Finanzielle Aussetzer als Warnzeichen: Welche Krankheit hinter Veränderungen im Alltag stecken kann

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Ungewöhnliche Ausgaben oder vergessene Rechnungen: Veränderungen im Finanzverhalten können frühe Hinweise auf eine Demenz sein.

Ein vergessener Dauerauftrag, eine ungewöhnlich hohe Abbuchung oder plötzlich wachsende Kreditkartenschulden – was zunächst wie alltägliche Nachlässigkeiten wirkt, kann mehr sein als bloße Zerstreutheit. Forscher weisen zunehmend darauf hin, dass sich hinter solchen Veränderungen im Umgang mit Geld frühe Hinweise auf eine beginnende Demenz verbergen können. Und zwar lange bevor eine medizinische Diagnose gestellt wird.

Wenn Geldangelegenheiten aus dem Takt geraten

Im Alltag folgen finanzielle Entscheidungen meist festen Mustern. Rechnungen werden regelmäßig beglichen, Ausgaben bewegen sich in gewohnten Bahnen, Rücklagen werden geplant. Gerät dieses Gefüge ins Wanken, fällt das im persönlichen Umfeld häufig erst spät auf.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass genau hier ein Schlüssel zur Früherkennung von Demenzen liegen könnte. Forscher konnten nachweisen, dass sich kognitive Veränderungen bereits Jahre vor einer Demenzdiagnose im Finanzverhalten widerspiegeln. Auffällig sind etwa vergessene Rechnungen, impulsive Käufe oder ein unerwarteter Anstieg von Schulden.

Diese Veränderungen sind kein Zufall. Sie stehen häufig im Zusammenhang mit nachlassendem Kurzzeitgedächtnis, eingeschränkter Impulskontrolle und einer veränderten Risikobewertung – alles typische frühe Symptome neurodegenerativer Erkrankungen.

Daten liefern Hinweise Jahre vor der Diagnose

Besonders eindrücklich sind die Ergebnisse einer großangelegten Analyse von Bankdaten aus Großbritannien. Dabei wurden die Finanzaktivitäten von mehr als 16.000 Menschen untersucht, bei denen später ein Verlust der finanziellen Selbstständigkeit festgestellt wurde – und mit einer Kontrollgruppe verglichen.

Die Auswertung von 344 verschiedenen Finanzindikatoren zeigt ein klares Muster: Bereits bis zu zehn Jahre vor dem Verlust der finanziellen Entscheidungsfähigkeit änderte sich das Verhalten deutlich. Betroffene gaben weniger Geld für Freizeit, Reisen oder Hobbys aus und verbrachten offenbar mehr Zeit zu Hause – erkennbar etwa an steigenden Ausgaben für Energie.

Gleichzeitig nahm die finanzielle Verwundbarkeit zu. Es kam häufiger zu vergessenen PINs, verlorenen Karten oder Betrugsfällen. Auch die Nutzung des Online-Bankings ging zurück. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Aufmerksamkeit für finanzielle Angelegenheiten schleichend abnimmt.

Frühwarnsystem für mehr Selbstbestimmung

Die Studienergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten für die Früherkennung. Wenn sich solche Muster zuverlässig identifizieren lassen, könnten sie als eine Art Frühwarnsystem dienen – lange bevor klassische Symptome eindeutig werden.

Besonders bemerkenswert: Auffälligkeiten wie verspätete Zahlungen treten laut Forschung bei Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau teilweise schon bis zu sieben Jahre vor der Diagnose auf, während sie bei höher Gebildeten im Schnitt erst rund zweieinhalb Jahre vorher sichtbar werden. Insgesamt steigt das Risiko für Zahlungsprobleme bereits Jahre vor der Diagnose kontinuierlich an.

Andere Erkrankungen wie Arthritis, Herzinfarkt oder Glaukom zeigen dieses Muster nicht. Das spricht dafür, dass die Veränderungen im Finanzverhalten spezifisch mit kognitivem Abbau zusammenhängen – und nicht einfach eine Folge allgemeiner gesundheitlicher Probleme sind.

Was Betroffene und Angehörige tun können

Auch wenn diese Erkenntnisse noch nicht flächendeckend in der Praxis genutzt werden, lassen sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Ein sensibler Blick auf den Umgang mit Geld kann helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Wichtig ist vor allem, Auffälligkeiten ernst zu nehmen. Werden Rechnungen häufiger vergessen oder häufen sich ungewöhnliche Ausgaben, sollte das offen angesprochen werden – ohne Scham oder Vorwürfe. Gerade Angehörige spielen hier eine entscheidende Rolle.

Zudem kann eine frühzeitige medizinische Abklärung helfen, Klarheit zu schaffen. Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser lassen sich Maßnahmen ergreifen, um die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Digitale Analysen und datenbasierte Ansätze könnten dabei künftig eine immer größere Rolle spielen. 

Vorschaubild: © stevanovicigor/Envato (Symbolbild)