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Autarkes Eigenheim: Was du tun kannst, um energetisch unabhängig zu werden

Nicht nur in Krisenzeiten setzen viele Eigenheimbesitzer auf eine unabhängige Versorgung, seit Jahren geht der Trend zu mehr Autarkie und energetischer Unabhängigkeit.
Wie schafft man sich ein autarkes Eigenheim?
Wie schafft man sich ein autarkes Eigenheim? Foto: image4you/pixabay.com
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  • Autark ist nicht gleich autark
  • Energetische Autarkie bei Neubauten: Voraussetzungen, Möglichkeiten, Vor- und Nachteile 
  • Energetische Autarkie bei bestehenden Gebäuden: begrenzte Möglichkeiten mit maximaler Wirkung 
  • Kosten, Förderungen und Steuerersparnis 

Die internationalen Ölpreise steigen, auch Heizöl und Erdgas werden immer teurer, ein Ende der Preissteigerungen ist noch nicht in Sicht. Auch wenn in vielen Haushalten die meisten Heizungen im Frühling heruntergedreht sind, so bleibt der Bedarf an Heizmaterialien weiter bestehen. Alternativen gibt es bereits seit Jahren, oft setzt jedoch ein Umdenken erst später ein, wenn die Preise immer weiter steigen oder die Verfügbarkeiten bisheriger Heizstoffe begrenzt sind. Doch was bringt der Einsatz einer Pelletheizung oder die Nutzung thermischer Energie durch eine sogenannte Wärmepumpe? Ist so ein unabhängiges Leben fernab der Rohölpreise überhaupt möglich und welche Möglichkeiten gibt es noch, um autark zu leben?

Autark ist nicht gleich autark

Autarkie bedeutet zunächst, dass man unabhängig agieren kann und auf niemanden angewiesen ist. Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten, autark zu leben, sei es als Selbstversorger mit eigens hergestellten Lebensmitteln, eigenem Brunnen oder gar durch die Haltung entsprechender Nutztiere für den täglichen Bedarf. Im Folgenden geht es jedoch um die energetische Autarkie, die sich hauptsächlich auf die Energieversorgung des Hauses mit Strom und Wärme bezieht.

Energieverbraucher nutzen so lokal verfügbare Energieträger und -quellen und sind auf diese Weise nicht von externen Energielieferungen abhängig. Ein energieautarkes Haus macht die Besitzer unabhängig von technischen oder preislichen Schwankungen der Energiesysteme und entlastet gleichzeitig das Klima. Jeder Mensch ist heutzutage auf Energie angewiesen, welche in der Regel extern beschafft wird. Bei einem autarken Wohnhaus, muss diese Energie selbst erzeugt werde, doch ist eine 100-prozentige Autarkie überhaupt realistisch?

Der Gesetzgeber hat bereits Ende 2020 das Gebäudeenergiegesetz (GEG) beschlossen, welches den Klimaschutz bei Immobilien vorantreiben und den Umstieg auf erneuerbare Energie erleichtern soll. Dadurch werden zum einen unterschiedliche Energieeinsparverordnungen vereinheitlicht und zum anderen ändern sich die Bestimmungen bezüglich Wärmedämmung und -versorgung von Bestandsgebäuden sowie Neubauten. Oft verhindern jedoch technische oder bauliche Gegebenheiten eine komplette Unabhängigkeit, weiter ist der finanzielle Investitionsaufwand oft sehr hoch und trotz zahlreicher Fördermittel bleibt eine Umstellung auf eine vollständige autarke Lebensweise vielen Interessierten letztendlich verwehrt. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Alternativen, die sich preislich in einem gewissen Rahmen halten und möglicherweise die ein oder andere Abhängigkeit beenden können.

