• In Deutschland leben über 10 Millionen Hunde
  • Hunde helfen Stress zu bewältigen und die Gefahr eines Burnouts zu mindern
  • Firmen können Hunde im Büro verbieten
  • Urteile zum Thema "Hunde und Arbeitswelt"

Laut Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) leben in Deutschland – Stand 2021 – 10,3 Millionen Hunde, aufgeteilt auf 21 Prozent der Haushalte. Die Motive, einen oder mehrere Hunde zu halten, sind vielfältig: Zucht, als Sportkamerad*in, Einsamkeit oder einfach Tierliebe. Dass Hunde Menschen auch unterstützen können, ist bekannt – zum Beispiel als Blindenhund oder als Polizist*in auf vier Pfoten. Hunde helfen aber auch, Stress zu bewältigen und Burnout vorzubeugen – also durchaus ein willkommener Ruhepol im Büro. Auch das Betriebsklima soll durch die Anwesenheit von Hunden besser sein. Doch darfst du deine Fellnase überhaupt in die Arbeit mitnehmen? Das entscheidet der Chef oder die Chefin.

Hund im Büro: Die Firma kann deinen Vierbeiner ablehnen

Du kannst nicht darauf bestehen, deinen Hund ins Büro mitnehmen zu dürfen, wie der Nürnberger Rechtsanwalt Thorsten Walther erklärt. Du musst dazu eine ausdrückliche Erlaubnis deines Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin haben. Diese*r kann die Genehmigung übrigens auch zurückziehen.

Obwohl die Firmenleitung bei der Ablehnung keinen Grund angeben muss, kann ein Hundeverbot im Büro mehrere Gründe haben: Andere Mitarbeiter*innen fühlen sich zum Beispiel gestört oder dein Hund braucht soviel Aufmerksamkeit, dass deine Arbeitsleistung beeinträchtigt sein kann. Ob für das grundsätzliche Ja oder den Widerruf: Der Chef kann sich auch gegen deinen Hund entscheiden, wenn Kolleg*innen ihre Vierbeiner mitnehmen dürfen. Einen Gleichbehandlungsgrundsatz gibt es laut Walther nicht.

Wenn du trotz Verbot deinen Hund ins Büro mitnimmst, geht deine Zukunft im Unternehmen den üblichen Weg: Eine Abmahnung und sogar eine Kündigung können die Folge sein.

Haustier ins Büro mitnehmen: Das sagen Gerichte

Die Sache "Hund im Büro" beschäftigt sogar immer wieder Gerichte. Eine Mitarbeiterin einer Werbeagentur wollte ihren aus Russland stammenden dreibeinigen Hund in die Werbeagentur, in der sie zu dem Zeitpunkt arbeitete, mitnehmen. Die Chefin der Agentur lehnte dies ab, obwohl andere Mitarbeiter*innen auch Hunde dabei hatten. Die Begründung: Die Mitarbeiterin war als Assistentin der Geschäftsleitung im Vorzimmer tätig. Kund*innen könnten sich durch den Hund oder herumstehendes Hundefutter gestört fühlen.

Die Mitarbeiterin hat ihr Recht vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf eingeklagt. Ohne Erfolg: Das Gericht gab der Leiterin der Werbeagentur recht. Der Hund darf nicht in die Firma. Auch in der Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf scheiterte die Angestellte.

Es gibt aber auch gute juristische Nachrichten für Hundehalter*innen: Ein Unternehmen, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, wollte die Arbeitszeit eines teilzeitbeschäftigten Hundebesitzers am Freitag von fünf auf sieben Stunden erhöhen. Der hatte Bedenken, dass aufgrund seiner längeren Abwesenheit sein Hund nicht genug versorgt sei und klagte vor dem Arbeitsgericht Hagen gegen die Ausweitung der Arbeitszeit. Mit Erfolg: Das Gericht gab ihm recht und urteilte, dass es dem Hund nicht zuzumuten sei, sieben Stunden zuzüglich Wegzeit alleine zu bleiben. Die Kosten für einen Hundesitter oder eine Hundepension würden laut Gericht den Rahmen sprengen.

Assistenzhunde dürfen immer an den Arbeitsplatz

Wenn du aufgrund eines Handicaps auf einen Assistenzhund angewiesen bist, darfst du diesen ins Büro mitnehmen. Das geht aus dem Teilhabestärkungsgesetz (TeilhStG) hervor, das 2021 dahingehend novelliert wurde und am 1. Januar 2022 in Kraft getreten ist.

Zu den Assistenzhunden zählen:

  • Blindenführhunde: Sie unterstützen blinde oder sehbeeinträchtigte Personen bei der Orientierung.
  • Signal- und Gehörlosenhunde: Sie reagieren auf Laute, wie das Klingeln des Telefons oder auch Rufe eines Babys, und geben die Information durch Berührungen an den Menschen weiter.
  • Medizinische Signalhunde: Sie sind fähig, chronisch erkrankte Personen vor gefährlichen Veränderungen im Körper zu warnen – zum Beispiel Unregelmäßigkeiten der Psyche oder des Stoffwechsels.
  • Servicehunde: Dazu zählen zum Beispiel Rollstuhlbegleithunde, die Menschen bei der Mobilität unterstützten.
  • Kombinationshunde: Diese Hunde haben Fähigkeiten aus verschiedenen Assistenzbereichen und unterstützen mehrfachbehinderte Menschen.

Fazit

Ob du deinen Hund ins Büro mitnehmen darfst oder nicht, entscheidet einzig und alleine derer Chef oder die Chefin. Die Firmenleitung kann deinen Hund auch als einzigen Vierbeiner aus dem Unternehmen verbannen. Bei einer Klage wirst du wenig Chancen haben. Allerdings muss die Firma laut einem Urteil des Arbeitsgerichtes Hagen bei deinen Arbeitszeiten Rücksicht auf deinen Hund nehmen. Arbeitnehmer*innen, die auf einen Assistenzhund angewiesen sind, darf der Zutritt mit dem Hund nicht verwehrt werden.

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