Spam-Anrufe abwehren: Eine Frage entlarvt jeden Betrüger

4 Min

Mit KI-Technik können die Stimmen deiner Verwandten und Freunde ganz einfach geklont werden. Wie du Spam-Anrufe mit "Voice Cloning" erkennst und entlarvst - mit nur einer Frage.

Betrüger finden immer wieder neue Wege, um an persönliche Daten und das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Seit wenigen Jahren kommt dabei auch künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Verbraucherschützer warnen besonders vor einer alten Masche, die mit KI-Technik noch gefährlicher geworden ist: der Enkeltrick.

Betrüger nutzen die Masche schon lange. Sie geben sich als Familienmitglieder unter einer neuen Nummer aus, die in einer misslichen Lage sind und dringend Geld brauchen. Meist läuft das Ganze über SMS oder WhatsApp ab, doch auch mit Schockanrufen versuchen Kriminelle ihr Glück, vor allem bei älteren Menschen. Und genau das wird zunehmend zum Problem, denn mithilfe von KI kann die Stimme einer Person einfach imitiert werden. Der Betrug lässt sich dadurch noch schwerer durchschauen.

Voice Cloning: So geben sich Kriminelle als Familienmitglieder aus

"Wahrscheinlich hat jeder schon mal von dem Enkeltrick gehört, aber wenn nun wirklich die 'echte Stimme' des Enkels anruft, kann das deutlich überzeugender sein", sagte Kriminalanalyst Mark Thorben Hofmann im Gespräch mit dem Magazin "Stern". Für das sogenannte "voice cloning", zu Deutsch "Stimmen-Klonen", benötigen die Betrüger nur wenige Sekunden Audio-Material. Jeder, der schon mal ein Video auf Facebook, Instagram oder TikTok gepostet hat, wird damit zum potenziellen Opfer eines solchen Deepfakes. 

"Die Qualität ist so gut, dass selbst Ehepartner oder Familienmitglieder es nicht erkennen würden", warnt Hofmann. Selbst Sicherheitsexperten haben Schwierigkeiten, die KI-Stimmen zu durchschauen, wie der Fall eines Microsoft-Beraters zeigte. Es gibt aber einige Anzeichen und Tricks, die KI zu entlarven:

  • Nummer prüfen: Eine bekannte Person ruft unter neuer Nummer an? Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt im Zweifel aufzulegen und den vermeintlichen Anrufer unter der altbekannten Nummer zurückzurufen. 
  • Genau hinhören: Kommt es zu Pausen oder anderen unnatürlichen Sprechmustern? Die KI ist nicht perfekt, so die Verbraucherzentrale, es kann also zu Lücken im Gespräch kommen.
  • Fragen stellen: "Ihre Stimme kann gestohlen werden, ihr Wissen nicht", sagt Kriminalanalyst Hofmann. Wenn du wissen willst, wer dich wirklich anruft, stelle Fragen, die nur diese Person beantworten kann. 
  • Codewort festlegen: Spreche mit Familie und Freunden über die potenzielle Gefahr. Experten wie Hofmann und Michael Zerna raten sogar dazu, ein Codewort festzulegen. Klingt ein Anruf verdächtig, kannst du dies abfragen, sozusagen als Verifzierungsverfahren. 
  • Misstrauisch bleiben: Die Betrüger setzen auf Emotion und Zeitdruck, um dich zum Handeln zu zwingen. Sobald es darum geht, Geld zu überweisen oder persönliche Daten wie Passwörter herauszugeben, sollten bei dir die Alarmglocken klingeln. Bewahre Ruhe und lege im Zweifelsfall auf.

Enkeltrick in Deutschland weiter große Gefahr

Insgesamt würde die Zahl der Betrugsversuche mittels KI zunehmen, bestätigt auch Michael Zerna, Software-Ingenieur und KI-Berater, dem Portal "CHIP". "Laut FBI und verschiedenen Verbraucherschutzorganisationen werden KI-Technologien wie Deepfakes und Voice Cloning immer häufiger für Erpressung, den 'Großeltern-Betrug' und für hochentwickelte Social-Engineering-Angriffe gegen Unternehmen verwendet." 