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Energetische Autarkie bei Neubauten: Vorraussetzungen, Möglichkeiten, Vor- und Nachteile

Gerade bei einem Neubau stellt sich die Frage nach der Energieautarkie bereits zu Beginn der Bautätigkeit. Diese ist im Falle eines neu erbauten Hauses eher zu erreichen, als bei einem bestehenden Gebäude, auch wird hier meistens bereits sowohl auf eine ausreichende Dämmung geachtet, als auch auf die Ressourcen der regenerativen Energiequellen zurückgegriffen. Auch wenn 56,2 Prozent der Deutschen in einer Wohnung leben und 57,9 Prozent zur Miete wohnen, so steigt der Anteil an Eigenheimbesitzern seit Jahren kontinuierlich an. Der Anteil an neugebauten Häusern ist zwar geringer, als der an renovierten und sanierten Bestandsbauten, aber auch hier ist ein Trend zu mehr Neubauten zu erkennen.

Als Bauherr hat man heutzutage die Qual der Wahl an verschiedenen Anbietern. Das Ziel der meisten Hausbesitzer, die sich für eine autarke Lebensweise interessieren, ist die ganzjährige, emissionsfreie und kostenlose Selbstversorgung mit Strom, Heizwärme und Warmwasser, welche gleichzeitig die Umwelt nicht belastet und ein gewisses Maß an Nachhaltigkeit mit sich bringt. Um das persönliche Klimaziel und eine individuelle Energieversorgung zu schaffen, sollte auf eine Kombination von Solarthermie und Photovoltaik gesetzt werden. Dieser Aspekt weist bereits auf einen ersten Anhaltspunkt in Bezug auf die Grundstückseigenschaften, denn um die Sonne maximal zu nutzen, sollte ein schattenfreies Grundstück erworben werden, auf welchem das Haus nach Süden ausgerichtet werden kann. Weiter sollte die vorgeschriebene Dachneigung der Bebauungspläne für ein energieautarkes Haus idealerweise 45 Grad betragen, wobei das südliche Dach komplett mit Solarkollektoren und Photovoltaik-Modulen bestückt werden sollte. Besitzt das Grundstück jedoch nicht alle notwendigen Voraussetzungen, um vollkommen energieautark leben zu können, so ist auch eine Teilautarkie möglich, welche bereits die Umwelt und den Geldbeutel schonen kann. Im Vorfeld der Planung eines Null-Energiehauses sollte ein Energieexperte eine Machbarkeitsstudie, sowie eine Amortisationsrechnung bezüglich der Finanzierbarkeit eines solchen Bauvorhabens durchführen. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, ein energieautarkes Eigenheim zu erreichen.

Solarthermieanlagen sind der erste Aspekt, wenn es um die Energieautarkie des Eigenheims geht, diese fangen die Sonnenenergie in Solarkollektoren ein und stellen diese Energie entweder für die Erwärmung des Trinkwassers oder des Wassers im Heizungskreis bereit. Solarkollektoren gibt es in verschiedenen Ausführungen und Bauweisen, letztendlich bleibt dies eine individuelle und finanzielle Entscheidung. Eine hauseigene Stromerzeugung liefert circa 2.000 kWh pro Jahr, was deutlich zu wenig für eine vierköpfige Familie ist, denn deren normaler Stromverbrauch beträgt etwa 4.000 Kilowattstunden pro Jahr. Hier ist also ein durchdachtes energetischen Konzept nötig, um keine externen Anbieter konsultieren zu müssen.

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Wie kann man Energie einsparen und den Verbrauch drosseln?

Zunächst sollte der gesamte Stromverbrauch durch energieeffiziente Haushaltsgeräte gesenkt werden. Weiter können zum Beispiel Waschmaschine und Geschirrspüler zum Stromsparen an das über Solarwärme erzeugte Warmwasser angeschlossen werden. Weiter sollte ein intelligentes Energiemanagement die Elektrogeräte steuern und so den gesamten Stromverbrauch auf ein Minimum reduzieren, um vollkommen unabhängig von Stromversorgern sein zu können. Zudem sollte die gewonnene Energie sinnvoll gespeichert werden, da häufig sogenannte Energie-Plus-Häuser das Autarkieziel nämlich sogar noch übertreffen, da sie mehr Energie erzeugen als verbrauchen.

