2025 erzielte der Fonds eine Rendite von 6,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 legte er trotz Marktturbulenzen um weitere 7,9 Prozent zu. Die politische Entscheidung über das Fondsmandat soll die Bundesregierung voraussichtlich im Herbst 2026 treffen.
Renditechancen und Zinseszinseffekt: Was die Kapitalrente leisten kann
Befürworter des Modells verweisen auf die historische Stärke der Aktienmärkte. Laut dem Deutschen Aktieninstitut erzielte ein 20-jähriger DAX-Sparplan im Schnitt rund acht Prozent Rendite pro Jahr – und das trotz Dotcom-Blase, globaler Finanzkrise und Euro-Schuldenkrise. Stephan Leithner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, bewertet das Modell positiv: "Den Kapitalmarkt nach schwedischem Modell in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, ist der große Wurf, der nötig war", so Leithner.
Die potenziellen Vorteile des Modells im Überblick:
- Investitionen in global diversifizierte Aktien und Indexfonds bieten höhere Renditechancen als das Umlagesystem allein
- Der Zinseszinseffekt entfaltet bei langer Ansparzeit eine erhebliche Wirkung – laut dem Finanzmagazin FundResearch wächst aus sieben eingezahlten Monatsgehältern bei fünf Prozent Rendite über 30 Jahre mehr als das Doppelte
- Die geplanten Fondskosten von 0,1 Prozent pro Jahr liegen deutlich unter denen vergleichbarer privater Anlageprodukte
- Junge Menschen profitieren durch die Frühstart-Rente von einem staatlich geförderten Einstieg in die Altersvorsorge
Doppelbelastung und strukturelle Risiken für bestimmte Bevölkerungsgruppen
Nicht alle Fachleute teilen den Optimismus. Kommissionsmitglied Peter Bofinger räumte gegenüber der Tageszeitung taz ein, die Kapitalrente sei beim Gesamtkompromiss "tatsächlich das Hauptproblem". In der Übergangsphase müssten Beschäftigte gleichzeitig ins Umlagesystem und in den neuen Kapitalstock einzahlen – eine spürbare Doppelbelastung. Christian Machts, Country Head Deutschland und Österreich beim Vermögensverwalter Franklin Templeton, benennt das Grundprinzip klar: "Sie ergänzt das bisher überwiegend umlagefinanzierte Rentensystem um ein kapitalmarktorientiertes Element", erklärt Machts auf Anfrage des Portals news.de – und genau das bedeutet in der Aufbauphase: mehr Beitrag, bevor der Ertrag fließt.
Ein weiteres strukturelles Problem betrifft Erwerbsunterbrechungen. Bei Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder der Pflege von Angehörigen fehlen für die Kapitalrente bislang Ausgleichsregelungen – obwohl der offizielle Abschlussbericht der Alterssicherungskommission (als PDF) genau darauf hinweist. Anders als bei der klassischen Umlagerente, die etwa Kindererziehungszeiten als Rentenpunkte anrechnet, sind solche Mechanismen für die Kapitalrente noch nicht vorgesehen. Wer früh im Berufsleben weniger einzahlt, verliert dabei nicht nur Beiträge, sondern auch deren Wertentwicklung über Jahrzehnte. Besonders deutlich wird die soziale Schieflage bei Geringverdienenden: Das Sozialrechtsportal gegen-hartz.de analysiert, dass der tatsächliche Nettovorteil für Menschen, die ohnehin auf Grundsicherung angewiesen sind, nahe null liegen kann – weil die Kapitalrente auf staatliche Leistungen angerechnet wird.
Wer profitiert – und wer weniger:
- Gut verdienende Arbeitnehmer mit langer, ununterbrochener Erwerbsbiografie profitieren am stärksten
- Geringverdienende laufen Gefahr, dass ihre Kapitalrente vollständig auf die Grundsicherung angerechnet wird
- Menschen mit Erwerbsunterbrechungen zahlen weniger ein und verlieren zusätzlich die entgangene Wertentwicklung
Wirtschaftliche Kosten und kritische Stimmen
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnte vor einer "massiven Mehrbelastung von mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr" für Unternehmen und Beschäftigte. Noch konkreter fällt die Warnung einer aktuellen Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aus: Dem Nachrichtenportal bürgergeld.org zufolge könnte die Kapitalrente in der Aufbauphase bis zu 250.000 Arbeitsplätze kosten – bevor sie Rentnerinnen und Rentnern überhaupt mehr Geld bringt. Die Hans-Böckler-Stiftung kritisiert zudem "auffällig optimistische Annahmen" bei den zugrunde liegenden Renditeerwartungen. Hinzu kommt das systemimmanente Marktrisiko: Börsenschwankungen können angesparte Mittel kurzfristig erheblich mindern – ein Risiko, das im Umlagesystem in dieser Form nicht existiert.
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