Coburg

Coburg wirbt frech um Ärzte

Die Region hat viel zu bieten - vor allem für Ärzte. Damit die das auch erfahren und die Versorgung mit Hausärzten in Stadt und Land in Zukunft gesichert bleibt, wirbt die Gesundheitsregion plus jetzt auf ungewöhnliche Weise.
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"Coburgin forte" hat eine gewünschte Nebenwirkung. Es soll Ärzte süchtig machen, im Coburger Land zu arbeiten. Fotos: Rainer Lutz
"Coburgin forte" hat eine gewünschte Nebenwirkung. Es soll Ärzte süchtig machen, im Coburger Land zu arbeiten. Fotos: Rainer Lutz
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Die Postkarten sind ansprechend und auffallend, ein Hingucker. Schöne Landschaft, nette Leute, coole Sprüche. Sie liegen an der Uni in Erlangen aus, und gehen dort "viral", sagt Gunnar Geuter. Er arbeitet für das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Im Kontakt mit Medizinstudenten hat er erfahren, wie die Karten einschlagen. Und sie sind nur ein Teil einer groß angelegten Kampagne, die Medizinern und Medizinstudenten das Coburger Land ans Herz legen soll.

"Die Idee kam aus der Coburger Ärzteschaft, im Rahmen der Gesundheitsregion plus eine Imagekampagne zu entwickeln", sagt Constanze Scheibl. Sie ist Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus. Und sie weiß, dass Handeln geboten ist. Bescheinigt die Kassenärztliche Vereinigung der Region auch eine Ärzteversorgung zu 103 Prozent, so zeigen zahlreiche Anrufe im Landratsamt schon jetzt, dass es immer schwieriger wird, einen Hausarzt zu finden, der noch Patienten annimmt.

Mediziner werden älter

Viele Ärzte sind bereits um die 60 Jahre alt und werden in den kommenden Jahren aufhören zu praktizieren. Das Medizinstudium dauert lang. Es muss also rechtzeitig gegengesteuert werden. Wer im Wettkampf der Werbung nicht übersehen werden will, muss sich etwas einfallen lassen. Mit einer Werbeagentur aus Berlin, Geld von Sponsoren und aus dem Gesundheitsministerium des Freistaats wurden zunächst Ziele abgesteckt. Es geht darum, Ärzte für die Region zu gewinnen und die Region Coburg als sympathischen und attraktiven Niederlassungsstandort und Lebensraum zu bewerben.

Zielgruppen sind Medizinstudenten, Jungmediziner mit Studien- oder Weiterbildungsabschluss aber auch Mediziner im Angestelltenverhältnis. Das Ministerium unterstützt nicht nur die Kampagne, wie Elisabeth Nordgauer-Ellmaier erklärt. Ein Stipendiatenprogramm etwa fördert Medizinstudenten mit 600 Euro im Monat, wenn sie einwilligen, nach dem Studium zunächst als Hausarzt in der Region zu arbeiten. Eine eigene "Landarztquote" vergibt fünf Prozent der Studienplätze an Studenten, die bereit sind, nach dem Studium mindestens zehn Jahre als Landarzt zu arbeiten. "Vieles lässt sich aber eben auch auf lokaler und regionaler Ebene tun", ist die Vertreterin des Ministeriums überzeugt.

Genau das tut die Gesundheitsregion plus - nicht nur mit hübschen Postkarten für Medizinstudenten. Ärzte, die Weiterbildungen besuchen, finden bei solchen Veranstaltungen ein Medikament vor. "Coburgin forte", steht auf der Packung. Der Beipackzettel führt dorthin, wo auch die Postkarte hinführen soll: Auf die Homepage der Gesundheitsregion. Das tun auch Poster, Flyer, Notizbücher, Kugelschreiber und Plakate.

Region mit besonderen Angeboten

Wer bewegt werden konnte, den Mausklick auf die Adresse www.als-arzt-nach-coburg.de zu machen, erfährt eine Menge, das ihn interessieren sollte. "Wir haben mit unserem Hausarztverein etwas, das es so sonst nicht gibt", nennt Dr. Oliver Gregor ein Angebot für alle Mediziner, die hier her kommen. Der Verein ermöglicht beispielsweise Facharztausbildung zum Hausarzt oder Internisten, die sonst viel Geld kostet, in den regionalen Praxen der 72 Ärzte, die im Verein Mitglied sind, kostenfrei.

Außerdem kommen die Interessenten über die Homepage in Kontakt mit Constanze Scheibl. Die bietet ihnen ein Service-Paket, das den Weg nach Coburg ebnen soll. Sie unterstützt bei der Suche nach einer Wohnung, einem Kita-Platz für die Kinder und sogar bei der Jobsuche für den Partner oder die Partnerin. Sollen die pflegebedürftigen Eltern mit in die Region kommen, hilft sie bei der Suche nach einem Platz in einer entsprechenden Einrichtung oder einer Möglichkeit zum betreuten Wohnen.

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