Leistungsfähige Solarspeicher nehmen die tagsüber gewonnene Energie auf, um sie bei höherem Bedarf in den Abendstunden wieder abzugeben, auch können spezielle Bleigel- oder Lithium-Batterien den Solarstrom relativ verlustarm für eine längere Zeit speichern. In energieautarken Häusern ist idealerweise im Keller ein großer und gedämmter Wärmespeicher vorhanden, der die gewonnene Wärme möglichst über Wochen und Monate speichern kann und diese Wärme für die Warmwasserversorgung und zum Heizen bereitstellt. Um die kalten Wintermonate zu kompensieren, können Stückholz- oder Pelletöfen eine gute Ergänzung darstellen.

Außerdem bieten einige Firmen spezielle Verfahren an, bei welchen überschüssige Energie in Wasserstoff und Methangas transformiert werden können, um diese so langfristig speichern zu können und in sonnenarmen Monaten zu nutzen. Die elektrische Energie wird hierfür in chemische Energie umgewandelt. Der Wasserstoff wird dann in speziellen Speichern zwischengelagert und bei Bedarf mithilfe von Brennstoffzellen wieder zu Strom gewandelt. Nicht genutzte Energie bedeutet verschenkte Energie, weshalb hier vermehrt geforscht wird. Solaranlagen benötigen jedoch eine konstante Menge an Sonne, Platz, sowie eine ausreichende Statik. Sollte dies nicht gegeben sein, können auch nur bestimmte Bereich mit selbst erzeugtem Strom versorgt werden, hierfür gibt es mittlerweile auch simple Konzepte, wie beispielsweise eine Mini-Solaranlage, auch bekannt als Balkonkraftwerk. Diese werden mit einem Stecker an das Stromnetz von Haus oder Wohnung angeschlossen und der produzierte Strom kann unmittelbar für den eigenen Bedarf genutzt werden.

Alternativen zu Solaranlagen: Windräder für zuhause

Neben den bekannten Möglichkeit der Solarkollektoren und Photovoltaik-Anlagen gibt es weitere Alternativen der eigenen Stromerzeugung. Auch Windräder sind mittlerweile ein Bestandteil der hauseigenen Energiegewinnung, wenngleich diese kleiner und angepasster sind, als herkömmliche Windkraftanlagen. Ähnlich wie bei der Photovoltaik-Anlage wird der Strom entweder selbst verbraucht oder eingespeist. Es ist jedoch zu beachten, dass für die Errichtung einer Windkraftanlage eine Genehmigung notwendig ist. Weiter benötigt das Windrad entsprechenden freien Platz, damit umstehende Gebäude oder Bäume den Wind nicht ausbremsen, ebenso können die Geräusche von manchen als störend empfunden werden. Auch lohnen sich Kleinwindkraftwerke oft finanziell weniger, da die erzeugte Strommenge häufig zu wenig darstellt und der Ertrag stark vom Aufstellort und der Windstärke abhängt, welche vor dem Bau durch eine Windmessung abgeklärt wird. Jedoch ist der Betrieb der Anlangen generell auch nachts möglich, ebenso wird durch eine Anbringung auf dem Dach der Platz neben dem Haus gespart. 

Eine dritte Möglichkeit Strom und Wärme selbst zu produzieren ist ein Blockheizkraftwerk oder eine Brennstoffzellenheizung. Das Blockheizkraftwerk nutzt das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, was bedeutet, dass durch den Verbrennungsprozess sowohl Wärme als auch Strom erzeugt werden können. Die Funktionsweise ist einfach, denn beim Erzeugen von Strom durch das Verfeuern von Brennstoffen entsteht vor allem Wärme, welche direkt im Haus eingesetzt werden kann. Es wird nur wenig Brennstoff benötigt, um Strom und Wärme zu produzieren. Allerdings ist die Anschaffung eines Blockheizkraftwerks sehr aufwendig und kostenintensiv, weshalb es sich im privaten Bereich weniger rechnet, es sei denn es handelt sich um ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Parteien.

