Franken
Corona-Regeln

Corona-Infektion im Mehrfamilienhaus: Muss ich Nachbarn und Vermieter informieren?

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Corona-Regeln. Einige davon sind einfach umzusetzen, doch bei anderen ist es manchmal schon etwas schwieriger. Gerade in Bezug auf den Umgang mit den Nachbarn im Mehrfamilienhaus gibt es oft Unklarheiten. Erfahren Sie bei uns, welche Regeln bei einer Infektion im Mietshaus zu beachten sind und wie Sie sich und Ihre Nachbarn schützen können.
 
Muss ich Nachbarn und Vermieter informieren, wenn ich Corona-positiv bin? Diese Corona-Regeln gelten in einem Mehrfamilienhaus.
Muss ich Nachbarn und Vermieter informieren, wenn ich Corona-positiv bin? Diese Corona-Regeln gelten in einem Mehrfamilienhaus. Foto: Mylene2401/pixabay.com
  • Auch in Mehrparteienhäusern ist eine Ansteckung mit dem Corona-Virus möglich
  • Mieter sollten Schutzvorkehrungen treffen, um sich nicht anzustecken 
  • Experten empfehlen regelmäßiges Desinfizieren der Oberflächen in Gemeinschaftsräumen
  • Das Tragen einer Maske wird auch im Treppenhaus empfohlen

Corona-Infektion im Mietshaus - was muss ich beachten? Etwa alle zwei bis vier Wochen kommen von der Bundes- und Landesregierung neue, teils verwirrende Corona-Regeln. Die wichtigsten Regeln wie Abstand halten, Hände desinfizieren und Kontakte beschränken haben die meisten Menschen bereits verinnerlicht. Doch welche Corona-Schutzvorkehrungen gelten eigentlich in einem Mietshaus, wo mitunter Dutzende Parteien unter einem Dach leben?

Welche Corona-Regeln jetzt in Mietshäusern gelten

Die Einhaltung des Mindestabstands zu haushaltsfremden Personen mag in Einfamilienhäusern oder auch in ländlichen Regionen sehr einfach sein. Doch gerade in Häusern, in denen mehrere Parteien wohnen, ist das oft nur schwer umsetzbar. Begegnungen sind in Mehrfamilienhäusern bzw. Mietshäuser an der Tagesordnung: im Flur und auf der Treppe, beim Müll rausbringen oder im Aufzug.

Zudem herrscht viel Unsicherheit darüber, wie man sich verhalten muss, wenn es zu spät ist und man wirklich positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. 

inFranken.de hat sich bei Experten erkundigt. Lesen Sie bei uns, welche Regeln in Mehrparteienhäusern gelten und wie Sie aufeinander Rücksicht nehmen können. 

Wie kann sich eine Hausgemeinschaft gegen Corona schützen?

Laut Wolfgang Winkler, einem Rechtsanwalt des Erlanger Mieterinnen- und Mietervereins, gibt es dafür keine rechtlichen Grundsätze. Er empfiehlt allerdings auch in Innenräumen wie beispielsweise dem Treppenhaus eine medizinische Maske zu tragen sowie den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. 

Nach Bettina Stark vom Deutschen Mieterbund Aschaffenburg und Umgebung sei es aber empfehlenswert, die Türgriffe, das Treppengeländer und die Fahrstuhlknöpfe regelmäßig zu desinfizieren oder sie nach Möglichkeit nur mit dem Ellenbogen zu berühren. 

Zusätzlich sei es nach den Experten vom Ratgeber Immowelt sinnvoll,  wenn die Mieter eines Miethauses mit ihrer Hausgemeinschaft darüber reden, freiwillig Schutzroutinen einzuführen. Dazu zähle zum Beispiel die Einführung einer Corona-Kehrwoche, bei der sich die Parteien in einem gewissen Rhythmus mit dem Desinfizieren der Gemeinschaftsräume abwechseln.

Birgt die Nutzung des Fahrstuhls ein hohes Infektionsrisiko?

Da Fahrstühle in Wohnhäusern meist sehr klein sind und keine gute Entlüftungsanlage haben, ist die Benutzung selbiger wahrscheinlich gefährlicher als die Nutzung der Treppe.

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Zusätzlich kann man sich nie sicher sein, wer zuvor was in dem Fahrstuhl angefasst hat. 

Das weiß man zwar im Treppenhaus auch nicht, allerdings können diese regelmäßig gelüftet werden, sodass potenziell ansteckende Aerosole leichter entweichen können. 

