Eine Gehaltserhöhung führt nicht automatisch zu weniger Netto auf dem Konto. Doch staatliche Leistungen und die kalte Progression können dazu führen, dass vom Plus weniger übrig bleibt.
Für zahlreiche Beschäftigte stellt eine Gehaltserhöhung einen bedeutenden Schritt dar. Das Ziel: mehr Netto am Monatsende. Dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht, eine Lohnerhöhung könne dazu führen, dass letztlich weniger übrig bleibt. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter und in welchen Fällen bleibt vom höheren Verdienst tatsächlich kaum etwas spürbar?
Weit verbreitet ist die Vorstellung, ein erhöhtes Gehalt führe automatisch dazu, in einen höheren Steuersatz zu rutschen. Viele fürchten daher, dass ihr gesamtes Einkommen stärker besteuert wird. Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um einen Irrtum, der nach wie vor für Unsicherheit sorgt.
Kann eine Gehaltserhöhung für weniger Netto sorgen?
Deutschland nutzt einen progressiven Einkommensteuertarif. Laut Bundesfinanzministerium bedeutet das zwar, dass mit steigendem Einkommen auch die Steuerbelastung zunimmt. Der höhere Steuersatz gilt jedoch ausschließlich für den Teil des Einkommens, der oberhalb einer bestimmten Grenze liegt. Das bereits zuvor verdiente Einkommen wird weiterhin nach den niedrigeren Steuersätzen besteuert. Deshalb kann eine Gehaltserhöhung allein nicht dazu führen, dass am Ende weniger Netto auf dem Konto landet.
So gibt der Grenzsteuersatz laut Bundeszentrale für politische Bildung an, mit welchem Steuersatz der jeweils nächste hinzuverdiente Euro belastet wird. Der Durchschnittssteuersatz beschreibt wiederum, wie hoch die Steuerlast im Verhältnis zum gesamten Einkommen ist. Viele verwechseln beide Werte miteinander und gehen deshalb fälschlicherweise davon aus, dass nach einer Gehaltserhöhung das komplette Einkommen dem höheren Steuersatz unterliegt.
Dennoch kann sich eine Gehaltserhöhung kleiner anfühlen als erwartet, da auf den zusätzlichen Bruttolohn immer auch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Deshalb kommt nur ein Teil der Erhöhung als Netto an. Das verfügbare Einkommen steigt jedoch immer: Mehr Brutto bedeutet auch mehr Netto, nur eben nicht im gleichen Umfang.
Welche Rolle spielt die kalte Progression bei einer Gehaltserhöhung?
Wenn eine Gehaltserhöhung kaum spürbar ist, steckt häufig die sogenannte kalte Progression dahinter. Diese entsteht hauptsächlich dann, wenn ein höherer Lohn lediglich die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleicht. Wie das Bundesfinanzministerium erklärt, kann dadurch trotz mehr Einkommens die Steuerbelastung steigen.
Das Netto auf dem Konto wird dann zwar nicht niedriger, die Kaufkraft steigt aber kaum. Wer gleichzeitig mehr für Miete, Energie oder Lebensmittel bezahlt, hat deshalb schnell das Gefühl, dass die Gehaltserhöhung kaum etwas verändert. Der Grund ist also nicht, dass die Steuer den höheren Lohn vollständig auffrisst, sondern das Zusammenspiel aus Inflation und Steuerprogression.