Auch wird ein Brennstoff benötigt, der verbrannt wird und einen Generator zur Stromerzeugung antreibt, weiter ist ein Pufferspeicher vonnöten, der die entstehende Wärme aufnimmt und die Heizkörper im Haus mit Wärme versorgt und auch für die Erwärmung des Brauchwassers genutzt werden kann. Ein entscheidender Vorteil der kleinen Blockheizkraftwerke ist jedoch die Aufstellung, welche meist im Keller erfolgt und eine tatsächliche Nutzung der Primärenergie bei aktuell 80 - 90 Prozent liegt. Im Gegensatz hierzu lohnt sich die Brennstoffzellenheizung auch bereits für Einfamilienhäuser. Hier wird zwar auch die Kraft-Wärme-Kopplung genutzt, jedoch handelt es sich bei der kalten Verbrennung innerhalb der Brennstoffzelle um eine chemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, wobei die Energie in Form von Wärme und Strom freigesetzt wird. Während der Wasserstoff mit einem Elektrolyseur aus überschüssigem Solarstrom selbst herstellbar ist, so muss der Energieträger auch hier extern gekauft werden, meist handelt es sich um Erd- oder Flüssiggas.

Pellet-Blockheizkraftwert: So funktioniert es

Eine preiswerte und klimaneutrale Alternative stellt ein Pellet-Blockheizkraftwerk dar, auch wenn hier parallel mehr Platz im Haus für die Pelletlagerung benötigt wird. Vorteile der Brennstoffzellenheizung sind die hohen stromseitigen Wirkungsgrade von über 40 Prozent, die zu einem hohen Stromertrag führen. Auch ist die Brennstoffzellenheizung für Gebäude mit einem kleineren Wärmebedarf geeignet. Neben hohen Anschaffungskosten entstehen jedoch beim Betreiben mit fossilen Brennstoffen wieder verhältnismäßig hohe Emissionen, weshalb der Betrieb mit regenerativen Brennstoffen zu empfehlen ist. Auch ist eine Wirtschaftlichkeit nur gegeben, wenn ein relativ hoher und kontinuierlicher Wärmebedarf besteht.

Auch wenn sich der Großteil der deutschen Eigenheime aus bestehenden Immobilien zusammensetzt, so ist auch hier eine Veränderung zu spüren, pro Jahr werden in Deutschland etwa 300.000 Gebäude neu errichtet. Jedoch erfahren auch zahlreiche Bestandsimmobilien eine energietechnische Aufwertung, so wurden bereits aufgrund des Gebäudeenergiegesetzes von 2020 in den vergangenen Jahren eine Million Heizungen ausgetauscht.

Energetische Autarkie kann nicht nur bei Neubauten zum Ziel gemacht werden, auch bei Bestandsimmobilien besteht diese Möglichkeit. Neben dem persönlichen Lifestyle sprechen auch hier die steigenden Preise und gleichzeitig immer knapper werdenden Ressourcen für ein Umdenken. Der Schlüssel für ein gewisses Maß an Autarkie liegt in der Speicherung der Energie, denn eine ganzjährige Unabhängigkeit von den Energieversorgern und den Stromanbietern sollte auch in extremen Fällen wie einem Stromausfall gewährleistet sein. Weiter ist eine deutliche Ersparnis an Heiz- und Stromkosten durch eine energetische Sanierung möglich, gleichzeitig erfährt das Gebäude eine wirtschaftliche Aufwertung und der CO2-Austausch wird verringert. Strom wird im besten Fall entweder selbst durch eine Photovoltaik-Anlage oder eine Windkraftanlage selbst produziert, geheizt wird entweder mit Öl, Gas, Pellets oder thermischer Energie in Form einer Wärmepumpe. Bei einer Kombination von Solarthermie und Photovoltaik wird die Heizwärme über längere Zeit mithilfe eines Langzeitspeichers aufbewahrt und wird so gleichzeitig für die Heizung und Warmwasseraufbereitung genutzt.

