Die Optionen zum digitalen Bezahlen nehmen immer mehr zu. Die Verbraucherzentralen sehen darin jedoch nicht nur Chancen. Was sie nun befürchten.
Wer im Supermarkt, Baumarkt oder Drogeriemarkt langen Schlangen entgehen will, weicht häufig auf die Selbstbedienungskassen aus. Dort allerdings ist eine Bargeldzahlung oft nicht möglich. Ein Umstand, den die Verbraucherzentralen kritisieren. Die Finanzexpertin des Bundesverbands, Dorothea Mohn, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich."
Den Trend spürt auch die österreichische Oberbank. Sie baute daher nun alle Automaten zur Bargeldausgabe in den deutschen Filialen ab und verwies auf das "veränderte Kundenverhalten" als Ursache. Alternativ könne Geld in Supermärkten abgehoben werden.
Verbraucherzentralen warnen vor Abkehr von Bargeld: "Akzeptanz sinkt kontinuierlich"
Die Verbraucherzentralen befürchten jedoch: Sollten Barzahlungen nicht mehr akzeptiert werden, drohe Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlungsmethoden wie Kindern und Jugendlichen oder älteren Erwachsenen ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe, sagte Mohn. Zudem entstünden Konflikte und zusätzlicher Aufwand etwa durch längeres Warten.
Das sieht Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz ähnlich. Er betonte in der Debatte im Sommer 2025: "Bargeld ist gelebte Freiheit." Besonders in Krisenzeiten, wie bei Stromausfällen oder Cyberangriffen, habe Bargeld den Vorteil, unabhängig und sicher zu sein.
Konkret fordern die Verbraucherschützer, dass auch bei neuen Technologien Barzahlungen möglich sein müssen und nicht erschwert werden dürfen - bei Selbstbedienungskassen und etwa auch an Automaten für Parkscheine oder für Tickets von Bussen und Bahnen. "Dies muss durch eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten, Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen je Geschäft erreicht werden", heißt es in einem Forderungspapier des Verbands.
Barzahlungen erhalten: Was die Verbraucherzentralen jetzt fordern
Im Einzelhandel mit insgesamt rund 710.000 Kassen gibt es inzwischen 38.650 Selbstbedienungskassen, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI ergab. Und die Zahl steigt weiter, nachdem es 2023 noch gut 16.000 waren. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Nicht überall ist Barzahlung möglich.
Ausnahmen von der Bargeldakzeptanzpflicht müssten "gesetzlich festgelegt, eng gefasst und gut begründet werden", verlangen die Verbraucherzentralen. Gerechtfertigt sein könnten Ausnahmen etwa, "wenn der Nennwert des Geldscheins in einem deutlichen Missverhältnis zum zu zahlenden Betrag steht oder Wechselgeld trotz sorgfältiger Planung nicht mehr verfügbar ist".