Die Finanzierung wirft viele Fragen auf
Besonders kritisch betrachten Analysten die Finanzierung des Vorhabens. Cohen erklärte, bereits Zusagen für Kredite in Höhe von rund 20 Milliarden Dollar erhalten zu haben. Wie der restliche Kaufpreis aufgebracht werden soll, blieb zunächst offen.
Berichten zufolge könnten Staatsfonds aus dem Nahen Osten eine wichtige Rolle spielen. Auch eine Finanzierung über neue GameStop-Aktien gilt als wahrscheinlich. Genau darauf könnte Cohen spekulieren: auf die enorme Loyalität vieler Kleinanleger, die dem Unternehmen seit dem Meme-Stock-Hype die Treue halten.
An der Wall Street stößt der Plan dennoch auf erhebliche Zweifel. Analysten weisen darauf hin, dass beide Unternehmen zuletzt eher mit strukturellen Problemen kämpften. Weder GameStop noch eBay gelten aktuell als Wachstumsgiganten. Kritiker sehen deshalb die Gefahr, dass aus zwei angeschlagenen Unternehmen nicht automatisch ein ernsthafter Amazon-Konkurrent entsteht.
Ryan Cohen setzt auf einen radikalen Umbau
Ryan Cohen gilt seit Jahren als zentrale Figur hinter der Neuausrichtung von GameStop. Bekannt wurde er zunächst als Mitgründer des Onlinehändlers Chewy, der sich auf Haustierbedarf spezialisiert hatte. 2020 stieg er bei GameStop ein und kritisierte offen das aus seiner Sicht veraltete Geschäftsmodell des Unternehmens.
Später übernahm Cohen selbst die Führung des Konzerns. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche Filialen geschlossen. Gleichzeitig verlagerte sich der Fokus stärker auf den Onlinehandel sowie auf Nischenprodukte wie Sammelkarten und Retro-Konsolenspiele. Vor allem Nostalgieartikel für Gamer spielen inzwischen eine größere Rolle.
Auch eBay versucht derzeit, sich strategisch neu aufzustellen. Der Konzern konzentriert sich zunehmend auf margenstarke Bereiche wie Sammelobjekte, gebrauchte Mode oder Autoteile. Zudem investiert eBay verstärkt in künstliche Intelligenz, um Produktsuche und Einkaufserlebnis zu verbessern.
Der Mythos GameStop begann mit dem Meme-Aktien-Hype
Der außergewöhnliche Ruf von GameStop hängt bis heute eng mit den Ereignissen des Jahres 2021 zusammen. Damals wetteten mehrere Hedgefonds massiv auf fallende Kurse des Videospielehändlers, weil viele Investoren das Geschäftsmodell für überholt hielten.
Doch Millionen Kleinanleger organisierten sich in Internetforen und kauften gezielt GameStop-Aktien. Dadurch stieg der Kurs innerhalb weniger Wochen explosionsartig an. Die Aktie sprang zeitweise von unter 20 Dollar auf mehr als 480 Dollar. Hedgefonds, die auf sinkende Kurse gesetzt hatten, mussten ihre Positionen unter hohen Verlusten schließen.
Der Vorgang entwickelte sich schnell zu einem Symbolkampf zwischen privaten Anlegern und der Wall Street. Viele Kleinanleger sahen sich als Gegenbewegung zu großen Finanzinvestoren. GameStop wurde dadurch zur bekanntesten sogenannten Meme-Aktie weltweit.
Für viele Anleger wurde Ryan Cohen zur Kultfigur
Innerhalb der GameStop-Community genießt Ryan Cohen bis heute beinahe Kultstatus. Viele Privatanleger schreiben ihm zu, das Unternehmen vor dem Niedergang bewahrt zu haben. Seine Beiträge in sozialen Netzwerken werden regelmäßig analysiert und teilweise wie verschlüsselte Botschaften interpretiert.
Wie groß die Begeisterung einiger Anhänger ist, zeigte sich mehrfach in ungewöhnlichen Aktionen. Selbst persönliche Gegenstände Cohens wurden bei Auktionen für hohe Summen verkauft. In Onlineforen wird er teilweise fast wie eine Symbolfigur verehrt.
Genau auf diese Anhängerschaft könnte Cohen nun erneut setzen. Beobachter halten es für möglich, dass GameStop frisches Kapital über neue Aktien einsammeln möchte – in der Hoffnung, dass die Meme-Stock-Community wieder massiv investiert. Ob sich genügend Anleger mobilisieren lassen, um ein so großes Übernahmeprojekt mitzutragen, bleibt allerdings offen.
Der GameStop-Chef verfolgt mit der Übernahme ehrgeizige Pläne. Die rund 1600 US-Filialen des Unternehmens könnten nach seinen Vorstellungen künftig als Logistikzentren für eBay dienen. Dadurch ließe sich der Versand beschleunigen und die Plattform könnte stärker mit Amazon konkurrieren.
Gleichzeitig kündigte Cohen umfangreiche Sparmaßnahmen an. Nach seinen Vorstellungen sollen innerhalb eines Jahres rund zwei Milliarden Dollar eingespart werden – unter anderem durch Stellenabbau. eBay beschäftigt derzeit weltweit mehr als 12.000 Menschen.
Ob dieser Plan aufgeht, ist völlig offen. Sollte die Fusion allerdings tatsächlich gelingen und das neue Unternehmen profitabler werden, könnte sich das auch für Cohen persönlich massiv auszahlen. Seine Vergütung als GameStop-Chef ist eng an den Unternehmenserfolg gekoppelt. Im Erfolgsfall könnte ihm langfristig ein Aktienpaket im Wert von mehreren Milliarden Dollar winken.
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