Zahnersatz: Festzuschuss sinkt– so kann sich ein Zahnarztbesuch heuer noch lohnen

Ab 2027 zahlen Kassenpatienten bei Zahnersatz mehr. Wie stark die Festzuschüsse sinken, was das Bonusheft bringt und warum der Bewilligungszeitpunkt zählt.

Zuschüsse der Krankenkassen werden im kommenden Jahr spürbar gekürzt: Ab 1. Januar 2027 sinkt der gesetzliche Festzuschuss für Zahnersatz um zehn Prozentpunkte. Entscheidend für die alten Sätze ist, dass der Antrag bei der Krankenkasse bis zum 31.12.2026 bewilligt wird, nicht der Behandlungstermin. Wer Zahnersatz benötigt, sollte den Antrag deshalb möglichst noch 2026 stellen und frühzeitig einen Termin in der Praxis vereinbaren.

Zahnärzte empfehlen, frühzeitig einen Beratungstermin zu vereinbaren und über eine Zahnzusatzversicherung nachzudenken. Warum diese immer wichtiger wird, erklärte ein Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns jüngst der Mediengruppe Bayern.

Wie viel Festzuschuss gibt es 2027 noch? Ein Überblick

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) nennt folgende Sätze für die Regelversorgung:

Bonusheft

Zuschuss 2026

Zuschuss ab 2027

Ohne Bonusheft

60 %

50 %

Mit fünf Jahren regelmäßig geführtem Bonusheft

70 %

60 %

Mit zehn Jahren regelmäßig geführtem Bonusheft

75 %

65 %

Das Bonusheft lohnt sich also weiterhin: Wer es lückenlos führt, erhält auch 2027 den höchsten Zuschuss.

Die Prozentangaben beziehen sich dabei auf die Regelversorgung. Entscheiden sich Patienten für höherwertigen Zahnersatz, können die tatsächlichen Eigenanteile noch höher ausfallen.

Leistungen der Regelversorgung  bleiben gleich, kosten aber mehr Eigenanteil

"Der Umfang und Inhalt der Regelversorgung bleiben auch zum 1. Januar 2027 unverändert. Geändert wird ausschließlich die Höhe des Zuschusses der Krankenkassen", sagt Dr. Rüdiger
Schott, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern.

Je aufwendiger die Versorgung, desto stärker macht sich die Absenkung des Festzuschusses bemerkbar. So hoch sind die Zuzahlungen für Kronen, Brücken und Implantate aktuell schon.

Zahnarzt-Behandlung ab 2027: Was kostet konkret wie viel mehr?

Wie stark sich die Änderung auswirkt, zeigt die folgende Übersicht. Die Beispiele beziehen sich jeweils auf die Regelversorgung und den höchstmöglichen Zuschuss bei einem zehn Jahre lückenlos geführten Bonusheft:

Versorgung

Festzuschuss 2026

Festzuschuss 2027

Zusätzlicher Eigenanteil ab 2027

Frontzahnkrone

399,62 Euro

346,34 Euro

53,28 Euro

Dreigliedrige Frontzahnbrücke im Frontzahnbereich

989,19 Euro

857,30 Euro

131,89 Euro

Kombinationszahnersatz

1879,21 Euro

1628,65 Euro

250,56 Euro

Warum sich ein Zahnarztbesuch in diesem Jahr noch finanziell auszahlen kann

Entscheidend für die Höhe des Festzuschusses ist laut KZVB der Zeitpunkt der Bewilligung durch die Krankenkasse, nicht der Behandlungszeitpunkt. Für alle Anträge, die bis zum 31.12.2026 bewilligt werden, gelten noch die alten Festzuschüsse. "Fragen Sie Ihren Zahnarzt", empfiehlt der Vorstandsvorsitzende Dr. Rüdiger Schott.

Wenn der Mediziner Zahnersatz für erforderlich hält, sollte der Antrag bei der Krankenkasse möglichst noch in diesem Jahr gestellt werden. Schott rät dazu, am besten frühzeitig einen Termin in der Praxis zu vereinbaren – denn es müsse mit längeren Bearbeitungszeiten gerechnet werden.

Zahnzusatzversicherung: Wann sie sich lohnt

Die Zahnärzte empfehlen, über eine Zahnzusatzversicherung nachzudenken, um künftige Eigenanteile abzufedern. Das gilt besonders für Patienten, die absehbar größere Zahnersatzmaßnahmen benötigen. Für Familien mit Kindern kann es sinnvoll sein, die Zahngesundheit früh zu fördern und regelmäßige Kontrollen einzuplanen.

Wer ist besonders betroffen?

  • Ältere Patienten: Sie benötigen häufiger Zahnersatz. Bei geringen Renteneinkünften belasten die höheren Eigenanteile besonders.

  • Junge Erwachsene: Sie beginnen oft erst mit einer eigenen Versicherung und können schwerer ein durchgehend geführtes Bonusheft aufbauen.

  • Familien: Sie können früh vorbeugen, um spätere Kosten zu begrenzen.

Demografische Einflüsse auf die Festzuschüsse

Die Änderungen der Festzuschüsse haben unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Altersgruppen. Ältere Patienten, die häufiger auf Zahnersatz angewiesen sind, sehen sich stärker mit den finanziellen Belastungen konfrontiert, insbesondere wenn sie nur geringe Renteneinkünfte haben. Junge Erwachsene, die vielleicht gerade erst mit einer eigenen Versicherung beginnen, könnten es schwerer finden, sich schnell an die neuen Regelungen anzupassen und von einem durchgehend geführten Bonusheft zu profitieren.

Familien mit Kindern hingegen könnten sich vermehrt überlegen, wie sie die Zahngesundheit ihrer Kinder frühzeitig fördern können, um spätere Kosten zu vermeiden. Es wird empfohlen, schon in jungen Jahren regelmäßige Zahnarztbesuche einzuplanen und über den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung nachzudenken, um künftige Kosten im Rahmen zu halten.

Vorschaubild: © Rolf Vennenbernd/dpa