ihm die beruflichen und politischen Verpflichtungen erlaubten, trieb der Privatmann Paul Röhner gerne Ausdauersport. Der Leichtathletik und dem Langlauf gehörte seine besondere Liebe. Weitere Hobbys waren Musik und Literatur.

Mit seiner bereits gestorbenen Frau hatte er drei Kinder. Diese und sieben Enkel trauern jetzt um Vater und Großvater.



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