Das war eigentlich anders geplant: Forscher aus Ungarn haben aus Versehen eine neue Fischart erzeugt. Wie es dazu kam, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Genes"

Das Experiment war ursprünglich angelegt, um eine sehr seltene Form der ungeschlechtlichen Fortpflanzung im Tierreich zu untersuchen. Dabei handelt es sich um die "Gynogenese". Laut Angaben der "American Fisheries Society" handelt es sich dabei um ein Eindringen eines Spermiums in eine Eizelle, ohne dass diese befruchtet wird. Allerdings bringt dieser Vorgang die Eizelle dazu, sich selber zu teilen. Als Produkt entsteht ein Embryo, der ein natürlicher Klon ist - sprich: Er ist genetisch gleich wie das Muttertier. 

Neue Fischart erzeugt: Amazonenkärpflinge pflanzen sich auf ungewöhnliche Art fort

Beispielsweise pflanzen sich Amazonenkärpflinge auf diese Art und Weise fort. Der fränkische Forscher Manfred Schartl hat in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen herausgefunden, was das Geheimnis der Amazonenkärpflinge ist. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Nature Ecology & Evolution".  Die Population der Amazonenkärpflinge besteht nur aus Weibchen. Sie lassen sich von artverwandten Männchen begatten. Die Spermien verschmelzen dabei nicht mit der jeweiligen Eizelle. Dadurch sind die Nachkommen nicht mit dem beteiligten Männchen verwandt. Das Phänomen wird auch als "Sexualparatismus" bezeichnet.

Die ungarischen Forscher vom "Forschungsinstitut für Fischerei und Aquakulturen" interessierten sich für dieses Phänomen. Dafür experimentierten sie mit Löffelstören und Stören, auch als Waxdick bezeichnet. Das Experiment nahm eine unerwartete Wendung und es entstand statt einer Kopie des Muttertiers eine neue Mischform. In sozialen Medien wird die neue Fischart mittlerweile als "Sturddlefisch" bezeichnet. 

In freier Wildbahn wäre eine solche Kreuzung nicht möglich gewesen. Löffelstöre sind generell in den USA angesiedelt, Waxdicke eher in Russland. Beide Arten sind vom Aussterben bedroht und gelten sogar als lebende Fossilien. 

Laut Angaben der Wissenschaftler haben die beiden Arten mehr gemeinsam, als es optisch zunächst scheint: 

  • knorpeliges Außenskelett
  • Spiralkappendarm
  • schuppenlose Haut

tu