Kulmbach

Als die Straßennamen fielen

Auch in Kulmbach wurden in der NS-Zeit Straßen und Plätze umbenannt.
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Im Amtsblatt und durch Aushänge wurde die Bevölkerung nach dem Ende des NS-Regimes darüber Informiert, dass die Kulmbacher Straßen wieder ihre alten Namen bekommen hatte.
Im Amtsblatt und durch Aushänge wurde die Bevölkerung nach dem Ende des NS-Regimes darüber Informiert, dass die Kulmbacher Straßen wieder ihre alten Namen bekommen hatte.
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Erich und Marcus Olbrich

Die Umbenennung von Straßen und Plätzen nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 diente dem Personenkult, der Propaganda und der Machtdemonstration. Es gab eine Verordnung des Reichsinnenministeriums vom Juli 1933 über die "Grundsätze für die Straßenbenennungen", nach der in jeder Stadt die wichtigste Straße oder der zentrale Platz nach Adolf Hitler zu benennen war.
In Kulmbach wurde aus der Langgasse die Adolf-Hitler-Straße, aus dem Holzmarkt die Adolf- Hitler- Platz und aus der Berliner Brücke die Adolf- Hitler- Brücke. Adolf Hitler (1889 - 1945) war seit dem 30. Januar 1933 Reichskanzler und nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 "Führer und Reichskanzler".
Doch auch weitere Straßen wurden umbenannt. Wer verbarg sich hinter den neuen Namen?
? Kressenstein/Hans-Schemm- Straße, Blaicher Schule/Hans- Schemm-Schule: Hans Heinrich Georg Schemm (1891 - 1935) war NSDAP-Gauleiter der Bayerischen Ostmark und bayerischer Kultusminister. Als Lehrer unterrichtete er in Neufang und Bayreuth. 1923 lernte er Adolf Hitler kennen und gründete 1925 die NSDAP-Ortsgruppe Bayreuth und den Gau Oberfranken. Zielstrebig baute er die Organisation weiter auf. Von 1928 bis 1932 war Schemm Mitglied des Bayerischen Landtags und ab 1930 auch Mitglied des Reichstags.

? Hardenbergstraße/Straße der SA: Die Sturmabteilung (SA) war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP. Nachdem Mitte 1934 SS-Einheiten die SA-Führungsspitze ermordet hatten, verlor die SA stark an Bedeutung.

? Festungsberg/Fritz-Todt-Allee: Fritz Todt (1891 - 1942) war Bauingenieur, seit Januar 1922 Mitglied der NSDAP und während der Zeit des Nationalsozialismus Generalinspektor für das Straßenwesen, SA-Obergruppenführer und ab 1940 Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Er leitete unter anderem den Bau der Reichsautobahnen. Nach ihm war die 1938 gegründete Bautruppe "Organisation Todt" benannt.

? Blaicher Straße/Horst-Wessel- Straße, Pörbitscher Platz/ Horst-Wessel-Platz: Horst Ludwig Wessel (1907 - 1930) war in Berlin Sturmführer der SA. Nachdem Wessel von KPD-Mitgliedern getötet worden war, stilisierte ihn die NS-Propaganda zu einem "Märtyrer der Bewegung". Wessel war Verfasser des Horst-Wessel-Lieds, das kurz nach seinem Tod zur Parteihymne der NSDAP wurde. Von 1933 bis 1945 bildete es im Anschluss an das Deutschlandlied quasi den zweiten Teil der deutschen Nationalhymne.

? Pestalozzischule/Herbert- Norkus-Schule: Herbert Norkus (1916 - 1932) war ein Hitlerjunge, der bei einer Propaganda-Aktion von Kommunisten getötet wurde. Er wurde danach als "Vorbild für den kämpferischen Einsatz der Hitler-Jugend" und als "Blutzeuge der Bewegung" dargestellt. Sein Todestag wurde zum Trauertag der nationalsozialistischen Jugend erklärt, an welchem der "gefallenen" Hitlerjugend-Mitglieder gedacht werden sollte.

? Güterbahnhofstraße, Hans-Hacker-Straße/Franz-von-Epp-Straße: Franz Xaver Ritter von Epp (1868 - 1947) war Berufssoldat, Politiker der NSDAP und von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter in Bayern. 1934 ernannte Hitler Epp zum Reichsleiter des Kolonialpolitischen Amts der NSDAP und 1936 zum Bundesführer des Reichskolonialbunds.

? Matthäus-Schneider-Straße/ Heinrich-Heissinger- und Karl- Rummer-Straße: Heinrich Heißinger (1909 - 1932) war SA-Mann, Kochs-Maat und Mitglied der Marine-SA. Er wurde 1932 erschossen und in der Ehrengruft für "Opfer der Bewegung" beigesetzt, die bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommen waren. Karl Rummer (1907 - 1929) war ein SA-Mann. Ursprünglich Mitglied der SPD, wechselte er in die NSDAP. 1929 wurde er von politischen Gegnern schwer verletzt und starb an den Folgen.

? Am tiefen Graben/Dietrich- Eckart-Weg: Dietrich Eckart (1868 - 1923) war Publizist und Verleger, ein früher Anhänger des Nationalsozialismus und Ideengeber Adolf Hitlers. Die heutige Berliner Waldbühne, die Freilichtbühne des Berliner Olympiageländes, wurde nach Eckart benannt. Seine Geburtsstadt Neumarkt in der Oberpfalz, trug in dieser Zeit den offiziellen Namenszusatz Dietrich-Eckart-Stadt.

? Kressenstein/Von-Hindenburg-Straße: Paul von Hindenburg (1847 - 1934) war Generalfeldmarschall und Politiker. Zahlreiche Straßen, Plätze, Brücken und öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Kasernen wurden bereits im Ersten Weltkrieg nach ihm benannt, ebenso wie der 1927 durch ihn eingeweihte Hindenburgdamm, der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet.

? Fr.-Ebert-Straße/ Adolf-Wagner-Straße: Adolf Wagner (1890 - 1944) war NSDAP-Gauleiter im Gau München-Oberbayern, bayerischer Minister und SA-Obergruppenführer. Wagner hatte den begründeten Ruf, ein besonders bösartiger Antisemit zu sein.
Mit dem Ende des NS-Regimes wurden in Kulmbach am 9. Mai 1945 durch Distriktgouverneur Major Perry B. Lamson Straßen wieder umbenannt.


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