Ähnlich hoch sei die Rendite in dem Zeitraum beim Weltaktienindex MSCI World, der mehr als 1.300 Unternehmen abbildet und den viele Anleger mit Indexfonds (ETFs) besparen. Zwar sorgten in den vergangenen Jahrzehnten das Platzen der Dotcom-Blase, die globale Finanzkrise und die Euro-Schuldenkrise immer wieder für Einbrüche an den Börsen, doch langfristig stiegen Aktienindizes immer weiter. Beim Investment in Einzelaktien, die Finanzexperten wegen der Verlustrisiken grundsätzlich kritisch sehen, kann das anders aussehen.
Profitiert auch die Wirtschaft?
Bundeskanzler Merz hält die Kapitalrente für eine «geniale Idee». Denn zugleich kämen «auf diese Weise mindestens 30 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich in die Wirtschaft». Im Idealfall profitiert die gesamte Volkswirtschaft von der Kapitalrente: Wenn an den Aktienmärkten mehr Kapital zur Verfügung steht, wird es für Unternehmen attraktiver, an die Börse zu gehen. Das schafft Möglichkeiten, zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Ähnlich sieht das der Vorstandschef der Deutschen Börse, Stephan Leithner: «Den Kapitalmarkt nach schwedischem Modell in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, ist der große Wurf, der nötig war.» Wenn die Bundesregierung die Konzepte zügig umsetze, sei man auf sehr gutem Weg für eine zukunftsfähige Altersvorsorge. «Die neuen kapitalmarktbasierten Ansätze der Rentenkommission werden auch wichtige Impulse für die Finanzierung von Unternehmen und Börsengänge aus Deutschland heraus setzen.»
Ist der Vorschlag ein Geschenk für die Finanzbranche?
Nach dem Vorschlag der Rentenkommission soll ein Staatsfonds oder die Bundesbank das Geld zu Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr anlegen. Die Finanzbranche hatte andere Erwartungen und gehofft, der Staat würde die Leute stärker zu privater oder betrieblicher Altersvorsorge zwingen - etwa über Finanzprodukte, die von Banken und Fondsanbietern verkauft werden.
Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) kritisiert: «Ein neues, staatlich zentralverwaltetes System nach schwedischem Vorbild bindet Ressourcen, schafft bürokratische Doppelstrukturen und öffnet die Tür für politische Einflussnahme auf die Kapitalanlage.» Grundsätzlich sei mehr Kapitaldeckung richtig und nötig, so der GDV. Er hielte es aber für sinnvoller, wenn die Politik die bestehenden Strukturen der betrieblichen und privaten Altersvorsorge stärkt.
Was sagen Kritiker der Kapitalrente?
Der «Wirtschaftsweise» Achim Truger kritisiert, bei der Kapitalrente würden die Risiken der Finanzmärkte ausgeblendet. Die Versprechungen realer jährlicher Renditen von fünf Prozent nach Abzug von Kosten seien «überoptimistisch und färben die Reformvorschläge schön», schreibt der Ökonom.
Zudem würden Beitragszahler in der Übergangsphase doppelt belastet, weil sie wie bisher in der Umlage die aktuellen Renten zahlen und zusätzlich Beiträge für den Kapitalstock entrichten müssten. Dies würde nach Einschätzung von Truger den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der Wirtschaft ist, «spürbar dämpfen».
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger kritisiert, mehr Kapitaldeckung in der Alterssicherung sei sinnvoll, aber nicht durch den Staat, sondern freiwillig privat und betrieblich. «Die Kapitalrente würde eine massive Mehrbelastung von mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr für Unternehmen und Beschäftigte bedeuten. Das würde für weniger Netto vom Brutto sorgen - und Arbeit unattraktiver machen.»