Energetische Autarkie bei bestehenden Gebäuden: begrenzte Möglichkeiten mit maximaler Wirkung

Bevor man mit der energetischen Sanierung einer Bestandsimmobilie beginnt, sollte ein qua­li­fi­zier­ter En­er­gie­be­ra­ter prüfen, an welchen Stellen Sanierungsmaßnahmen eine energetische Autarkie sinnvoll unterstützen können. Was bei Neubauten meist inklusive ist, erfolgt bei einem bestehenden Gebäude durch einen Umbau. Am sinnvollsten beginnt man von unten und arbeitet sich Stück für Stück nach oben.

Zunächst sollte der Keller auf einen energieeffizienten Stand gebracht werden, denn ein sanierungsbedürftiger Keller hat Auswirkungen auf das gesamte Haus, nicht nur Energiekosten werden durch einen kühlen und feuchten Keller gesteigert, auch die Substanz des gesamten Gebäudes kann darunter leiden. Eine Kellersanierung läuft meist in mehreren Phasen ab, zunächst muss der Keller entfeuchtet und anschließend abgedichtet werden. In einem weiteren Schritt wird der Keller gedämmt, um Wärmeverluste zu minimieren, hier bietet sich eine Perimeterdämmung oder Sockeldämmung an. Weiter ist eine Abdichtung der Kelleraußenwände in Betracht zu ziehen, auch sollte an eine zusätzliche Belüftung der Kellerräume gedacht werden, um eine Schimmelbildung zu vermeiden. Ist der Keller trocken und gedämmt, kann dieser verputzt und je nach Nutzungsvorstellungen ausgestattet werden. Soll durch eine Kellersanierung nicht nur Energie gespart, sondern auch gleichzeitig weiterer Wohnraum geschaffen werden, sind die gesetzlichen, kommunalen Vorschriften zu beachten.

Als nächster Schritt muss die Fassade überprüft werden, möglicherweise sind hier weitere Einsparungen durch eine fachgerechte Dämmung möglich. Hierfür müssen jedoch die Vorgaben der Energieeinsparverordnung beachtet werden, da nicht bei allen Häusern eine Dämmung der Fassade von Außen erlaubt ist, gerade denkmalgeschützte Häuser unterliegen besonderen Vorschriften. Ob in Eigenregie oder durch eine Fachfirma, eine Dämmung der Fassade bringt oft eine erhebliche Ersparnis.

Simpel: Fenster auf den neuesten Stand bringen

Eine weitere Möglichkeit, um Energie zu sparen, kann der Austausch der Fenster sein, denn diese gehören energetisch betrachtet zu den Schwachstellen eines Hauses, da über die Glasflächen deutlich mehr Energie verloren geht als über Wände. Mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 48 Jahren zählen Fenster zu den langlebigsten Bauelementen. Auch wenn die alten Fenster noch einigermaßen intakt sind, so sollte dringend über einen Austausch nachgedacht werden. Der Bundesverband Flachglas schätzt den Verlust durch veraltete oder undichte Fenster auf zwischen 15 und 40 Prozent, der durch einen Wechsel eingespart werden kann, auch reduziert sich der CO2-Ausstoß erheblich und schont so das Klima. Auch hier sind vor allem bei denkmalgeschützten Immobilien die kommunalen Vorschriften zu beachten.

