Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Beginn einer Karriere: Der Cellist Kian Soltani

Der 22-jährige Cellist Kian Soltani gab im letzten Jahr sein Debüt beim Kissinger Sommer, erhielt auf Anhieb den Luitpoldpreis des Fördervereins und gibt in diesem Jahr drei Konzerte beim Festival - ein kleines Schlaglicht auf eine steile Karriere.
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Kian Soltani ist heute noch in der KlangWerkstatt zu hören. Foto: Ahnert
Kian Soltani ist heute noch in der KlangWerkstatt zu hören. Foto: Ahnert
Wie beginnt man eine Karriere? Der 22-jährige Cellist Kian Soltani gab im letzten Jahr sein Debüt beim Kissinger Sommer, erhielt auf Anhieb den Luitpoldpreis des Fördervereins und gibt in diesem Jahr drei Konzerte beim Festival - ein kleines Schlaglicht auf eine steile Karriere. Wie hat sie begonnen?

Herr Soltani, Ihre Großmutter lebt im Iran. Wie kommt eine iranische Familie nach Österreich?
Kian Soltani: Meine Eltern sind beide Musiker. Anfang der 70er Jahre, noch vor der Revolution, haben sie ein Stipendium bekommen, um in Wien klassische Musik zu studieren. Nach ihrem Studium sind sie in den Iran zurückgegangen - da war die Revolution schon vorbei. Sie haben schnell gemerkt, dass das jetzt ein Land war, in dem sie nicht bleiben wollten, sind nach Österreich zurückgekehrt.

Wie sind Sie zum Violoncello gekommen?
Den ersten Cellounterricht hatte ich auf Wunsch meiner Mutter, weil das ihr Lieblingsinstrument ist; da war ich vier Jahre alt. Und ich habe mich auf Anhieb mit dem Instrument verstanden und bin dabei geblieben - und später dann auch Klavier angefangen.
Sie machen nicht den Eindruck, als hätten Sie das als Belastung empfunden.
Natürlich war das eine schöne Kindheit. Meine Eltern haben mich immer gefördert, aber nie gepuscht. Manchmal mussten sie mich natürlich zum Üben anregen, und wenn ich etwas Wichtiges zum Üben hatte, dann haben sie gesagt: "Erst üben und dann spielen", und das habe ich immer gleich verstanden.

Wann fiel die Entscheidung, die Musik zum Beruf zu machen?
Die frühen Teenagerjahre sind sehr wichtig, mit 13 oder 14 muss man sich langsam auf den Weg machen, wenn man sieht, dass man so etwas professionell machen will. Für mich war das mit 14 Jahren, als ich mich für das Musikgymnasium entschieden habe, weil für mich ganz klar war, dass ich das machen will. Und als ich kurz darauf meinen ersten internationalen Wettbewerb gemacht und gewonnen habe, war mir klar, dass ich das für immer machen werde.

Sie kamen mit zwölf Jahren zu Ivan Monghetti in Basel, das war ja eigentlich schon ein Schritt.
Genau. Als Elfjähriger habe ich ihm vorgespielt, und als Zwölfjähriger hat er mich in die Aufbauklasse aufgenommen. Er hat mir eine Welt geöffnet und mir gezeigt, was alles dahinter steckt. Da war mir dann schon klar, dass das eine Lebensaufgabe ist.

Wann hatten Sie denn das Gefühl, dass da wirklich eine Karriere beginnt.
Das ist schwierig zu sagen. Bei mir waren die Wettbewerbe ein sehr wichtiger Teil. Bis vor zwei Jahren habe ich viele Wettbewerbe gemacht. Das war immer ein Ansporn zum Üben, aber immer auch ein Schritt nach vorne im Sinn einer Karriere, wenn man gewonnen hat. Und wenn man dann beim dritten Mal den 1. Preis macht und dann kommen Engagements, dann denkt man sich schon: Jetzt läuft's langsam. Ich habe vor zwei Jahren meinen letzten Wettbewerb gemacht und bin mit diesem Abschnitt fertig. Wenn man diese Entscheidung für sich treffen kann: Ich mache keine Wettbewerbe mehr, dann ist das auch quasi ein Statement: Für mich läuft das jetzt gut genug.

Sind Sie nervös, wenn Sie vor Publikum spielen?
Ich war nervös als Kind, wenn ich auf die Bühne gegangen bin, aber sobald ich zu spielen begonnen hatte, hatte ich das komplett vergessen. Für ein Kind ist das etwas einfacher. Man macht das, weil man es machen will und weil man Spaß dabei hat. Später kommt dann der kritische Punkt, an dem man das Lampenfieber überwinden muss, wenn man noch während des Spiels an Sachen denkt.

Spielt der Gedanke, dass man scheitern könnte, mit?
Bei Wettbewerben war das manchmal so. Aber bei Konzerten gibt es ein Scheitern eigentlich nicht. Man kann was rüberbringen oder nicht, und wenn man nichts rüberbringt, dann ist das für mich ein Scheitern. Dass man technisch hier und da mal einen Fehler macht, spielt für mich keine große Rolle.

Wie geht man mit dieser Situation um, wenn plötzlich von allen Seiten jemand etwas will? Das ist ja auch ein großes Stück Eigenverantwortung.
Ich bin eher ein gelassener Mensch. Ich gehe es einfach an und denke nicht so rasend oft an die Zukunft. Ich versuche einfach immer nur mein Bestes zu geben. Und ich denke mir: Wenn ich schon diese ganzen Engagements habe und das ganze Vertrauen, muss das auch einen Grund haben. Man braucht natürlich auch ein gewisses Selbstbewusstsein, dass man tatsächlich etwas zu sagen hat. Wenn ich nichts drauf hätte, wäre ich auch nicht hier. Aber man muss natürlich selbstkritisch bleiben.

Wann kamen bei Ihnen die ersten Agenten?
Bei mir kamen die Agenten nach dem letzten großen Wettbewerb vor zwei Jahren. Da habe ich begonnen, mit der Münchner Agentur Concerto Winderstein zusammenzuarbeiten. Zu den Plattenfirmen habe ich keinen direkten Kontakt. Das macht meine Agentur für mich. Das kann ich nicht so gut.

Haben Sie eigentlich einmal Probleme gehabt wegen ihrer persischen Herkunft?
Nein, im Gegenteil. Das hat mir sehr geholfen. Bei meinen Freunden in Österreich hat das nie eine Rolle gespielt. Rassismus war in meinem Leben nie ein Thema. Und musikalisch war das für die Leute immer interessant: ein österreichischer Cellist mit persischen Wurzeln.

Es gibt das Gerücht, dass Sie nach ihrem Konzert vor ein paar Tagen in Maria Bildhausen mit Feng Ning und Konstantin Shamray ein festes Trio gründen wollen. Was ist da passiert?
Wir haben uns zwei Tage vor dem Konzert zum ersten Mal getroffen und haben auf Anhieb gemerkt, dass da was Tolles passieren kann - und meiner Meinung nach ist auch was Tolles passiert. Danach haben wir darüber gesprochen, dass wir das wiederholen wollen. Wir haben uns noch nicht hingesetzt und Verträge unterschrieben. Aber wir haben für Wiederholungen schon Ideen und bleiben in Kontakt.
Das Gespräch führte
Thomas Ahnert



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