Worauf müssen Mieter und Vermieter bei der Nutzung und Bereitstellung der Gemeinschaftsräume achten?

Auch bei der Nutzung der Gemeinschaftsräume wie Waschküche, Kinderspielplatz und Tiefgarage in Mehrparteienhäusern gibt es keine offiziellen Richtlinien für Mieter und Vermieter.

Letztere sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, Maßnahmen wie Hinweisschilder zur Einhaltung des Abstands oder ähnliches einzuführen. 

Bettina Stark appelliert diesbezüglich an die Vernunft des Einzelnen: Mieter sollten darauf achten, nur ihre eigenen Gegenstände wie Waschmittel zu berühren. Winkler ergänzt dies durch die Überlegung, nur zu waschen, wenn sich sonst keine andere Mietpartei in dem Waschraum befindet. So könne ein Ansteckungsrisiko minimiert werden. 

Muss ich meine Miete zahlen, obwohl ich aufgrund des Lockdowns keine Einnahmen habe?

Im vergangenen Jahr gab es von Mai bis Juli eine Regelung, die vorgesehen hat, dass Mieter, die aufgrund des Lockdowns zahlungsunfähig waren und ihre Miete nicht aufbringen konnten, nicht kündbar sind. 

Sie hatten ab diesem Zeitpunkt ein Jahr lang Zeit, um die fehlende Miete zu überweisen.

Solch eine Regelung gibt es trotz des erneuten Lockdowns in diesem Jahr nicht. Das heißt, diejenigen, die ihre Miete derzeit nicht zahlen können, sind kündbar. 

Muss ich den Nachbarn oder dem Vermieter Bescheid geben, wenn ich infiziert bin?

Laut Wolfgang Winkler sind Menschen, die mit Corona infiziert sind, nicht dazu verpflichtet, Nachbarn oder Vermieter zu informieren, da dies ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte wäre. 

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Kontaktpersonen ersten Grades, also diejenigen, die direkten Kontakt zu einem Erkrankten hatten, werden von dem zuständigen Gesundheitsamt kontaktiert und erfahren von diesem, wie sie sich verhalten sollen und ob sie getestet werden müssen.

Er fügt allerdings hinzu, dass dies durchaus eine nette Geste wäre. Beispielsweise, wenn man weiß, dass im Haus ein Angehöriger einer Risikogruppe wohnt. So können diese Menschen schneller auf die Situation reagieren

Müssen sich die Nachbarn testen lassen, wenn ein Mieter infiziert ist?

Das ist davon abhängig, ob man zu der Person Kontakt hatte, während sie ansteckend war oder nicht.

Ob ein Corona-Test notwendig ist, erfährt man im Einzelfall von dem zuständigen Gesundheitsamt.

Dieses ist für die Nachverfolgung von Kontakten der Infizierten und Kontaktpersonen ersten Grades zuständig. 

Darf ich mich innerhalb des Hauses frei bewegen, wenn ich in häuslicher Quarantäne bin?

Theoretisch darf man das, solange man entsprechende Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Maske* trifft. 

Allerdings sollten Gänge in den Keller oder auch zum Briefkasten möglichst vermieden werden.

Schließlich kann man nie sicher davon ausgehen, nicht doch zufällig einem Nachbarn zu begegnen, den man auf diese Weise einem Risiko aussetzen könnte. 

Darf ich einem Nachbar beispielsweise mit der Wäsche oder dem Einkaufen helfen, wenn er sich in häuslicher Quarantäne befindet?

"Gesetzlich spricht hier nichts dagegen", sagt der Rechtsanwalt Wolfgang Winkler. Gerne können Sie einem infizierten Nachbarn bei alltäglichen Dingen, die nur schwer innerhalb der eigenen vier Wände machbar sind, helfen.

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Wichtig sei hierbei vor allem, dass die Hilfe kontaktlos stattfindet. 

Anhand des Beispiels des Wäschewaschens könnte das wie folgt aussehen: Der erkrankte Nachbar stellt seine Wäsche vor die Tür und trägt dabei sowohl Handschuhe als auch eine FFP2-Maske*. Der helfende Nachbar trägt dieselbe Schutzkleidung und wäscht für ihn die Wäsche in der Wäscheküche. Anschließend stellt  er den Wäschekorb wieder vor die Tür des Erkrankten, klingelt und geht bevor der Erkrankte die Tür öffnet wieder zurück in seine Wohnung. Gerade in diesen schweren Zeiten ist diese Form der Solidarität besonders wichtig und hilft den Betroffenen enorm. Daher ist es immer sinnvoll, Bekannten diese Hilfe anzubieten. 

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