Als Nächstes sollte das Dach untersucht werden, denn eine Wärmedämmung der Fassade und des Daches spart bis zu 30 Prozent der Energiekosten, auch zahlt sich der finanzielle Aufwand der Dämmung in diesem Fall schnell aus. Am besten zieht man auch hier aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten einen Fachmann zurate, da sowohl für die Flachdachdämmung als auch für die Steildachdämmung verschiedene Dämmsysteme aus unterschiedlichen Dämmstoffen empfohlen werden. Weiter gibt es mehrere Optionen der Steildachdämmung, wie Aufsparrendämmung, Zwischensparrendämmung und Untersparrendämmung, welche je nach Zustand des Daches, den baulichen Voraussetzungen und von der Planung der Hausbesitzer abhängig sind. Ebenfalls muss beachtet werden, dass in Deutschland lediglich kleinere Reparaturen am Hausdach selbst möglich sind. Sollte das Dach vollständig saniert werden, müssen die gesetzlichen Vorgaben aus EnEV / GEG für die Dachdämmung eingehalten werden.

Weitere Möglichkeiten, um ein gewisses Maß an energetischer Autarkie in einem bestehenden Gebäude zu erreichen, sind ähnliche Alternativen wie bei einem Neubau. Durch Photovoltaik und Sonnenkollektoren für Warmwasser können weitere Kosten eingespart werden, ein intelligenter Stromspeicher mit Bleiakkus macht eine effiziente Speicherung für mehr als zwei Wochen möglich und hat eine Lebensdauer von durchschnittlich zehn Jahren. Bei der Errichtung von Photovoltaik-Anlangen müssen die jeweiligen Brandschutzvorgaben beachtet werden.

Energetische Aufstockung durch Holzvergaser

Eine andere energetische Aufstockung kann durch einen Holzvergaser gegeben sein. Bei dieser Heizungsvariante findet der Prozess der Holzvergasung räumlich getrennt von der Holzgasverbrennung statt, was zu einer effektiven Heiznutzung führt, gleichzeitig wird weiter die Schadstoffemission gesenkt. Neben dem eigenen Heizverhalten wird der Energieverbrauch jedoch maßgeblich von der Heizung selbst bestimmt. In Deutschland nutzen jedoch tausende Haushalte veraltete Heizkessel wie Niedertemperaturkessel oder Konstanttemperaturkessel. Durch die Umrüstung auf ein modernes Gerät mit Brennwerttechnik kann so nicht nur der Heizenergiebedarf sofort gesenkt werden, auch verbessert sich dadurch die Umweltbilanz. Aktuell gibt es mehrere Heizungsarten, diese reichen von der klassischen Gas- und Ölheizung, über Pellet- und Holzheizungen, Elektroheizungen mit Infrarottechnologie, Solarheizungen, Brennstoffzellenheizungen, der Hybridheizung, einem Blockheizkraftwerk bis zu einer Wärmepumpe. Für welche Variante man sich letztendlich entscheidet, hängt von den persönlichen Vorlieben, dem finanziellen Spielraum und den räumlichen Gegebenheiten der Immobilie ab und sollte stets mit einem Fachmann beraten werden.

Eine letzte Option, um energetisch autark leben zu können, betrifft den Aspekt der Wasserversorgung. Hier ist jedoch bereits durch den Gesetzgeber der Spielraum begrenzt, denn in Deutschland ist der Anschluss an das Wasser- und Kanalnetz verpflichtend. Regenwasser darf ausschließlich zur Bewässerung von Gärten, für die Toilettenspülung und den Betrieb der Waschmaschine verwendet werden, wobei hierfür zwei getrennte Kreise im Wasserleitungssystem eingebaut werden müssen. Auch eine autarke Nutzung des Abwassers ist nicht erlaubt, es besteht hier lediglich die Möglichkeit von Sickergruben, allerdings ist dies nur in Ausnahmefällen zulässig oder es können sogenannte Komposttoiletten verwendet werden.

Eine energetische Aufwertung und angestrebte Autarkie des Gebäudes macht in den meisten Fällen Sinn und spart bares Geld, mit dem Modernisierungs-Check erfährst du, ob sich diese energetischen Sanierungsmaßnahmen auch für dein Haus rechnen.

