Der Verkehr in Deutschland nimmt immer weiter zu. Um das festzustellen, reicht ein Blick auf die Entwicklung des deutschen Fahrzeugbestandes über die letzten Jahre: Seit 2005 hat die Anzahl an Autos in Deutschland stetig zugenommen und hat mit einer Menge von mehr als 47 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2020 seinen bisherigen Höchstwert erreicht. 

Je mehr Autos, desto voller die Straßen. Gerade Großstädte haben mit Staus und stetigem Stop-and-Go-Verkehr zu kämpfen. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, sollen nun neue Maßnahmen ergriffen werden. Eine davon könnte die sogenannte City-Maut sein, welche bereits in 14 europäischen Städten zum Einsatz kommt. Das deutsche "Institut für Wirtschaftsforschung (ifo)" hat in einer Studie einen Ausblick in die Zukunft gewagt und prognostiziert, wie sich eine City-Maut auf den Verkehr auswirken könnte.

Staus und überfüllte Straßen: Überlastetes Verkehrsnetz in Deutschland

Schon jetzt ist das Verkehrsaufkommen in Städten zäh. Doch glaubt man der Prognose von Dr. Oliver Falck vom "ifo", so wird sich bisherige Situation in den kommenden Jahren nur verschlimmern. Das Münchner Planungsamt rechnet damit, dass sich die tägliche Hauptverkehrszeit in der bayerischen Landeshauptstadt in den kommenden Jahren auf einen Zeitraum von sechs bis 21 Uhr ausdehnen wird.

Durch die starke Belastung des innerstädtischen Verkehrsnetzes trägt jeder Autofahrer dazu bei, andere Personen zu belasten: Staus führen neben Zeitverlust auch zu Stress, Lärm, Unfällen und einer Belastung der Umwelt.

"Für all diese negativen Auswirkungen auf Dritte muss der Verursacher bislang nicht bezahlen", sagt Falck. Dies könnte sich mit der Einführung einer City-Maut bald ändern.

City-Maut: Bis zu Zehn Euro am Tag

Die Grundidee einer City-Maut besteht darin, die Verkehrsteilnehmer für die Nutzung des innerstädtischen Straßennetzes finanziell zu belasten und die generierten Einnahmen in beispielsweise die Finanzierung von Straßenbauvorhaben oder den öffentlichen Nahverkehr zu stecken.

Wie Falck in seinem Studienbericht beschreibt, würde bereits eine Gebühr von sechs Euro am Tag den Straßenverkehr innerhalb des Mittleren Rings in München um mehr als 23 Prozent senken. Bei einer Maut von zehn Euro wären es sogar 30 Prozent.

Mit einer Anti-Stau-Gebühr von sechs Euro könnten allein in München schätzungsweise 600 Millionen Euro pro Jahr generiert werden. Dieses Geld könnte dann in den öffentlichen Verkehr und die Fahrradinfrastruktur reinvestiert werden, um diese für die Stadtbewohner attraktiver zu gestalten.

In der Studie wird davon ausgegangen, dass sich die Ergebnisse unter Berücksichtigung lokaler Faktoren beliebig auf weitere Großstädte übertragen lassen. „Alle Städte sollten über eine solche Gebühr nachdenken“, sagt Falck.

Entlastung der Innenstadt: Erhöhung der Parkgebühren

Das Prinzip der City-Maut hat allerdings seine Grenzen. Es ist nicht möglich, den Verkehr durch eine Erhöhung der Innenstadt-Maut konstant zu senken. „Es gibt eine starke Nichtlinearität“, sagt Falck. Allein das Akzeptanzproblem bei der Bevölkerung sei irgendwann nicht mehr zu bewältigen. 

Daher werden weiter Lösungsalternativen gesucht. Eine davon könnten teurere Parkplatzgebühren sein. Das ifo-Institut geht jedoch davon aus, dass beispielsweise eine Erhöhung der Parkgebühren von sechs auf zehn Euro pro Tag das Verkehrsaufkommen lediglich um 1,2 Prozent senken würde.

City-Maut: Ein Problem für den Einzelhandel

In Zeiten des Online-Shoppings haben es Kaufhäuser und Geschäfte ohnehin schon schwer. Kritiker der Anti-Stau-Maut befürchten, dass eine City-Maut den Einzelhandel noch weiter belasten könnte. 

Laut Studie müsse man sich darum jedoch keine Gedanken machen. Die Zahl der täglichen Stadtbesucher würde sich kaum verändern, da der Großteil der Menschen wohl auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen würde.

Ob die City-Maut irgendwann in Deutschland eingeführt wird, ist noch unsicher. Die Erhöhung der Kfz-Steuer für 2021 ist allerdings beschlossene Sache. Hier erfahren Sie, welche Autos ab kommendem Jahr teurer werden.