In Deutschland gibt es keine konkreten Zahlen, wie verbreitet der Betrug mittels KI tatsächlich ist. Der Cybersicherheitsmonitor, eine Umfrage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), weist auf einen noch relativ geringen Anteil hin. Zwei Prozent der Befragten gaben an, 2024 Opfer eines Betrugs geworden zu sein, bei dem KI eingesetzt wurde. Die Technik hinter Dingen wie Voice Cloning hat seitdem aber einen großen Sprung gemacht und ist leichter zugänglich. Es ist somit denkbar, dass die Zahl der Angriffe mittels KI steigen wird. 

Die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes erfasst Betrug mithilfe von KI bisher nicht gesondert. Zum Enkeltrick an sich wurden 2024 jedoch Daten gesammelt. Für dieses Berichtsjahr hatte die Behörde einen Teil der Fälle im Bereich "Sonstiger Betrug" konkreten Maschen zuordnen können. "Hier dominieren die Phänomene 'Enkeltrick/Schockanrufe' mit 6.656 Fällen (4,3 Prozent) und 'falscher Polizeivollzugsbeamter' mit 3.904 Fällen (2,5 Prozent)", heißt es im Bericht.

Gefälschte Stimmen nur der Anfang: Betrug mit KI nimmt weltweit zu

Weltweit haben bereits 25 Prozent der Menschen einen Betrugsanruf mit geklonten KI-Stimmen selbst erlebt oder kennen ein Opfer. Das geht aus einer Umfrage des Software-Unternehmens McAfee hervor. Eine weitere erschreckende Erkenntnis: 35 Prozent der Befragten könnten nicht erkennen, ob die Stimme echt sei oder nicht. Weitere 35 Prozent hatten keine Ahnung, ob sie das überhaupt beurteilen könnten. 

Doch es gibt einen Lichtblick: Künstliche Intelligenz kann Betrugsmaschen zwar überzeugender wirken lassen, ist aber auch ein Mittel, um sie zu bekämpfen. Es gibt verschiedene Apps und Dienste von Smartphone-Herstellern, die Anrufe vorab prüfen können. Dafür wird unter anderem auf KI gesetzt.

Standardmäßig wirbt jede der Apps mit Anruferkennung. Die Telefonnummer des Anrufers wird dabei erkannt und anhand von Datenbanken, Filtern und teils KI-Funktionen mit Spam-Nummern abgeglichen. Erkennt das System einen Spam-Anruf, wird dieser automatisch blockiert.

Spamfilter fürs Smartphone: Diese Apps blockieren Anrufe von Betrügern

Teils bieten die Apps auch Anruf-Assistenten an, die ausschließlich mit KI funktionieren. Anrufe von einer unbekannten Nummer können an den KI-Assistenten weitergegeben werden. Die künstliche Stimme spricht mit dem Anrufer und stellt einfach Fragen, zum Beispiel nach dem Namen der Person und dem Grund des Anrufs. Das Gespräch wird währenddessen transkribiert, sodass der Nutzer mitlesen kann.

Hier ist eine Auswahl an Diensten, die dein Smartphone vor Spam-Anrufen schützen können:

  • Google Call Screening (nur für Pixel Smartphones): Unbekannte Nummern werden automatisch gefiltert. Über den Google Assistant bzw. Google Gemini können Anrufe zudem manuell geprüft werden. Der KI-Bot nimmt auf Wunsch den Anruf an und transkribiert das Gespräch automatisch, damit der Nutzer mitlesen kann.
  • Anruf Screening und Live Voicemail beim iPhone (ab iOS 26): Über zusätzliche Einstellungen in der vorinstallierten Telefon-App kannst du unbekannte Nummern von einem KI-Assistenten prüfen lassen. Ist zusätzlich die Live Voicemail aktiv, wird dir das Transkript des Gesprächs währenddessen angezeigt.
  • Smart Call von Samsung (ab One UI 8.5): Über eine Schnittstelle zum Drittanbieter Hiya werden Spam-Anrufe gefiltert und automatisch blockiert.

Auch Werbeanrufe und sonstiger Spam sind ein anhaltendes Problem. Eine Übersicht zeigt, welche Rufnummern in letzter Zeit besonders oft als Spam gemeldet wurden.

Vorschaubild: © Tatyana Gladskih/AdobeStock