Kosten, Förderungen und Steuerersparnis

Um eine energetische Autarkie in einem Wohnhaus zu erreichen, müssen zahlreiche Faktoren beachtet werden, die sich jedoch bezahlt machen. Auch wenn die Anschaffungs- und Sanierungskosten zunächst hoch erscheinen, sollten sie sich am Ende auch wirtschaftlich lohnen. Es gibt in Deutschland zahlreiche Finanzierungsoptionen einer energetischen Sanierung, welche zum Teil stark bezuschusst werden. Neubauten sind oftmals bereits im vorne herein als Niedrigenergiehäuser konzipiert und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben. Vor allem, wenn die Immobilie selbst genutzt wird, gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten.

Hier ist zunächst das KfW-Wohneigentums­programm zu nennen, welches den Kauf oder Bau von selbst­genutzten Eigen­heimen oder Eigentums­wohnungen mit bis zu 100.000 Euro pro Vorhaben bezuschusst. Im Falle eines Neubaus können so die Kosten des Baugrund­stücks, Baukosten wie Material- und Arbeitskosten, die Baunebenkosten für den Architekten, den Energie- bzw. Bauberater, die Notar- und Makler­gebühren, die Grunderwerbsteuer, sowie Kosten für Außenanlagen angerechnet werden. Bei einer bereits bestehenden Immobilie können sowohl der Kaufpreis, als auch die Kosten für Instand­setzung, Umbau und Modernisierung, sowie die Nebenkosten wie die Notar- und Makler­gebühren und die Grunderwerbsteuer gefördert werden. Für die Finanzierung von Kleinwindkraft kann beispielsweise ein Förderkredit der KfW genutzt werden.

Im Programm 270 "Erneuerbare Energien Standard" werden unter anderem Anlagen zur Stromerzeugung aus Windkraft gefördert, bis zu 100 Prozent der Investitionskosten können so mit einem Darlehen der KfW finanziert werden. Jedoch unterliegen einige Förderungen gewissen Vorgaben, so ist eine Kellersanierung durch die KfW nur zuschussfähig, wenn die Energiebilanz gesenkt wird. Hier können jedoch auch die Kosten für Trocknung, Erdaushub und Abdichtung bei gleichzeitiger Dämmung bezuschusst werden. Auch können die Kosten für eine Dachdämmung durch Zuschüsse und Förderkrediten von BAFA und KfW gesenkt werden.

Umbau steuerlich geltend machen - das ist möglich

Wer für die Dachdämmung jedoch keine Förderung in Anspruch nehmen möchte, kann die Kosten über den Steuerbonus für Sanierungsmaßnahmen steuerlich geltend machen. Hier können bis zu 20 Prozent der Kosten für energetische Sanierungsmaßnahmen abgesetzt werden, sofern die Immobilie selbst bewohnt wird und mindestens 10 Jahre alt ist - der Steuerbonus beträgt maximal 40.000 Euro. Ebenso kann ein Teil der Kosten für die Modernisierung der alten Heizung oder den Einbau eines emissionsarmen Scheitholzkessels im Neubau durch den Staat übernommen werden. Je nach Kesseltyp übernimmt beispielsweise das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) die förderfähigen Kosten mit bis zu 45 %.

Auch können besonders klimaschutzrelevante Vorhaben, Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz und der Verbesserung des Umweltschutzes sowie Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel durch die LfA Förderbank Bayern gefördert werden, denn um langfristig Energie zu sparen, muss zunächst investiert werden. Trotz der anfänglich hohen Investitionskosten, lohnt sich der Umstieg auf ein energetisch autarkes Gebäude in den meisten Fällen. Neben einer verbesserten Energieeffizienz können so die laufenden Kosten gesenkt und die Umweltbilanz verbessert werden, auch ein bewussterer Umgang mit den Ressourcen und der Aspekt der Nachhaltigkeit sind positive Auswirkungen des Wechsels.

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