Die geplante Übernahme von MediaMarktSaturn durch den chinesischen Onlinehändler JD.com sorgt bei der EU-Kommission für Bedenken. Wie kam der Händler an das Geld für das Angebot?
Die geplante Übernahme von Europas größtem Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen E-Commerce-Giganten JD.com beschäftigt mehrere Aufsichtsbehörden. Die Europäische Kommission hat nach einer ersten Prüfung "vorläufige Bedenken" und untersucht den Fall jetzt intensiver. Ihre Zustimmung ist eine der Voraussetzungen für einen Wechsel des Eigentümers.
"Die vorläufige Untersuchung deutet darauf hin, dass JD.com möglicherweise ausländische Subventionen erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren", teilte die Brüsseler Behörde mit. Chinesische Subventionen könnten es JD.com ermöglicht haben, ein höheres Übernahmeangebot für Ceconomy, die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn, abzugeben.
Chinesischer Shopping-Gigant äußert sich zu "vertiefter Prüfung"
Dies könnte den Prozess verzerrt haben. Dabei gehe es um Vorzugsfinanzierungen, steuerliche Anreize und Zuschüsse. Die EU-Kommission möchte außerdem prüfen, ob die Übernahme den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt beeinträchtigen würde. Nach EU-Recht hat sie bis zum 2. Oktober Zeit für eine endgültige Entscheidung. Sie betonte, dass das Ergebnis offen sei. JD.com könnte sich im Laufe der Untersuchung auch zu bestimmten Zusagen verpflichten, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern.
JD.com erklärte: "Wir sehen eine vertiefte Prüfung als einen üblichen Verfahrensschritt für eine Transaktion dieser Größenordnung an." Im Zusammenhang mit der Transaktion habe das Unternehmen keine staatlichen Subventionen erhalten, die zu einer Wettbewerbsverzerrung in der EU führen könnten. Man stehe weiterhin in engem und konstruktivem Austausch mit der Europäischen Kommission im Rahmen des laufenden Prüfverfahrens.
JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot abgegeben und sich wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert. Behörden in mehreren Ländern prüfen die Übernahme. Je nach nationalen Anforderungen wird die Transaktion kartellrechtlich geprüft.
MediaMarktSaturn viertgrößter Händler nach Amazon, Otto und Zalando
In anderen Ländern wird untersucht, ob der Einstieg eines ausländischen Investors sicherheits- oder ordnungspolitisch unbedenklich ist. Frankreich und Italien haben laut Ceconomy grünes Licht für die Übernahme gegeben. Die Entscheidungen aus Deutschland, Spanien und Österreich stehen noch aus. Aus Unternehmenskreisen hieß es, man rechne mit einer Gesamt-Freigabe in der zweiten Jahreshälfte.
Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits im September freigegeben. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da JD.com bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv sei. Das Bundeswirtschaftsministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Es prüft unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten. MediaMarktSaturn ist Europas größter Elektronikhändler und nach Amazon, Otto und Zalando der viertgrößte Onlineshop in Deutschland.